Seychellen Adlerrochen im Whirlpool
Die nördlichen Seychelleninseln zeigen sich hügelig und grün, die im Süden sind flach und karg. Auch Taucher stellen Unterschiede zwischen Inner und Outer Islands fest. Die Koralleninseln der Outer Islands - fast 1000 Kilometer südlich der Hauptinsel Mahé gelegen - sind nur schwer zu erreichen und touristisch kaum erschlossen. Für Taucher bleibt meist nur die mehrtägige Anreise und der Aufenthalt auf einem Schiff.
Tauchen im Süden der Seychellen ist also etwas für seefeste Naturen, die es deutlich länger als eine Woche auf schwankenden Planken aushalten. Für den langen Weg dorthin entschädigen allerdings Tauchgänge in typischen Korallenriffen. Im Norden erreicht man die Tauchgebiete sowohl per Tauchkreuzfahrt als auch in Tagesausflügen mit kleinen Booten.
Außerhalb der Taifunzone gelegen, stören auf den Seychellen kaum einmal unangenehme Wellen auf dem Weg zum Tauchplatz, Strömungen sind selten so stark wie zum Beispiel auf den Malediven. So haben selbst Tauchanfänger ihre Freude an der schweigenden Welt.
Die meisten Tauchreviere der Inner Islands liegen nur wenige Meter vor einer Insel oder einem der Riffe. Vielleicht ist die "Ennerdale" einem solchen Riff zum Opfer gefallen. Die Reste von Bug und Heck dieses Wracks sind von den Basen im Norden von Mahé aus ein beliebtes Ziel für Taucher.
Die gesamte Unterwasserlandschaft rund um Mahé, Praslin und La Digue ist von Granitformationen geprägt: Felsblöcke, groß wie Einfamilienhäuser, Steinzungen wie aus Lava gegossen oder fast unüberschaubare Steingärten. Korallenriffe gibt es im Norden nicht. Nur vereinzelt wachsen kleine Korallenstöcke oder Fächerkorallen auf den Felsen oder in Nischen. Ein kleiner Trost für dieses Manko: Hier wird der Taucher auch nicht allerorts an die Korallenbleiche erinnert, die infolge der weltweiten Erwärmung seit drei Jahren längs des Äquators ihre Folgen zeigt.
Aber auch ohne Korallen tobt das farbenprächtige Leben unter Wasser zwischen den Felsen und in kleinen Höhlen. Besonders auffällig sind die Putzerstationen. Vom Zackenbarsch bis zur Muräne gibt sich dabei so ziemlich jeder Fisch ein Stelldichein zur Körperpflege. So genannte Putzerfische warten dort auf Kundschaft und befreien ihre Artgenossen von Parasiten an Kiemen und im Maul. Selbst Raubfische halten dabei still. Es gilt das Gesetz des Hausfriedens, was abseits der Putzerstationen natürlich anders ist.
Wie von riesiger Hand über den Meeresboden gestreut bilden die Felsen so manche kleine Höhle. Die schattigen Grotten sind beliebter Unterschlupf für die lichtempfindlichen Soldatenfische. Rotfeuerfische schweben in Felsspalten und warten auf unvorsichtige Beutefische die sich in ihre Nähe wagen. Das Farbenspiel der langen Flossen fasziniert den Taucher immer wieder neu. Atemberaubend sind die Adlerrochen, die in der Dünung der Brandungswellen spielen wie in einem Whirlpool.
In den frühen Morgenstunden oder vor Einbruch der Dämmerung haben Tauchgänge einen besonderen Reiz. Dann begegnet man den nachtaktiven Fischen und auch Räuber wie Muränen und kleine Weißspitzenriffhaie gehen auf die Jagd. Tagsüber verstecken sich diese harmlosen Vertreter der Haifamilie in Höhlen und Durchbrüchen unter den Felsen. Auf der Suche nach ihnen ist jedoch Vorsicht geboten - nicht wegen der Haie, sondern wegen der Seeigelstachel, die überall am Boden verstreut liegen.
Auf Mahé gibt es zahlreiche Tauchbasen, viele sind wie etwa im Coral Strand Hotel oder im Plantation Club im Süden der Insel an ein Hotel angeschlossen. Auf Praslin gibt es unabhängige Tauchbasen direkt am Meer. Den kürzesten Weg zum Tauchrevier bieten aber zweifellos Schiffe wie die "Sea Pearl" oder "Sea Shell", die vom Kompressor bis zur kompletten Tauchausrüstung alles an Bord haben.