Solartaxi im Libanon: Schwatz mit der Hisbollah - DER SPIEGEL
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Solartaxi im Libanon Schwatz mit der Hisbollah

Ein ungewohnte Erfahrung für die Solartaxi-Crew: Das ungewöhnliche Gefährt wird im Libanon schlicht ignoriert – keine neugierigen Fragen, keine interessierten Zuschauer. Dafür stoppt die Hisbollah-Miliz Louis Palmer und seine Mitfahrer.
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Die Straße windet sich vierspurig aus 1600 Meter Höhe runter direkt ans Meer – nach Beirut. Dort beeindruckt uns die 750.000-Einwohner-Stadt durch Wolkenkratzer à la Dubai, mit Autos und edlen Quartieren à la Monte Carlo sowie Armenvierteln à la Gaza-Stadt. Dabei steht auf jedem Hauptplatz ein Panzer, und ganze Stadtteile sind noch Ruinen. Ein befriedeter Kriegsschauplatz, und niemand weiß, wie es weitergeht. Das erste Mal auf der Reise lernen wir hier, wie es ist, wenn das Solartaxi einfach ignoriert wird. In 48 Stunden näherte sich uns kein einziger Mensch, um Fragen zu stellen. Und noch nie in meinem Leben habe ich so viele Mercedes und Hummer gesehen wie hier.

Zum Abendessen bin ich mit vier Umweltaktivisten am Meer verabredet. "Umweltschutz ist leider kein Thema im Libanon", sagen die vier. "Seit neun Monaten haben wir keinen Umweltminister mehr. Jetzt packen wir es selber an!" Sie meinen die Beseitigung der Schäden, die durch die große Ölpest vor einem Jahr entstanden ist. Jasmin sagt, dass erst 15 Prozent der Küste Libanons gesäubert wurden. Und wer als Freiwilliger das Öl in Plastiksäcke abgefüllt hat, findet seine Säcke heute noch irgendwo am Strand.

"Die Menschen hier tun erst etwas, wenn es sie direkt betrifft. Und das Ministerium tut momentan eh nichts. Das Thema Umweltschutz ist zu abstrakt. Hier haben die Menschen andere Sorgen, es geht darum, wie man hier überleben kann. Immerhin hatten wir vor zwei Wochen in Beirut einen neuen Temperaturrekord. 36 Grad hatten wir hier vorher noch nie! Aber in der Zeitung haben wir erst einmal etwas von globaler Erwärmung gelesen! Kaum jemand hier weiß, dass es die globale Erwärmung gibt!"

Hisbollah-Miliz in weißem Mercedes

Wir blätterten am nächsten Morgen in den Zeitungen des Libanon auf der Suche nach der Berichterstattung übers Solartaxi. Die Parteien machen mit dem Solartaxi glatt eigene Propaganda: Die anti-syrische Zeitung der Hariri-Partei zum Beispiel schreibt, dass der "deutsche" Louis Palmer von "Deutschland" aus losgefahren ist und von der Türkei aus direkt nach Libanon eingereist sei. Syrien, das dazwischen liegt, sowie die Schweiz scheinen für diese Zeitung nicht zu existieren.

Wir fahren in den Teil Beiruts, der vor einem Jahr im Krieg am meisten zerstört wurde. Dieser Stadtteil wird von den Hisbollah-Milizen kontrolliert, und überall hängen die Plakate ihres Chefs Hassan Nasrallah, dem von ihnen gefeierten Helden des Krieges. Neben uns türmen sich die Trümmerhaufen, überall stehen Bagger in Aktion, Gräben sind aufgerissen.

Kaum angekommen, werden wir schon von Hisbollah-Leuten in einem weißen Mercedes ohne Nummernschild angehalten. Uns ist es mulmig, denn die Typen wollen genau wissen, was wir hier tun. Wir durchleben bange Minuten. Nur unser Übersetzer Hassan nimmt es locker. Als Syrer nennen ihn die Hisbollah gleich "Bruder", und so haben wir den Goodwill der Milizen schnell auf unserer Seite. Katja ist zwar etwas bleich, und Heinz guckt ziemlich fatalistisch, doch schon nach wenigen Minuten dürfen wir wieder aufbrechen.

Die Hisbollah verbietet uns jegliches Fotografieren, schenkt uns zum Abschied aber eine CD mit genehmigten Aufnahmen der zerstörten Stadt und entschuldigt sich, dass heute keine Fotografiergenehmigung mehr ausgestellt wird. Morgen halte Nasrallah wieder eine Rede vor 100.000 Anhängern, zum Jahrestag des Kriegsende, und deshalb hätten die eigenen PR-Leute keine Zeit mehr für uns.

Zurück an der libanesischen Grenze. Die Abschiedsworte des Zöllners: "Endlich sind wir euch los! Und kommt ja nie wieder!"

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