Solartaxi in Sydney: Schweizer Gipfeltreffen - DER SPIEGEL
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Solartaxi in Sydney Schweizer Gipfeltreffen

Ein gescheitertes Presse-Event, Dauerregen und ein kaputter Scheibenwischer - In Sydney hat das Solartaxi allerlei Probleme zu bewältigen. Doch Louis Palmer lässt sich auf der Suche nach interessanten Menschen und Klimaschutzprojekten nicht bremsen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Umstand, dass der Umweltschutz in Australien ziemlich unterentwickelt ist und das Land zu den größten Klimagas-Verursachern der Welt gehört, scheint besonders viele Umweltaktivisten hervorzubringen. Eine davon ist Keelah aus Sydney, bei der wir untergebracht sind. Von ihr lernen wir, wie man umweltfreundlich leben kann.

Den Strom produziert Keelah auf ihrem Hausdach mit sechs Quadratmetern Solarzellen. Den Strom speist sie ins Netz ein und "verkauft" ihn ans Elektrizitätswerk. Dass sie dafür weniger Geld erhält, als wenn sie selber Strom ab Steckdose kaufen würde, hält sie nicht davon ab, trotzdem Solarzellen zu montieren. "Australien hat zwar viel Sonnenschein, aber gefördert wird hier nur der Kohleabbau", meint sie dazu, und verschwindet in den Supermarkt.

Es ist nicht irgendein Supermarkt: In ihrem so genannten "Food coop" gibt es keine Plastiktüten. Der Laden zählt etwa 400 Mitglieder, die alle ihre Ware in Kartonschachteln nach Hause bringen. Keelah rechnet vor: "Pro Jahr werden in Australien 6.8 Milliarden Plastiktüten abgegeben. Gelangt eine Tüte mal in die Natur, dauert es bis zu 1000 Jahre, bis sie abgebaut ist." "Sustainable Living", zu deutsch "Nachhaltiges Leben" nennt Keelah ihren Lebensstil. Und sie ist nicht die einzige, die nachhaltig lebt. Aus Melbourne hat sich ein gewisser Luke gemeldet, der in zehn Tagen ein "Sustainable Living Festival" organisiert und das Solartaxi unbedingt dabei haben möchte. Er erwartet 120.000 Besucher.

Presse-Flop dank Polizisten-Mord

Zurück in die Werkstatt. "Diese Schweißnaht wird ewig halten!" meint Bob, nachdem er den Aufhängepunkt des Motors und der Radaufhängung geschweißt hat. Nun, wir sind langsam skeptisch. Rumänische, saudische und indische Schweißnähte hielten alle nicht. Ob es nun wirklich besser wird? Thomas war bis tief in die Nacht hinein in Bobs Werkstatt geblieben, um das Solartaxi wieder zusammenzubauen, denn am nächsten Tag wartet die Presse.

Das ist so eine Sache mit unserer Reise: Schwierigkeiten, die wir erwarten, treffen nicht ein - dafür aber lauter Unerwartetes. In Sydney scheint es keinen Platz zu geben, wo wir das Solartaxi der Presse präsentieren dürfen. Vermieter verlangen eine Haftpflicht-Versicherung in Höhe von sechs Millionen Euro.

Als Rettung springt in letzter Minute ausgerechnet das Parlament von New South Wales ein. Auf ihrem Vorplatz dürfen wir die Presse einladen. Doch auf die Journalisten warten wir vergeblich. Als endlich eine Frau vom Radio auftaucht, wissen wir, was Sydneys Medienvertreter gerade auf Trab hält: Im Centennial Park wurde soeben ein Polizist erschossen.

Mit Wind und Muskelkraft von Berg zu Berg

Durch Zufall lese ich in der Zeitung einen Bericht von einer berühmten Schweizer Familie, die nicht nur topfit ist, sondern eine Weltumrundung namens "Top to Top" unternimmt und ebenfalls in Sydney angekommen ist: Sabine und Dario Schwörer sind mit ihren Kindern Salina (3) und Andri (1) unterwegs, um die jeweils höchsten Berggipfel aller sieben Kontinente zu besteigen.

Seit vier Jahren ist die Familie bereits unterwegs. Bevor Salina geboren wurde, segelte sie bereits 5000 Seemeilen, fuhr 2500 Kilometer Rad und erklomm 4000 Höhenmeter. Ihr kleiner Bruder hatte vor seiner Geburt 6000 Seemeilen und 600 Kilometer Radstrecke hinter sich. Die Familie setzt ausschließlich auf die klimafreundlichen Fortbewegungsmittel Wind und Muskelkraft. Die Schwörers wollen zeigen, dass selbst schwierigste Herausforderungen im Einklang mit der Natur erreicht werden können.

Ich lese, dass ihr Segelboot gerade am "Five Dock Point" liege, also nichts wie hin! Natürlich staunen die Schweizer Weltenbummler nicht schlecht, als es spontan zu einem historischen Treffen kommt: Alle drei Schweizer, die gerade auf Weltreise sind, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen, sind heute Abend in Sydney vereinigt: Das Toptotop-Segelboot, Rudis Frittieröl-Mercedes und das Solartaxi. Es gibt viel zu erzählen, und statt nach Canberra weiterzufahren, entscheide ich mich spontan, eine Nacht auf dem Segelschiff zu verbringen. Es gibt auch etwas zu feiern: Vor genau sieben Monaten ist das Solartaxi in Luzern gestartet.

Doch dann, heute Morgen in aller Herrgottsfrühe, folgt die nächste Überraschung: Es regnet. Besser gesagt: Es schüttet. Die stärksten Regenfälle seit fünf Jahren prasseln auf die Stadt nieder. Ich habe gerade die Hälfte der Strecke nach Canberra, das Dörfchen Mittagong, erreicht. Im strömenden Regen, in riesigen Pfützen auf der Autobahn, wäre ein Segelboot das sinnvollere Vehikel. Von überall her tropft es herein.

Hier in Mittagong ist vorerst Schluss. Denn gerade ist das einzige Teil des Solartaxis, das wir aus einem Auto ausgebaut haben, ausgefallen: Der Renault-Scheibenwischer. Doch diesmal kann ich warten. Bis Melbourne sind es nur noch 800 Kilometer, und dafür haben wir ja noch zehn Tage Zeit.

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