Solartaxi Mit Polizeieskorte durch Syrien
Spätestens nach dem Unfall kurz nach der Grenze war klar, dass für uns der Straßenverkehr in Syrien die große Herausforderung darstellen wird. Blinker und Rotlichter gelten hier als Dekoration, und einzig die Lautstärke der Hupe entscheidet, wer Vortritt hat. Ich musste mich darauf einstellen, dass es mit dem Solartaxi zu unerwarteten Schwierigkeiten kommen könnte.
Daher war es gut, dass wir in Aleppo Hassan kennen gelernt haben. Der clevere Bursche, der gerade in Frankfurt Medizin studiert, entschied sich spontan, uns in den nächsten Tagen zu begleiten. Seine Hilfe als Übersetzer und Troubleshooter hat sich für uns in vielen Lagen bisher als Glücksfall erwiesen. Ohne ihn, so muss ich ehrlich gestehen, wären wir oft tief in Schwierigkeiten versunken.
Bis zur Hauptstadt Damaskus war es noch eine halbtägige Fahrt in glutheißen Abgaswolken der Lastwagen. Diesel hat hier eine derart schlechte Qualität, dass jeder Lkw pechschwarze Wolken ausbläst. Bei Außentemperaturen von 40 Grad Celsius tropfte der Schweiß in meine Augen und mischte sich mit Ruß und Flugsand. Nur nicht reiben, Augen offen halten und durchhalten was für eine Tortur.
Mit Sirenengeheul durch Damaskus
Am Ende des Tages, kurz vor dem Ziel, überraschte uns ein Empfangskomitee: An der Stadtgrenze von Damaskus wartete eine Polizeieskorte, offiziell und von höchster Stelle geschickt. Hoch erfreut folgten wir Ahnungslosen einem Motorrad, einem roten Polizeifahrzeug und lautem Sirenengeheul quer durch die Acht-Millionen-Stadt. Kam der Verkehr ins Stocken, riefen die Polizisten durch Lautsprecher nach vorne:
"Fahr nach links!"
"Wir haben's eilig!"
"Wichtig! Wichtig!"
"Fahr schneller, du Hund!"
Die Polizisten gehören mittlerweile zu unserer Crew. Egal, wo wir hinwollen, immer werden wir mit Polizeisirene durch die Stadt eskortiert, so auch hierhin in dieses Internet-Cafe. Während ich schreibe, wacht ein Polizist draußen vor der Tür, und ich freue mich, in wenigen Minuten wieder mit Blaulicht durch die Stadt geleitet zu werden. Als wir den Verkehrsminister in seinem Büro trafen, sagte er mit einem breiten Lächeln: "Wisst ihr, wenn Syrien euch eine Polizeieskorte zur Verfügung stellt, dann meint die halbe Welt, dass Syrien euch bespitzeln will. Dabei ist das nur ein Akt von unserer Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft. Wenn ihr wollt, könnt ihr auch absolut ohne jegliche Polizeieskorte weiterfahren, mir ist's egal!"
Ruppiger Empfang an der Grenze zu Libanon
Gerne wollten wir seine Eskorte behalten. Der Verkehrsminister ist unser neuer Helfer hier in Damaskus. Da er seinen libanesischen Ministerkollegen am Sonntag in Beirut nicht erreichen konnte, schrieb er kurzerhand selber einen Brief an die libanesischen Grenzbeamten, sie sollten uns bei der Einreise in den Libanon behilflich sein. Nachdem uns die syrische Polizei bis zur Grenze eskortiert hatte, präsentierten wir dieses Schreiben - zusammen mit dem Empfehlungsschreiben der Schweizer Botschaft - dem libanesischen Zoll.
"Das interessiert uns nicht", zischte der Libanese am Zoll. "Was, eine Pressekonferenz wollt ihr machen? Habt ihr eine Genehmigung aus Beirut?" Wir schüttelten nur den Kopf. "Ihr seid Ausländer, ihr habt doch Geld für so was!" Die Einreise in den Libanon dauerte drei Stunden und kostete uns 60 Dollar an Schmiergeld, um das Solartaxi ohne Anhänger und ohne Begleitbus für die (kostenpflichtige) Pressekonferenz in den Libanon zu bringen.