Solartaxi Probefahrt mit Kennedy
In Adelaide erwartet mich Andrew Dickson. Am Telefon hatte er mir gesagt, dass er gerade Windkraftwerke an die australische Regierung verkauft und daneben noch Zeit genug für uns habe. Doch Andrew muss heute am Stadtrand lange auf mich warten. Denn zum zweiten Mal seit der Abfahrt in der Schweiz hat mich heute die Polizei von der Autobahn geholt.
Wo denn meine Straßenzulassung für South Australia sei, wollte der Beamte wissen, der mich auf dem Pannenstreifen zum Abbremsen brachte. Zugegeben, ich habe keine Zulassung, denn die Polizeiposten hatten in den Kleinstädten bisher nicht dann geöffnet, als ich gerade an der Tür stand. Ich muss versprechen, den Freeway zu verlassen. Der Polizist kann es kaum glauben, dass ich bereits durch 20 Länder gefahren bin, ohne von der Polizei angehalten zu werden - mit einer Ausnahme in Abu Dhabi.
Andrew lotst mich zu seinem Haus und meint, es sei hier ein ganz sicheres Quartier. Natürlich mache ich mir immer Sorgen, wenn das Solartaxi draußen in einer Straße über Nacht stehen bleibt, doch umso größer war die Verwunderung am nächsten Morgen: Das Solartaxi ist unversehrt, doch das am Begleitfahrzeug festgemachte Fahrrad ist weg. Nach 20 bereisten Ländern wurde es hier im sicher gewähnten Quartier geklaut.
Visite beim einzigen Solarbus der Welt
Danach geht's zum Bürgermeister, Michael Harbison. Er ist ein großer Fan von Solarfahrzeugen. Sogar einer seiner Nahverkehrsbusse fährt mit Solarstrom und ist damit der einzige Solarbus der Welt. Ganz nebenbei erwähne ich den Diebstahl des Fahrrads, ohne etwas dabei zu denken. Ich fahre Harbison zum Solar City Congress. Zwei Stunden später steht er neben dem Solartaxi - mit zwei nagelneuen City Bikes. "Ich habe euch zwei Fahrräder organisiert. Damit ihr nicht mit schlechten Erinnerungen Adelaide verlassen müsst." Wir können kaum glauben, was uns hier geschieht.
Doch die Berg- und Talfahrt der Emotionen geht weiter. Beim Solarkongress sind wir eingeladen zu einem Vortrag von Robert F. Kennedy, der sich weltweit für den Umweltschutz stark engagiert. Er ist der Neffe des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy.
Als Kennedy den Kongress verlässt, lässt er sich eine Probefahrt im Solartaxi nicht entgehen. Ob denn die USA bereit sind für die Sonnenenergie, will unser Kameramann Erik von ihm wissen. "Die Leute sind im Moment ganz aus dem Häuschen, wenn sie Aktionen wie diese hier sehen. Schließlich wollen wir uns von unserer Erdölabhängigkeit lösen", sagt Kennedy. Er blickt aufs Solartaxi und wird nachdenklich. "Wenn wir nur einen Bruchteil der Ausgaben statt in den Krieg in solche Technologien investiert hätten, wäre Amerika ein ganz anderes Land und wir könnten nach unseren Idealen leben. Stattdessen zerstören wir unser Prestige, unsere Wirtschaft und unsere Umwelt." Kennedy erhielt vor kurzem vom "Times-Magazin" die Auszeichnung "Held des Planeten".
Boom in der Solarfabrik
Zum Schluss des Tages steht ein Kurzbesuch bei Adrian an. Dass Australien bereit ist für die Sonnenenergie, kann er beweisen. Er besitzt nämlich die größte Solarfirma Australiens - mit 60 Mitarbeitern. Und er hat genug Grund zur Freude: "Noch vor einem Jahr haben wir hier in Adelaide etwa drei Solaranlagen pro Woche installiert, heute sind es 20. Es ist einfach herrlich zu sehen, wie das hier so schnell populär wurde. Nicht nur, weil jeder Hausbesitzer 8000 Dollar Zuschuss vom Staat für seine Solaranlage erhält, sondern auch, weil Solarzellen auf dem Dach einfach schick und modern geworden sind. Ich weiß gar nicht, woher ich die Leute nehmen soll, die die Arbeit für mich machen können. Es boomt einfach."