Sonntag, 20. April Weiße Ostern
Gestern Abend um 20 Uhr sind die beiden schweizerischen Bergsteiger Tom Zwahlen und Christian Rossel mit dem Freiburger Eike Mrosek noch vom Lager 1 ins Lager 2 aufgestiegen. Das schlechte Wetter überraschte sie im Lager 2 und hielt sie zwei Stunden fest. Ohne Schlafsack war es für die drei ganz schön kalt. Im Zelt nickten sie ein und wachten immer wieder vor Kälte auf. "Entweder sich etwas abfrieren oder absteigen ins Lager 1", dachte sich Eike Mrosek. Um ein Uhr nachts kamen die drei in den Zelten bei ihren Schlafsäcken an. Minus zwölf Grad zeigte das Thermometer an. Tagsüber maß Tom Zwahlen noch mehr als 50 Grad. So heiß kann es in dem Kessel werden, wenn die Sonne scheint.
Während die drei im so genannten Western Cwm, dem langen Tal in Richtung Lhotse-Wand, zum Lager 2 aufstiegen, richteten Roland Brand, Eckhard Schmitt und Frank Everts ihre Sachen. Die deutschen Bergsteiger hatten sich einen Ruhetag gegönnt und wollen heute dasselbe Programm abspulen wie die Gruppe vor ihnen. Duschen, Wäsche waschen und es sich gut gehen lassen war das Hauptprogramm am Ruhetag. Auch die Mediziner hatten Zeit, ihre Studie dem Ende entgegen zu bringen.
Gegen 13 Uhr sind die Bergsteiger Brand, Schmitt und Everts heute im Lager 1 angekommen, Zwahlen, Mrosek und Rossel braun gebrannt und durstig im Basecamp. Ob die deutschen Alpinisten noch wie geplant im Lager 2 übernachten, wollen sie je nach Wetterlage entscheiden. Das Expeditionsteam hält den Basecamparzt Peter Becker alle vier Stunden per Walkie-Talkie auf dem Laufenden. Auch die Wettervorhersage, die jeden Tag per E-Mail aus der Schweiz abgerufen wird, gibt Peter Becker per Funk an den Berg durch.
Die Sherpa-Bergsteiger arbeiten unabhängig von dem Expeditionsteam. Die schnellsten schaffen es in vier Stunden vom Basecamp ins Lager 2, um dort das Material für die beiden nächsten Höhenlager zu deponieren. Die fünf einheimischen Helfer sind erfahren und bestens an die Höhe angepasst. Die Sherpa sind meistens zum Mittagessen wieder im Basislager, während die Bergsteiger aus Deutschland und der Schweiz sich noch den Eisfall hocharbeiten.
Eisbruch hoch, Eisbruch herunter, dieses Programm wird sich noch die nächsten zwei Wochen fortsetzen - bis alle vier Höhenlager eingerichtet sind und die Mannschaft bereit für den Gipfelsturm ist.