Sri Lanka: Letzte Zuflucht der Elefanten - DER SPIEGEL
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Sri Lanka Letzte Zuflucht der Elefanten

Die Babys jagen sich durch den Fluss, während sich die alten Elefanten mit einer Kokosnussschale genüsslich den Rücken kratzen lassen - und Touristen sind dicht dran am Spektakel. Das Waisenhaus von Pinnawela auf Sri Lanka hütet mehr als 70 der grauen Dickhäuter.
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Pinnawela - Das Baden macht ihnen sichtlich Spaß: Täglich vergnügen sich junge und alte Elefanten aus Pinnawela im Fluss Maha Oya. Sie prusten mit ihren Rüsseln ins Wasser oder lassen sich von ihren Pflegern im Fluss liegend mit einer Kokosnussschale den Rücken kratzen. Touristen strömen täglich in Scharen von den Badeorten an Sri Lankas Küste heran, um das Schauspiel zu beobachten. Seit 1975 gibt es das Elefanten-Waisenhaus. Heute ist es eines der beliebtesten Ausflugsziele auf der Insel im Indischen Ozean.

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Elefanten-Waisenhaus: Wellness für Dickhäuter

Foto: GMS

19 Millionen Menschen und schätzungsweise mehr als 3000 wilde und zahme Elefanten leben auf Sri Lanka. Vor der Ankunft der britischen Kolonialherren 1815 waren es noch etwa 30.000 Tiere. In den sechziger Jahren galt der Bestand der Dickhäuter als stark gefährdet. Die Regierung schuf daraufhin das Waisenhaus für Elefanten, die aus unterschiedlichen Gründen ihre Herde und vor allem ihre Mütter verloren haben.

Heute leben mehr als 70 Tiere in Pinnawela, das etwa 80 Kilometer nordöstlich von Colombo liegt. Die Gruppe gilt weltweit als eine der größten Elefantenherde, die in Gefangenschaft gehalten wird. Zu ihnen gehört auch ein Elefant, der bei einem Unfall mit einer Mine einen Fuß verlor und seitdem auf drei Beinen läuft. Ein anderer Dickhäuter ist blind und auf die Hilfe seiner menschlichen Begleiter angewiesen.

Baby mit 65 Kilogramm

Als Grund für den starken Rückgang des Elefantenbestandes gelten die Abholzung des Regenwaldes, der jahrelange Krieg zwischen Tamilenrebellen und der Armee im Norden der Insel und Wilderei. Das Verhältnis zwischen den Tieren und den einheimischen Bauern ist nach wie vor angespannt, erzählt Appuhamiga Premadasa. Der 35-Jährige lebt in einem Dorf im Landesinneren. Mais und Getreide baut er neben seinem Haus an. Vier Monate im Jahr verbringt der Familienvater jedoch notgedrungen die Nächte in einem Baumhaus, um seine bestellten Felder zu bewachen und Elefanten zu verjagen.

In Pinnawela zieht die Elefantenherde zweimal täglich vom Waisenhaus zum Fluss, um dort vor den Augen der Touristen zu baden. Wer mag, kann gegen ein paar Rupien die gewaltigen und gutmütig dreinschauenden Tiere anfassen. Während kleine Elefantenbabys und ausgewachsene Dickhäuter bedächtig im Wasser plantschen, surren und klicken die Film- und Fotoapparate der ausländischen Gäste. Für Filmaufnahmen im Waisenhaus selber - so etwa bei der Fütterung der Kleinen mit der Flasche - müssen Besucher allerdings extra zahlen.

Seit der Eröffnung des Waisenhauses kamen dort mehr als 30 kleine Elefanten zur Welt. "Ein Baby wiegt bei der Geburt etwa 65 Kilogramm", sagt Waisenhaus-Direktor Pathmalal. Ein ausgewachsenes Tier bringt etwa drei Tonnen auf die Waage. Die rund 110 Mitarbeiter der Einrichtung versorgen die Herde unter anderem mit Blättern und Holz von Palmen - täglich sind das 14.000 Kilogramm. Das Waisenhaus finanziert sich aus den Eintrittsgeldern und staatlichen Geldern.

Sind die Tiere an den Menschen gewöhnt, können sie in der Regel nicht mehr in die Freiheit entlassen werden. Über Austauschprogramme gelangen sie bis in Zoos nach Deutschland. Einige Exemplare gehören heute zu den geachteten Tempeltieren, die in der Stadt Kandy bei der jährlichen religiösen buddhistischen Prozession eingesetzt werden.

Von Bettina Grachtrup, gms

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