Südafrika "Easy going" mit dem Baz-Bus
Kapstadt - Draußen vor den Fenstern zieht Afrika vorbei. Doch der Schwarze Kontinent will so gar nicht den Erwartungen entsprechen. Er wirkt europäisch: In endloser Folge wechseln Häuser im holländischen Stil mit Wiesen und Weinbergen. Der Frühling kommt gar norddeutsch daher: Es nieselt.
Im Baz-Bus können Backpacker mit einem einzigen Ticket sicher und bequem durchs ganze Land fahren. Eine Fahrt - etwa von Kapstadt bis nach Johannesburg - kann dabei beliebig oft unterbrochen werden. Eine zeitliche Obergrenze für die Tour gibt es nicht. "Wir haben den Bus extra für Rucksackreisende mit knappen Budget gemacht", erklärt Yael van der Heyden die Idee zu ihrer Firma.
Die Gedanken hängen den sonnigen Tagen in Kapstadt nach. Ein Blick am Abend vom Bloubergstrand hinüber zur Stadt macht rasch klar, warum viele von Kapstadts Lage schwärmen: Vorne umwächst die Stadt die weit geschwungene Table Bay. Hinten schmiegen sich die Häuser an den Tafelberg, der als Wahrzeichen über allem thront.
Südlich des Tafelberges strecken sich die Gipfel der Kaphalbinsel wie ein Rückgrat der Antarktis entgegen. Auf den letzten Meilen bis zum Kap der Guten Hoffnung scheint der Schwarze Kontinent noch einmal alle Reisenden mit seiner Natur belohnen zu wollen: Vorbei an malerischen Vororten wie Clifton, Camps Bay oder Hout Bay schlängelt sich eine der wohl schönsten Küstenstraßen der Welt zwischen hoch aufragenden Felsburgen und der kalten Brandung des Atlantiks bis zum Kap der Guten Hoffnung. Das spektakulärste Stück - der Chapmans Peak Drive - wurde hier in 150 Metern Höhe in die Klippen gesprengt.
Der milde Einfluss des Indischen Ozeans hat im Wechselspiel mit dem kalten Atlantik die Berge am Kap zu einem der pflanzenreichsten Regionen der Welt werden lassen. Über 8000 Arten haben Botaniker gezählt, mehr als Tausend existieren ausschließlich hier. Im südafrikanischen Frühling von September bis November wird die ganze Vielfalt sichtbar: Geranien und Lilien, Erica, Gladiolen und Proteen schießen ins Kraut. Die Blüten in Blau, in Gelb und Violett verteilen sich fleckenhaft über die Hügel, und es scheint, als habe ein Maler sie mit leichtem Pinselstrich auf einen grünen Teppich getupft.
Das Kap selbst ist zwar weder der südlichste Punkt Afrikas noch trennt es den Atlantik vom Indischen Ozean. Aber genau hier stößt der kalte Benguela-Strom auf warmes Wasser aus den Tropen und türmt dabei hohe Wellen auf. "Kap der Stürme" nannten es die frühen Seefahrer.
"Okay Leute, wer nach Hermanus will, muss beim nächsten Stopp raus", reißt die Stimme des Fahrers die Reisenden aus ihren Träumen. "Dort werdet ihr abgeholt und in eure Herbergen gebracht." Taschen und Rucksäcke werden rasch ausgeladen. Sofort setzt der Bus die Reise fort. Zurück bleiben ein Häuflein Backpacker und eine Tankstelle.
"It's easy going!", sagt ein junger Australier. Der Baz-Bus sei sehr bequem. Doch nutze er ihn nur, weil seine Surfbretter zu sperrig sind und er sie nicht weit schleppen könne. "Ein richtiger Traveller nimmt nicht den Baz-Bus", fügt er an, "der nimmt normale Busse und Bahnen." Nur so könne man schließlich in einem fremden Land etwas vom Alltag der Menschen erleben.
Der weitere Weg entlang der Garden Route führt vorbei am Tsitsikamma Coastal National Park: Hier beginnt der bekannteste Wanderweg Südafrikas. Der Otter Trail führt über 48 Kilomter von der Mündung des Storms River westwärts an der Küste entlang bis zum Natureäs Valley. Die Zahl der Wanderer ist streng begrenzt, so dass die Touren häufig ausgebucht sind. Hier im Nationalpark wachsen die letzten Küstenwälder Südafrikas. Einige der typischen Yellowood-Bäume dort sind mehr als 850 Jahre alt.
Endpunkt Port Elizabeth: Die Stadt ist keine Schönheit. Traurige Berühmtheit erlangte sie 1977, als das Apartheid-Regime hier den schwarzen Bürgerrechtler Steven Biko umbringen lies. "Die Narben der Apartheid sind noch immer im Stadtbild zu sehen", sagt Bradley Levack. Der farbige Lehrer zeigt Touristen die Stadt und führt sie auch in die Townships, in denen er aufgewachsen ist. Seit dem Ende der Apartheid seien die Townships enorm gewachsen und zu Auffangbecken für die Hoffnungslosen geworden, sagt Bradley. Denn viele Menschen in Südafrika verlassen das Land auf der Suche nach Arbeit.
Bradley fährt den Kleinbus vorbei an Hütten aus Wellblech und Bretterverschlägen. Am Ngoli Street Market werden lebende Hühner gehandelt. Frauen feilschen um Gemüse und Obst. Kinder mit Bauchläden bieten Snacks und Zigaretten. Nach zwei Stunden endet die Tour in Masina's Tavern, einer dunklen Kaschemme mit vergitterter Theke. Im Halbdunkel der Kneipe sitzen Männer und trinken Bier. Mit steifem Nacken starren sie die Wand hoch. Der Fernseher zeigt Fußball - irgend ein Spiel aus der englischen Premier League. Der Besitzer der Bar, Isaac Masina, gibt Einen aus: "We all like football", sagt er - und prostet seinen Gästen zu: "Welcome to Africa!"