Südafrika: Safari in die Einsamkeit - DER SPIEGEL
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Südafrika Safari in die Einsamkeit

Sie jagen mit Hubschraubern, schießen mit Fotoapparaten und begießen ihre Erfolge mit Gin Tonic: Wenn Touristen in Südafrika wilden Tieren nachstellen, ist ihnen oft jedes Mittel recht. Doch es geht auch anders.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Durban/Maputo - Der Tag beginnt früh für die Gäste im Tembe-Elephant-Park. Wenn um sechs Uhr die Safari startet, ist der Blick meist noch schläfrig, der Erlebnishunger dagegen groß. Hoch auf den Sitzen eines Geländewagens geht es in den Busch, immer auf der Suche nach exotischen Tieren.

Elefanten zum Beispiel. Doch diesmal bleiben die Dickhäuter lieber in ihren Verstecken. Stattdessen kreuzen Antilopen und Schildkröten den Weg, machen sich die Zikaden lautstark bemerkbar und quaken ungezählte Frösche in wundersamen Tonlagen. Die Landschaft ist in ein sanftes Licht gehüllt. Die Reisenden haben die Sehnsucht im Blick und den Fotoapparat in der Hand.

Der Tembe-Elephant-Park in der südafrikanischen Provinz Kwazulu-Natal an der Grenze zu Mosambik hat sich von dem verheerenden Hochwasser im Februar fast vollständig erholt. Manche Straßen präsentieren sich dank neuer Teerdecke gar in besserem Zustand als vorher.

Auf 30.000 Hektar Parkfläche leben außer etwa 140 Elefanten auch Nashörner, Leoparden, Flusspferde oder Giraffen. Ein Paradies für Tiere, dem jedoch Grenzen gesetzt sind. Eine davon ist die Staatsgrenze zwischen Südafrika und Mosambik. Die südafrikanische "Peace Parks Foundation" hat es sich zum Ziel gesetzt, die grenzenlose Freiheit für die Tiere wiederherzustellen.

Seit dem Ende der Apartheid erlebt Südafrikas Tourismusindustrie einen wahren Boom. Und obwohl die meisten Reisenden Südafrika-Safaris vor allem mit dem Krüger Nationalpark verbinden, bietet das Land auch in vermeintlich entlegeneren Ecken genug Tierwelt für Touristen.

Zum Beispiel in Phinda, einem privaten, 17.000 Hektar großen Reservat zwischen Mkuzi und Hluhuwe. Von vier Nobelherbergen aus können Reisende, die die nötigen Geldscheine im Gepäck haben, auf Luxussafari gehen. Die Unterkünfte sind nobel eingerichtet und mitten in der Wildnis platziert. In der Nacht begleiten einen schmächtige Männer mit starken Taschenlampen.

Dieser Begleitservice ist vorgeschrieben. Manch afrikaerfahrener Reisende hält sich zwar nicht daran, doch beim Abendessen kursieren Geschichten von Urlauberinnen, von denen nur noch ein Arm gefunden wurde.

Die Safaris in Phinda haben nichts vom spontanen Charme in Tembe. Alles ist bestens organisiert, selbst die Geparden wirken wie bestellt. Wie Fotomodelle präsentieren sie sich den Besuchern und flanieren extrem nah am Wagen vorbei. Wurden beim Halt im Tembe-Park noch Tütenchips und Dosenbier gereicht, so gibt es in Phinda erlesene Nussmischungen und Gin Tonic im Glas.

Das Reservat ist zwar noch längst nicht so überlaufen wie ähnliche Parks in Kenia, doch auch in Phinda werden die Tiere zuweilen von mehrere Landrovern eingekreist. Wie Jäger sitzen die Touristen auf ihren Sitzen, die Kamera stets schussbereit. Dem Nervenkitzel, den die so genannten Gamedrives bringen, erliegen alle. Und doch wird man das Gefühl nicht los, ein Störenfried zu sein.

Ein Gefühl, das sich bei einem Flug mit dem Hubschrauber noch verstärkt. Die Aussicht ist phänomenal, die Tiere rennen panisch vor dem Krach davon. Doch die Touristen haben kein Mitleid. Giraffen sehen nun einmal am schönsten aus, wenn sie ihre langen Beine schwingen.

Die friedlichste und ehrlichste Art, sich der Wildnis zu nähern, ist zu Fuß. Die kleinen Wunder der Erde rücken auf solchen Wanderungen am besten ins Blickfeld. Am St.-Lucia-See nördlich von Durban können die Reisenden solche Wanderungen unternehmen. Der See liegt inmitten des Greater St. Lucia Wetland Park, dem ältesten Schutzgebiet Afrikas. Mehr als 530 Vogelarten leben dort, darunter tausende Zugvögel aus Europa. Zudem gibt es 2.000 Krokodile und 850 Flusspferde.

In der Nibela-Lake-Lodge am St. Lucia See führt Bheki Ngubane, der hauseigene Wildnis-Führer, die Reisenden auf Wunsch umher. "Walk. And let Africa be your guide", lautet sein Motto, "lass Afrika dein Führer sein". Zu jedem Baum und jeder Frucht fällt Bheki eine witzige Geschichte ein, Zulu-Mythen, Vögeltöne und Wildniszauber sprudeln aus ihm heraus.

Schnell knickt er einen Ast ab und zeigt den verdutzten Besuchern, wie sich daraus eine Zahnbürste oder eher ein Zahnpinsel herstellen lässt. Einer Touristin fällt ein Kamera-Objektiv zu Boden. Flugs bastelt Bheki noch ein Pinselchen und reicht es ihr.

Später entdecken die Urlauber ein paar Zebras, die friedlich im warmen Nieselregen stehen. Auch einige Gnus grasen in der Nähe. Kein Motorenlärm verscheucht sie. In regloser Bewunderung betrachten die Reisenden die Tiere. Und auch Bheki ist auf einmal ganz still.