Südpazifik Eisige Einöde
Noch niemals vorher in meinem Leben habe ich eine derartige Schönheit erlebt - und zugleich so viel Angst gespürt. Zehn Eisberge - heute wieder weit weg.
Der erste war keine Überraschung, der zweite auch nicht, aber als dann hintereinander der dritte, vierte, fünfte und sechste Eisberg auftauchten, im Abstand von einer Meile, war ich dann doch erstaunt, richtiggehend verblüfft darüber, dass es so viele waren. Ich wollte nördlich vorbeisegeln, lenkte dann aber an der Windseite von drei Bergen vorbei. Ich segelte zwischen dem fünften und sechsten Berg durch und sah den siebten und achten - der siebte war der größte von allen ...
Eisberge zu sehen ist gar nicht so einfach ... die Angst dabei ist überwältigend. Da das Radar sie bekanntlich nicht erkennen kann und sie zudem viel härtere Objekte als die Kingfisher sind, ist es ziemlich beunruhigend, wenn man in ihrer Nähe segelt.
Um am siebten Berg vorbeizukommen, musste ich per Hand steuern. Er war riesig, und eine kurze Zeit lang dachte ich, wir würden es auf der Windseite nicht schaffen. Plötzlich wuchs der Wind auf 30 Knoten an, und wir hatten es geschafft. Ich sah mich dem schönsten Eisberg gegenüber, den man sich nur vorstellen kann: Weite, blaue Höhlen mit hohen Bögen, so hoch etwa wie die weißen Klippen von Dover. Schlicht und ruhig stand er da, wie abgetrennt von den Wellen, die sich an seinem Fuß brachen. Erhobene Gesichter aus reinem Weiß, entstellt durch tiefe blaue Spalten, die sie von oben durchschneiden.
Alle zehn Minuten strecke ich meinen Kopf raus und schaue. Ich fühle den eisigen Sprühregen, wenn ich zum Horizont blicke, bis meine Augen wegen der Kälte stechen. Ich hatte mir gerade einen Tee zum Aufwärmen gemacht, als ich noch einen letzten Check machen wollte.
Natürlich war da noch ein Eisberg - eine halbe Stunde lang stand ich draußen ... trotz der eisigen Kälte. Seitdem wir um die Eisstücke des siebten Bergs herumgesegelt sind, sehe ich jede brechende und schäumende Welle wie diejenigen, die gegen diesen riesigen Berg geprallt sind.
Die Wellen schlagen gegen die Kingfisher, Wasserfluten ergießen sich über das Deck. Meine Augenlider sind gefroren ...
Was für ein Tag ... und ich habe die schreckliche Befürchtung, dass die Nacht auch nicht anders wird!
Manchmal ist es besser, einfach die Zähne zusammenzubeißen und weiterzumachen ...