Südsee: Haie und handzahme Rochen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Südsee Haie und handzahme Rochen

Sie wollen nicht in den Schnee? Hier finden Sie garantiert keinen: Tahitis Nachbarinsel Moorea liegt mitten in der Südsee. Nach 26 Stunden erreicht man von Europa die tropische Trauminsel auf der anderen Seite des Erdballs.
Von Frank Schneider
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Südseeinseln verkörpern nicht erst seit gestern das Sinnbild des Paradieses. Die Meuterer der Bounty, Captain Cook und Paul Gauguin - lange bevor sich Marlon Brando im Inselreich Tahitis einkaufte, hatten die tropischen Gärten hinter den schaumgekrönten Korallensäumen schon leidenschaftliche Anhänger.

Längst hat die Hauptstadt des französischen Überseegebietes Französisch-Polynesien auf der Insel Tahiti europäische Züge angenommen. Was hier jedoch nicht weiter stört, sondern eher für einen recht gut organisierten Tagesablauf in der kleinen Metropole sorgt. Kaum zehn Kilometer weiter auf dem benachbarten Moorea dagegen ist - fast - alles beim Alten geblieben: kleine Dörfer, viel Natur.

Mit der schnellen Fähre geht es in einer halben Stunde hinüber. Oder mit dem Kleinflugzeug in zehn Minuten. Vom geschäftigen Hauptstadtleben keine Spur mehr. Man hört hier noch jedes einzelne Motorengeräusch: sei es Schiff, Propellermaschine oder Auto. Am Fähranleger sowie am kleinen Airport hält der Inselbus.

Die typischen Sammelgefährte sind ehemalige Trucks. Umgebaut, mit Sitzbänken und Dach ausgestattet, bringen sie Einheimische und Touristen gleichermaßen die Küstenstraße entlang. Die Fahrt mutet an wie durch einen gigantischen botanischen Garten. Es blüht und wuchert längs der Straße und hinter schmucken kleinen Zäunen vor eben solchen Häusern, als ob Mutter Natur hier nach Herzenslust aus ihrem Pflanzkübel verteilt hätte.

Hauptsächlich im Westen liegen die Hotelanlagen mit eigenem Strand. Das Moorea Village ist eine preiswerte Anlage. Garten- und Strandbungalows gruppieren sich um Restaurant und Rezeption. Ein paar Kilometer weiter nördlich, hinter dem "Club Méditerranée", liegt mit dem "Moorea Beachcomber Park Royal" die sicher mondänste Anlage der Insel. In dem Fünf-Sterne-Hotel mit öffentlichem Restaurant und exzellenter Bar bleiben keine Wünsche offen. Wer mag, kann auch in Stelzenbungalows über dem Wasser wohnen, gleich in Sichtweite der Delphinbucht. Für rund 100 Dollar kann man dort mit Flipper um die Wette schwimmen. Die hoteleigene Tauchbasis bringt Aquanauten an die vorgelagerten Riffe jenseits der Badelagune. Riesige Muränen sind zu bestaunen, Haie und handzahme Rochen geben sich an den Tauchplätzen ein Stelldichein.

Die hat Captain Cook allenfalls von oben gesehen. Am Hotel vorbei führt die Straße zu den schönsten Ecken auf Moorea: der Cook's- und der Opunohu-Bay.

Wo jetzt schneeweiße Kreuzfahrtschiffe übernachten, lag auch der britische Entdecker mehrmals vor Anker. Und wahrscheinlich ist er auch zum Aussichtspunkt hinaufgelaufen. Wer sich heute die Wanderung ersparen möchte, fährt mit dem Auto bis zum "Belvédère". Steile begrünte Felswände im Rücken, blickt man auf die großen türkisfarbenen Buchten. Auf dem Rückweg kann man zwar nicht weit ins Inselinnere abbiegen, aber kleine unbefestigte Feldwege führen durch fruchtbare Täler mit Ananasstauden und Zuckerrohr auf hübschen Umwegen zurück ans Meer.

In Hotelnähe haben sich kleine Supermärkte, Souvenirläden und natürlich Restaurants auf Touristen eingerichtet. Hier hat sich Moorea den Notwendigkeiten des Fremdenverkehrs geöffnet und präsentiert sich etwas lebhafter.

Sobald die Läden schließen, ist allerdings nur noch in den Restaurants was los. Auf halber Strecke zwischen Moorea Village und Beachcomber Park Royal liegt das "L' Aventure". Französische und tropische Küche, dazu französische Weine, und das bei für die Südsee akzeptablen Preisen. Eine Alternative ist das Chinarestaurant "Lotusgarden" gegenüber. In der Südsee regiert jedoch der Dollar, und so sind europäische Gäste in der Minderheit. Um so schneller ergeben sich internationale Kontakte.

Diese Gastfreundschaft war nicht immer so. Inselkriege, Kannibalismus und blutige Stammesrituale prägten das Bild Polynesiens über Jahrhunderte. So auch auf Moorea, wo in den Hügeln teilweise vom Urwald verschlungene Tempelruinen und Opferstätten Zeugnis dieser Zeiten geben.

Paul Gauguin hingegen hat die Inselwelt schon anders erlebt. Auch wenn seine Bilder die Südseeidylle verklärten, mag man sich auf der Trauminsel Moorea leicht vorstellen, wo der Ursprung dieser Szenen liegt. Die echte Offenheit Fremden gegenüber spürt man auch heute. Dabei sind die Einheimischen stolz auf ihre Geschichte und Vergangenheit. Vielleicht lebt deswegen die alte Tätowierungskunst in klassischen Motiven bei vielen jungen Polynesiern wieder auf. Für Touristen sind solche Tattoos in kleinerer Ausgabe eine wirklich typische Urlaubserinnerung. Vor allem eine bleibende.

Informationen
Neben Pauschalangeboten vieler Reiseveranstalter kann man sich Moorea auch per individueller Reiseplanung erschließen. Mit Air France via Los Angeles und weiter mit Air Moorea gelangt man von allen großen deutschen Flughäfen auf die Nachbarinsel Tahitis. Hoteladressen und andere nützliche Infos gibt's beim Tahiti Tourisme, Bockenheimer Landstr. 45, 60325 Frankfurt, Tel. 069-9714840, Fax 069-729275 .

Mehr lesen über