Südspanien: Die Heimat von Indiana Jones - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Südspanien Die Heimat von Indiana Jones

Kilometerlange Strände und bizarre Felsen - Cabo de Gata ist viel mehr als nur "Spaniens Backofen". Touristen kommen selten in die Region, dabei ist sie eines der letzten Naturparadiese in Europa, ein Geheimtipp für Taucher - und ein beliebter Schauplatz für Hollywood-Streifen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Almería - Marbella-Fans würden sich am Cabo de Gata, am südöstlichsten Zipfel Spaniens, zu Tode langweilen. Es gibt keine bombastischen Hotelanlagen, keine Shoppingmeilen, keine Strandliegen, und das Spannendste am Nachtleben ist der Blick in den Sternenhimmel. Für Naturliebhaber, Taucher und Filmemacher ist der Naturschutzpark mit seiner rauen Felsküste, seinen einsamen Buchten und der vulkanischen Wüstenlandschaft eines der letzten unberührten Naturparadiese der Iberischen Halbinsel.

Ausländische Touristen verirren sich nur selten an die kilometerlangen Strände wie die "Playa de los Genoveses" oder "Monsul" in der Nähe des Fischerdorfs San José. Selbst am wunderschönen Leuchtturm am Kap herrscht nur selten Andrang. Wer einen der Strände besuchen möchte, muss lange Wege über Schotterpisten in Kauf nehmen. Aber es lohnt sich: Zwischen zerklüfteten Felsen und Klippen breiten sich menschenleere Buchten mit kristallklarem Wasser aus.

Unter Tauchern gilt das Kap mit seinen Unterwassergrotten, Höhlen und den größten Seegraswiesen der Mittelmeerküste als Geheimtipp. Kraken, gigantische Schwämme, Seeigel und eine Vielzahl von Fischen sind in diesem Unterwasserparadies zu beobachten, das zum Naturpark Cabo de Gata-Níjar gehört. Besonders geschätzt wird der seit 1997 zum Unesco-Biophärenreservat erklärte Küstenstreifen von Wracktauchern. Höhepunkt jeder Tauchtour ist der Dampfer "Arna". Das 1928 gesunkene Boot befindet sich in einem hervorragenden Zustand und ist knapp 100 Meter lang.

Eine der trockensten Regionen Europas

Doch waren es nicht die Taucher, die als erste diese wilde, vulkanische Küstenlandschaft für sich entdeckt haben, sondern Hollywood. Bereits in den sechziger Jahren drehte in den trockenen Tälern und Schluchten am Cabo de Gata Großmeister Sergio Leone seine Western. In Streifen wie "Spiel mir das Lied vom Tod" oder "Für eine Handvoll Dollar" ritten Clint Eastwood, Charles Bronson, Claudia Cardinale, Bud Spencer und Terence Hill durch die vulkanische Wüstenlandschaft. Auch Burt Lancaster, Sean Connery, Henry Fonda, Brigitte Bardot, Klaus Kinski und Omar Sharif in "Lawrence von Arabien" mussten während der Dreharbeiten in der glühenden Hitze zwischen gewaltigen Dünen und vulkanischem Tuffgestein leiden.

Doch spätestens seit "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" und "Der Schuh des Manitou" hat auch das letzte Kind in Deutschland die Landschaft am südöstlichen Zipfel Spaniens schon gesehen. Die Wüste des Cabo de Gata, die auch gerne "Wilder Westen Europas" genannt wird, gehört zu den trockensten Regionen Europas und ist gleichzeitig das größte Vulkanmassiv Spaniens.

Die bizarren Gipfelkrater und Felsformationen entstanden vor mehr als zehn Millionen Jahren durch erkaltende Lavamassen und Erosion. Trotz der extremen Trockenheit wartet der "Backofen Spaniens" mit Tausenden von Tieren und Pflanzenarten auf. Mehr als 150 verschiedene Vogelarten machen Cabo de Gata zum Paradies für Ornithologen. Besonders beeindruckend sind in den küstennahen Feuchtgebieten die riesigen Flamingo-Schwärme. Ganz in der Nähe des kleinen Fischerdorfes San Miguel de Cabo de Gata verwandeln Tausende der langbeinigen Vögel die Naturlandschaft in ein rosarotes Meer.

Von Manuel Meyer, gms