Südtour: Hai fast täglich im Programm - DER SPIEGEL
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Südtour Hai fast täglich im Programm

Das Rote Meer lockt im Süden Ägyptens mit beinahe unerschlossenen Küstenabschnitten - und unberührten Riffen. Noch erschließen sich diese Tauchgebiete nur auf einer mehrtägigen Tauchkreuzfahrt. Aber der lange Weg lohnt.
Von Frank Schneider
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mehr als 270 Kilometer entfernt von El Quseir und über 450 Kilometer weit weg von Hurghada offenbart der Blick aufs Meer einen wolkenlosen Himmel über dem Wasser. Nicht ein einziges anderes Boot ist in Sichtweite. Mit rund 20 Knoten ist unser schneeweißer "Pott" Richtung Süden gelaufen. Zwischendurch gab's mal einen Stopp wie zuletzt für die beiden Tauchgänge am Elphinstone Riff, aber nun liegen wir noch weit dahinter.

Marsa Alam, vor wenigen Jahren noch abenteuerlicher Außenposten im Süden, ist so weit etabliert, dass dort bald ein neuer Flughafen eröffnet wird. Dann wird die Eroberung weiterer Küstenabschnitte auch von hier fortschreiten. Bis dato kommt man von Hurghada über das benachbarte Safaga mit dem Auto nach El Quseir. Nur selten zweigt die Straße in die Dünen ab zu einem der wenigen dahinter liegenden, meist noch im Bau befindlichen Hotels. Nach mehr als zwei Stunden erhebt sich die Silhouette einer Stadt aus dem Sand.

Ausgangspunkt El Quseir

El Quseir, eine typisch ägyptische Kleinstadt, ist verschlafen und geschäftig gleichzeitig. Alte und neue Häuser nebeneinander, zwischen Wüste und Meer um eine alte Festung herum gewachsen, aber ohne Urlauberströme in den Straßen wie etwa weiter im Norden. Sein Hafen ist das südliche Tor zu den Tauchgebieten, die noch viel weiter entfernt liegen. Wenige Schiffe, fein ausgerichtet und nebeneinander vertäut, warten auf den anbrechenden Morgen nach Ankunft der Gäste. Schwimmende Hotels, luxuriös ausgestattet zumeist. "Low-´Budget"-Kähne liegen hier kaum.

Zu den feineren Adressen auf dem Wasser gehört auch die "M/Y Admera", ein schmuckes Tauchschiff mit reichlich Komfort. Auf diese Weise wird nicht nur entsprechendes Flair vermittelt, sondern lässt einen Hotelaufenthalt nicht vermissen. Die erst im Mai 2000 in Alexandria für rund eine Million Dollar vom Stapel gelaufene Jacht ist eines der neuesten Schiffe in der Region.

Sie lässt nicht nur ob der Einsamkeit am Liegeplatz hinter dem Riff das Gefühl von Exklusivität über Wasser spürbar werden. Zweimal 581 PS treiben die beiden Schrauben an, schließlich hängt nicht zuletzt davon ab, welche Riffe in einer bestimmten Zeit überhaupt angelaufen werden können.

Auch innen werden moderne Tauchschiffe wie die "Admera" oder die ähnlich gebauten Schiffe der Divers Heaven Fleet allen Ansprüchen einer komfortablen Kreuzfahrt gerecht: Ein großer Salon mit Bar und zwei Sitzgruppen, hinter den Raumteilern die Messe mit Platz für 16 Gäste. Unter Deck acht Doppelkabinen mit eigenem Bad und WC - da lässt sich die Fahrt ins blaue Rote Meer gut gestalten. Schließlich ist auch der enthusiastischste Taucher nur ein paar Stunden des Tages unter Wasser.

Tauchgebiete mitten im Meer

Im Gegensatz zu den Tauchgebieten im Norden des Roten Meeres, die durch die Nähe zu den Flughäfen Hurghada oder Sinai immer recht gut besucht sind, treffen sich im südlichen Roten Meer nur selten Tauchschiffe an einem Riff. Je weiter südlich man kommt, umso besser, sagen erfahrene Neptunjünger. Denn nicht nur die intakten Korallen machen den Reiz eines Tauchgangs aus.

Wenn mit etwas Glück majestätisch Flugrochen wie der Manta an der Riffkante entlang gleiten und die Begegnung mit einem - wenn auch kleinen - Hai fast täglich im Programm steht, kündet das von ursprünglichen Tauchrevieren. Für solche Großfischbegegnungen gibt's natürlich keine Garantie, im südlichen Roten Meer sind sie jedoch weit wahrscheinlicher als im Norden.

Seinem Namen alle Ehre macht auch das Dolphin-Reef. Vierzig, fünfzig Delfine ziehen durch die türkisblaue Lagune und lassen sich sogar von den Schnorchlern aus der Nähe beobachten. Dabei reicht den Meeressäugern ein schlapper Flossenschlag um sich den Besuchern zu entziehen. Am Schlepper von Abu Galawa ist Wracktauchen angesagt, während das Riff Shaab Claudio mit seinen riesigen, von Sonnenstrahlen durchdrungenen Höhlen wieder andere Facetten der Unterwasserwelt darlegt.

Auch andere, kleine und beinahe unscheinbare Riffe lohnen einen Tauchgang. Alles in allem ist die Tauchtour in den Süden Ägyptens nicht nur etwas für passionierte Taucher. Bis im Frühjahr auch an der südlichen Küste ein Hotel eröffnet werden soll, sind diese Erlebnisse während eines Urlaubs an Land - noch - nicht denkbar. Bis dahin bleibt für nicht so seefeste Taucher das "Mövenpick"-Hotel in El Quseir - oder heißt es im Hafen "Schiff Ahoi" für die Südtour.

Reisetipp
Ganzjähriges Reiseziel; in den Monaten Dezember bis März Wassertemperaturen bis 23 Grad, sonst 26-27 Grad Celsius. Zwischen Mai und September mehr Tagesstunden, daher mehr Tagestauchgänge möglich; ab Herbst sind Tauchgänge nach 19 Uhr bereits Nachttauchgänge. Bei Schiffstouren empfiehlt sich eine gewisse Seefestigkeit.

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