Sunshine Coast: Im Land der Salish people - DER SPIEGEL
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Sunshine Coast Im Land der Salish people

Die Komposition aus Farben, Geräuschen, Gerüchen und Gefühlen lässt Wünsche wach werden. Wir sind der städtischen Betriebsamkeit von Vancouver entkommen und halten ein Ticket in den Händen: "BC Ferry, return", hin und zurück zur Sunshine Coast.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es ist noch früh am Tag. Die Fähre "Queen of Surrey" verlässt den Kai mit einem lauten "Hooop". Es bläst eine frische Brise, dennoch sonnen sich Kanadier in kurzen Hosen auf allen möglichen Sitz- und Liegemöglichkeiten. Langsam lassen auch wir vom Alltag ab.

Die Sunshine Coast liegt wenige Kilometer Luftlinie von Vancouver entfernt - eine an die Coast Mountains angeschmiegte Landschaft mit einer Mischung aus Regenwald, Steil- und Sandküste und Farmland und Vancouver Island vor sich. Milde Winter und angenehme Sommer zeichnen diese Gegend aus. Noch ist es ein Geheimtipp!

Blühende Frühlingspracht überall, eigentlich hatten wir einen Ausflug in den Schnee gebucht! Mit einen Allrad-Fahrzeug erreichen wir nach kurzer Zeit tatsächlich die Schneegrenze, die von John mitgebrachten Stiefel und Schneeschuhe werden übergezogen und schon bewegen wir uns im tiefen Schnee wie auf weißer Watte.

An imposanten Baumriesen vorbei - Douglasien und kanadische Zedern, manche mehr als 30 Meter hoch und mehr als tausend Jahre alt - arbeiten wir uns über unberührte Wege langsam nach oben. Die wärmer werdende Sonne setzte ein Signal zur Rast: Vor uns breitet sich der Pazifik aus, der Blick reicht bis auf die schneebedeckten Berge von Vancouver Island.

Einzigartige Ruhe - eine Wohltat für die Seele. Ein Weißkopfadler-Paar kreist über den Wipfeln, gleitet mit Leichtigkeit auf den Luftströme. Auf dem Rückweg ins Tal gibt uns John eine kleine Spurenkunde. April/Mai ist die Winterruhe der Tiere vorbei. Die Spuren von "Elks", die nicht mit denen von Elchen zu verwechseln sind, und "Deer", etwa mit unserem Rotwild zu vergleichen, aber bei weitem stattlicher und hier und da mal eine Bären-Hinterlassenschaft. Es ist hier oben durchaus sinnvoll ein Bären-Glöckchen zu tagen, um sein Kommen von weitem anzukündigen. Die Tiere weichen dann aus.

Die einzigen Spuren, die der Wanderer selbst hinterlassen darf, sind seine Fußspuren, sagt John mit Hinweis auf die von ihm geschätzte Philosophie der ursprünglichen Bewohner, der "Salish People".

Noch am gleichen Tag, nach dem Abstieg, gleiten wir in Johns Boot bedächtig durch die beeindruckende und abwechslungsreiche wilde Felsklippen-Landschaft der Georgia Strait. Ausführlich erzählt er uns vom Fischbestand (Cutthroat-Forelle, Lachs, Red Snapper, Flunder, Dorsch) und die mehr als 1500 Jahren alten natürlichen Fischfang-Lagunen, die heute noch die hiesigen Fischer nutzen.

So wird auch das abendliches Barbecue mit Garnelen, Krebsen, Heilbutt, Schwertfisch und Lachs bestückt, wobei Muscheln der verschiedensten Art, Shrimps und Austern von den diversen Austernbänken als Vorspeise probiert werden.

Wir machen uns noch mal auf die Beine für einen langen Strandspaziergang. Die Ebbe hat einige Kilometer Sandstrand freigegeben. Ausblicke auf eine Küstenlandschaft eigener Art: Zwischen schroffen Felswänden und mächtigen Baumriesen liegen die typischen West-Coast-Häuser, manchmal wie Adlernester eingelassen in die Umgebung, holzverkleidet, mit umlaufenden Veranden und viel Fensterfront für die einzigartige Sicht auf die Weite des Meeres. Kleine Boote treiben schon an der Boje, denn die Fischsaison hat hier zwölf Monate.

Wir sammeln Muscheln, kleine Krabben und lila Seesterne als Komposition auf Zelluloid. Auf den Felsen, die aus dem Meer ragen, entdecken wir ein paar Robben, die sich unbeeindruckt von uns in der Abendsonne räkeln. Blutrot versinkt die Sonne im Meer, und wir erwischen noch einen netten Tisch zu einem Abendsnack in einem der kleinen Restaurants. Fisch und Fleisch, Muscheln, Austern, Vegetarisches - alles zur Auswahl. Genüsslich entschlafen wir in die erste Nacht in unserem gemütlich und komfortabel eingerichteten "Bed & Breakfast". Hotelkomplexe gibt es hier nicht.