Tauchschulen Großes Risiko für kleines Geld?
Tauchen hat sich zum Breitensport entwickelt. Während sich vor dreißig Jahren mehrheitlich Taucher in Vereinen dem Unterwassersport widmeten, weil sonst keine Alternative existierte, ist diese Gruppe heute in der Minderheit. Kein Urlaubshotel am Meer ohne angeschlossene Tauchbasis, kaum eine größere Stadt in Europa ohne nicht mindestens ein Tauchsportfachgeschäft. Die Technik ist ausgereift, und wer sich Anzug und Atemregler nicht kaufen will, leiht sich alles.
Die organisierten Tauchschulen bieten hier zu Lande, aber auch vor Ort an tropischen Gestaden Service und Sicherheit. Wenn der Tauchkurs mit international anerkanntem Brevet aber die Urlaubskasse unvorhergesehen um rund 600 Mark schröpft, geht das vor allem jungen Leuten mächtig an den Geldbeutel. Da ist die Verlockung groß, den ganzen Spaß doch für kleines Geld ohne großes Brimborium zu probieren.
Um festzustellen, ob dieser Sport die richtige Freizeitbeschäftigung ist, bieten Tauchschulen einen Schnuppertauchgang an - aber der kostet auch Geld und findet richtigerweise fast immer im Swimmingpool statt. Verlockender ist da schon das Angebot auf der Kaimauer im Hafen. Ob am sommerlichen Fjord, am blauen Mittelmeer oder in der postkartenschönen Karibik: überall findet sich das ein oder andere "Sonderangebot". Für ein Trinkgeld direkt ins richtige Meer. Ohne Einweisung, aber dafür mit vollem Risiko. Dem "fliegenden Tauchlehrer" ist's egal - bezahlt wird vorher.
Abgesehen davon, dass noch nicht mal erkennbar ist, ob der meist
angerostete Druckluftbehälter neben dem Schild "Billig tauchen" von
einem umgebauten Farbkompressor oder doch von einem Atemluftkompressor
gefüllt wurde, liegt das größte Risiko noch woanders. Die mangelnde,
aber lebensnotwendige Kenntnis der Physik hat schon so manchen Touristen
halb ohnmächtig zur Wasseroberfläche zurückkehren lassen. Nicht wenige
Kunden solch vermeintlicher Schnäppchenangebote landen im
Krankenhaus. Und es drohen akute Lähmungen oder chronische Spätschäden
und sogar der Tod.
SPIEGEL ONLINE befragte zu diesem Thema den Experten Lutz Odewald, Chefredakteur der Zeitschrift
"Tauchen".
SPIEGEL ONLINE: Herr Odewald, muss der Urlauber mit Interesse am Tauchen in den Ferien um sein Leben fürchten, wenn er zu einer Tauchbasis geht?
Lutz Odewald: Auf keinen Fall. Die allermeisten Tauchschulen bieten eine
äußerst fundierte Ausbildung nach internationalen Richtlinien. Einfach
auf die Kürzel PADI, VDST, CMAS oder SSI achten, dann kann eigentlich
nur sehr wenig schief gehen. PADI und SSI sind internationale, kommerzielle Tauchsportorganisationen, der Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) ist dem Welttauchsportverband (CMAS) angeschlossen.
SPIEGEL ONLINE: Würden Sie sagen, dass solch zweifelhafte Angebote analog mit dem insgesamt steigendem Interesse am Tauchen zugenommen haben?
Odewald: Nein. Vor allem PADI als größte Tauchsportorganisation weltweit
und auch in Deutschland ist seit Jahren bemüht, seine Standards scharf
zu kontrollieren. Dies passiert mit einem ausgeklügelten System, welches
die schwarzen Schafe recht schnell entlarvt.
Vorsicht ist eher geboten bei Tauchbasen, die im fernen Ausland von
Einheimischen betrieben werden. Hier wird mit Dumpingpreisen schon mal
versucht, den wirklichen Tauchschulen Konkurrenz zu machen. Aber auch
dies gilt nicht für jede Basis.
SPIEGEL ONLINE: Wie kann man sicher sein, dass man eine seriöse
Tauchschule vor sich hat?
Odewald: Ein einfacher Tipp: Schauen Sie sich um in Sachen Sauberkeit,
Aufgeräumtheit und Zustand des Tauch-Equipments und den Räumlichkeiten in
der Tauchschule. Ist dies in Ordnung, kann man auch von gewissenhaften
Tauchlehrern ausgehen, denen Wohl und Wehe ihrer Schüler am Herzen
liegen. Wenn dann noch der Umgang freundlich miteinander ist und das
Tauchboot in gutem Zustand, dann kann man mit gutem Gewissen seinen Kopf
unter Wasser stecken.
Die Fragen stellte Frank Schneider