Tel Aviv Party-Zone des Nahen Ostens
Eigentlich hat Tel Aviv nur 350.000 Einwohner. Aber für die Wochenendnächte scheint sich fast die gesamte Jugend des Landes in Richtung der Mittelmeermetropole zu bewegen. Viele Clubs verlegen während des langen Sommers, der in Tel Aviv bis in den November reicht, ihre Partys an den Hafen oder den Strand.
So können auch die einen Blick auf die bizarr-bunte Ausgeh-Szene werfen, die ansonsten das gestrenge Auge des Türstehers oder das Gedränge in überhitzten Discos scheuen. Hauptsächlich werden diese Partys derzeit am alten Hafengelände im Norden Tel Avivs veranstaltet. Höhepunkt der Sommerpartys ist seit zwei Jahren die Loveparade: Ein etwas kleinerer Ableger des Berliner Raver-Umzugs, der jeweils Mitte Oktober quer durch die Stadt zieht.
Wo und wann genau was passiert, erfährt man am einfachsten über Zettel, die in den Geschäften, Bars und Cafés entlang der Sheinkin-Straße ausliegen. Auf die dort angegebenen Anfangszeiten sollte man sich allerdings nur verlassen, wenn es um ein Konzert oder eine Theateraufführung geht. Ansonsten gilt: Schick ist, wer spät ist. Vor ein oder zwei Uhr nachts ist es höchstens in den Touristenlokalen entlang der Strandpromenade, dem "Tajelet", voll. Israelis halten dafür bis zum Morgengrauen und manchmal auch länger durch.
Neben dem pulsierenden Viertel zwischen Sheinkin- und Allenby-Straße entwickelt sich zunehmend das Florentin zum neuen Dorado der Party-Szene. Im Süden der Stadt direkt an das arabisch geprägte Jaffa angrenzend, geht es hier statt schick derzeit noch eher schräg zu - etwa im "Lemon" (Hanagrim 17), wo auch Liebhaber ausgefallener Klänge auf ihre Kosten kommen.
Vom malerisch-verfallenen Florentin sind es nur noch ein paar Minuten bis in die Altstadt von Jaffa. Neben dem großartigen Ausblick auf die Skyline von Tel Aviv hat Jaffa nachts vor allem eine Attraktion - die Bäckerei Said Abu Elfia (Yefet-Straße 7). 24 Stunden täglich werden hier mit Käse, Oliven oder Gemüse gefüllte Teigtaschen warm direkt aus dem Ofen über die Theke gereicht, genau wie süße, kleine Blätterteigteilchen oder zuckergetränkte Krapfen. Selbst gegen fünf Uhr morgens bilden sich manchmal noch lange Schlangen vor den Verkaufsvitrinen.
Tagsüber treffen sich viele Nachtschwärmer am "Banana Beach" am südlichen Ende des Strandes. Es ist so voll und so laut, dass sich normalerweise kein Tourist hierher verirrt. Fast bis zum Wasserrand stehen knallgelbe Plastikstühle im Sand, aus riesigen Boxen überflutet laute Techno-Musik den Strand. Dazwischen spielen Kinder, suchen sich Hunde auf dem heißen Sand ein schattiges Plätzchen. Trotzdem sind hier alle unglaublich entspannt und wahnsinnig cool - eine größere Auswahl der allerneuesten Sonnenbrillenmodelle als im Gewühl des Banana Beach sieht man im gesamten Nahen Osten garantiert nirgends sonst.