Teneriffa Bizarre Gesteinswüsten
Puerto de la Cruz - Zwei Superlative kann Teneriffa in jedem Fall für sich in Anspruch nehmen: Mit dem Gipfel des Pico del Teide in 3718 Metern Höhe über dem Meeresspiegel und mit einer Fläche von 2057 Quadratkilometern ist die Insel die höchste und größte des Archipels.
Manchmal jedoch wird Teneriffa auch als die schönste der Kanarischen Inseln bezeichnet. Ob das tatsächlich stimmt, ist Ansichtssache - zumindest aber ist die landschaftliche Vielfalt auf Teneriffa enorm: Die bizarren Gesteinswüsten in der Caldera de las Cañadas stehen hier in einem aufregenden Kontrast zu den fruchtbaren Tälern, in denen ganzjährig Hibiskus, Weihnachtssterne und Bougainvilleen gedeihen.
Endlose, breite Sandstrände wie auf Gran Canaria allerdings findet der Urlauber auf Teneriffa kaum. Nur im Südwesten gibt es einige Badebuchten - und natürlich ist da noch der Vorzeigestrand der Insel: Für die Playa de las Teresitas östlich der Hauptstadt Santa Cruz de Tenerife wurde feinster Puderzucker-Sand sogar aus der Sahara herbeitransportiert. An einigen Abschnitten der 350 Kilometer langen Küste erreichen die Passatwinde dafür regelmäßig eine Stärke von sieben bis acht - Windsurfer finden damit nahezu paradiesische Bedingungen vor.
Der Süden Teneriffas hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten enorm verändert. Früher befand sich hier nur eine unwirtliche Einöde aus Lavageröll - heute erhebt sich an der Costa Adeje ein riesiges Ferienzentrum. Hotels reihen sich in Playa de las Américas und Los Cristianos an Appartement-Komplexe, Einkaufzentren und Kneipenzeilen. Während Los Cristianos noch einen alten Ortskern rings um die Plaza und den Hafen besitzt, entstand Playa de las Américas am Reißbrett.
Urlauber dürfen hier eine komplette touristische Infrastruktur mit breitem Sportangebot vom Segeln über Tauchen, Golf und Tennis bis zum Windsurfen erwarten. Auch gibt es ein quirliges Nachtleben, Ausflüge wie Bootstouren mit Delfin- und Walbeobachtungen und Themenparks wie etwa den Aguapark Octopus, ein Spaßbad für Familien mit Kindern.
Die Regierung der Kanarischen Inseln hat im Januar einen Baustopp für Hotels für zunächst ein Jahr verhängt und damit die Kapazitätserweiterung um etwa 100.000 neue Hotelbetten gebremst. Damit bestehen nun Hoffnungen auf einen Erhalt der reizvollen Landschaft Teneriffas. Ursprünglichkeit findet sich noch immer überall hinter den Orten, und auch zwischen den Ferienzentren bedingt die Natur viele Lücken im Beton: An den zum Teil schroffen Abhängen lässt es sich schlecht bauen. Von den bizarren Steilküsten aus bieten sich tolle Ausblicke. Oft ist die Nachbarinsel La Gomera zu sehen, im Hinterland thront zugleich der fast immer von Schnee bedeckte Vulkankegel des Teide.
Es lohnt sich, in die Fußstapfen Alexander von Humboldts zu treten und einen Ausflug zum Teide zu unternehmen. Musste sich der Forscher 1799 noch mühevoll den Weg zum Gipfel heraufquälen, so geht es den Touristen heute besser: Über vier gut ausgebaute Straßen gelangen sie von allen Inselteilen aus zur Seilbahnstation am Fuß des Vulkans. Zwei Gondeln verkehren im Zehn-Minuten-Takt von 9 bis 16 Uhr. So bequem die Anreise mit dem Mietwagen sein mag - Flora und Fauna werden es zu schätzen wissen, wenn die Urlauber mit dem Bus fahren. Dazu bieten sich die Buslinien 348 von Puerto de la Cruz an der Nordküste und 342 aus Richtung Las Américas und Los Cristianos an.
Eine der schönsten Strecken zum Teide beginnt in der zweitgrößten Stadt Teneriffas, La Laguna im Nordosten. Die Carretera Borsal - die "Waldstraße" - führt durch den Bosque de la Esperanza, den "Wald der Hoffnung". Überall entlang des Wegs über den rund 2000 Meter hohen Bergrücken eröffnen Aussichtsplattformen schöne Ausblicke auf die zur Küste hin sanft abfallende Landschaft, das fruchtbare Orotava-Tal, Puerto de la Cruz und schließlich auf den endlosen, blauen Atlantik.
Einen Besuch wert ist auch das Städtchen La Orotava. Die Altstadt mit verwinkelten, steil ansteigenden Straßen ist gut erhalten worden. Hier lassen sich in aller Ruhe prächtige Fassaden oder kunstvoll ziselierte Balkone alter, herrschaftlicher Stadthäuser studieren. Die mit Blumen geschmückte Plaza de la Constitución lädt danach zu einem Café con leche in einem der Straßencafés ein, von denen aus ein schöner Blick über die Dächer der Stadt bis zur Küste möglich ist.
Eine Alternative zu den überlaufenen Touristenhochburgen stellt ein Urlaub im Landesinneren dar. Teneriffa eignet sich zum Finca-Urlaub besonders gut, weil auf Grund des zur Inselmitte hin ansteigenden Geländes ein Meerblick meist dazugehört. Oft bieten die Fincas neben der Unterkunft auch Extras wie Reiten oder Wellness.
Susanne Borchert, gms