Texas Wo der Osterhase seine Eier kocht
Als die Siedler 1846 unter Leitung von John Meusebach in die Region kamen, lebten dort Comanche-Indianer. Deren nächtliche Signalfeuer machten den deutschen Kindern Angst. Deshalb erzählten ihnen die Eltern, die Feuer habe der Osterhase mit seinen Helfern angezündet, um Eier zu kochen, die dann angemalt und an die Kinder verteilt würden.
Deutsche Fahne neben den Stars and Stripes
Fredericksburg, das zunächst Friedrichsburg hieß, liegt im Zentrum des texanischen Hill Countries in 600 Metern Höhe. Es ist eine Kleinstadt mit rund 8 000 Einwohnern, in der man die deutsche Vergangenheit auf Schritt und Tritt spürt. An der Gaststätte "Der Lindenbaum" oder am Antiquitätenladen "Der Alte Fritz" wehen deutsche Fahnen neben den Stars and Stripes im Wind, und man sieht rote Backsteinwände, Fachwerk, niedersächsische Giebelverzierungen, Wetterhähne und geschmiedete Gartentore mit deutschen Inschriften.
Ortsnamen wie Boerne, Bergheim, Fischer und Luckenbach zeigen deutlich, wie stark Deutsche vor rund 150 Jahren diese Region besiedelten. Und wer auf den Straßen und in den Wirtshäusern dieser Orte genau hinhört, der kann so manchen der alten Einwohner Deutsch sprechen hören. Es ist ein altmodisches Deutsch, mit plattdeutschen Worten. Traditionen wie die Osterfeuer, Oktoberfeste und deutschsprachige Christmessen zur Weihnachtszeit helfen der Stadt, an ihren Wurzeln festzuhalten.
Frieden mit den Indianern
Die Einwanderer, die sich damals in Texas niederließen, waren nicht immer erfolgreich. Viele Siedlungen wurden aufgeben, teilweise aus Geldmangel, wegen des harten Klimas oder weil die Indianer die Neuankömmlinge vergraulten. Neben New Braunfels ist Fredericksburg einer der wenigen Orte, die sich halten konnten. Meusebach schloss 1847 einen Friedensvertrag mit den Comanches, den ersten in Texas. Dies beendete die Auseinandersetzungen mit den Indianern. Der Vertrag wird übrigens jedes Jahr im Mai in Fredericksburg gefeiert. Dann reichen sich die Nachfahren von Comanches und Siedlern noch einmal symbolisch die Hand.
Jörg-Michael Dettmer