Traumschiff "Sea Cloud" Die sieben Leben einer Luxusyacht
Hamburg - So groß, prächtig und luxuriös wie keine andere sollte ihre Yacht sein: Die Milliardärserbin Marjorie Merriweather Post und ihr damaliger Ehemann, der Banker Hutton, übernahmen das Segelschiff "Hussar", getauft im Jahr 1931 auf der Germaniawerft in Kiel, und ließen die Viermastbark mit dem schwarz lackierten Rumpf und dem goldenen Adler als Galionsfigur auf das Luxuriöseste ausstatten. Das Paar segelte auf ihr um die Welt, oft in Begleitung von gekrönten Häuptern und Geldadel.
Gäste sind heute immer noch an Bord: Die 109 Meter lange Luxusyacht der Dollarprinzessin bezaubert heute als "Sea Cloud" Kreuzfahrer und Segelschifffans aus aller Welt. Sie ist das Flaggschiff der Reederei Sea Cloud Cruises in Hamburg, für Reeder Hermann Ebel ist sie die "Erfüllung eines Traumes".
Erst seit ein paar Wochen hat sie wieder Wasser unter dem Kiel und kreuzt im Moment durch die Karibik. Davor lag sie mehr als ein Jahr lang an Land - bei Schweißarbeiten während einer Überholung hatte sie Ende 2001 auf der Victor Lenac Werft in Rijeka in Kroatien Feuer gefangen. So dauerte die Wiederherstellung des Traditionsseglers deutlich länger als geplant.
Heute segelt das Schiff wieder in voller Pracht und bietet Platz für rund 60 Gäste und 60 Mann Besatzung. Zwei Suiten entstanden neu, das gesamte Rigg wurde überholt. Die alten Mahagonivertäfelungen sind wieder montiert, das Messing auf Hochglanz poliert. Dicke Teppiche in warmen Rottönen schlucken fast jedes Geräusch bis auf die Töne der Klavierspielerin. Vergoldete Wasserhähne glänzen, Gemälde und Stiche mit maritimen Motiven zieren die Wände, die Bäder verwöhnen mit neuem Marmor im alten Stil. Exotische Blüten zieren Flure und Tafeln. Das Teakdeck, noch vor wenigen Monaten auf der Werft mit Eis überzogen, glänzt nun wieder sauber geschrubbt in edlem Silbergrau.
Dass die "Sea Cloud" den Brand in Rijeka überstanden hat, wundert angesichts ihrer Geschichte nicht. Schon manches Mal schien ihr Ende nahe - das Schiff kann auf sieben "Lebens"-Abschnitte zurückblicken.
Erbaut wurde es für rund 900.000 Dollar - das sind nach heutigem Wert rund 30 Millionen Dollar (rund 28 Millionen Euro). Nach der gütlichen Trennung von ihrem Mann ließ Majorie den Viermaster weiß streichen und taufte ihn um in "Sea Cloud". In den dreißiger Jahren lag sie als schwimmender Diplomaten-Palais des dritten Ehegatten Marjories im Hafen von Leningrad. Im Zweiten Weltkrieg veränderte sie sich am stärksten: Grau gestrichen und ohne Masten fuhr sie damals unter dem Namen "IX-99" als Wetterbeobachtungsschiff im Nordatlantik.
Nach Kriegsende ließ die Eignerin alle zuvor entfernten Einrichtungen wieder an Bord bringen und das Schiff mit seinen vier bis zu 54 Meter hohen Masten wieder aufriggen. Dennoch folgten Jahrzehnte des Niedergangs: In den fünfziger Jahren fuhr die "Sea Cloud" als "Angelita" für den Sohn des dominikanischen Diktators Trujillo, schließlich landete sie in Colón in Panama und rottete vor sich hin. Von dort holte sie eine Gruppe von Kaufleuten und Reedern aus Hamburg zur Überholung bei den Howaldtswerken-Deutsche Werft in Kiel. Der aus Kruppstahl gebaute Rumpf war noch in gutem Zustand, auch die Kabinen waren erhalten geblieben. Um künftig jedoch mehr Gästen als bisher Platz bieten zu können, wurden auf dem Kapitäns- und Promenadendeck neue Kabinen eingerichtet.
Wer den Ursprüngen ganz nahe sein möchte, bucht die so genannten Originalkabinen. Jeder der acht Räume ist noch so ausgestattet, wie es Madame Post-Hutton für ihre Familie und Gäste geplant hat. Keine der Suiten sieht aus wie die andere, jede für sich ist ein Kleinod mit antiken Möbeln und eigenem Kamin.
Die 38 Quadratmeter große Kabine 1 war die Suite von Madame Post-Hutton. Ihr matt-altweißes Himmelbett steht immer noch an der gleichen Stelle wie vor mehr als 70 Jahren, und der alte, mit Blütenranken gravierte Kristallspiegel schimmert im weichen Licht der mit Stoff bespannten Lampen. Kabine 2 ist dagegen mit viel Holz ausgestattet und war das Zuhause von Mister Hutton und auch seinem Nachfolger - die schöne Marjorie hatte insgesamt vier Ehegatten.
Heute sind die Gäste dankbar für den verschwenderischen Geschmack der ersten Eignerin der "Sea Cloud", etwa wenn sie einen Cocktail auf dem Lidodeck oder in der "Blauen Lagune", einer Sitzfläche mit blauen Kissen am Heck, genießen. Ein Sonnenuntergang auf der ehemals größten Privatyacht der Welt entschädigt auch für die blauen Flecken, die man sich an Bord leicht holt - jedoch nur, wenn man den mahnenden Satz von Kapitän Richard Choinski nicht beherzigt: "Immer eine Hand für sich und eine Hand für das Schiff."
Eine Segeltour mit der "Sea Cloud" ist eine Zeitreise. Der Dunst von Öl und Treibstoff aus dem Maschinenraum, wo ein 6000 PS starker Dieselmotor arbeitet, mischt sich mit dem Salzduft des Meeres. Die weißen Segel - mit immerhin 3000 Quadratmetern Fläche - schlagen beim Hissen im Wind - ein Geräusch, das nicht eben typisch ist für moderne Kreuzfahrten. Sonne wärmt das Teakdeck und die bloßen Füße.
Von Hilke Segbers, gms