Tyler Brûlés Weltreise Baby an Bord
Schlafplatz Business Class: Ein Schlummer an Bord hilft gegen Jetlag
Foto: Sergio Dionisio/ Getty ImagesDie erste Hälfte meiner siebentägigen Reise um die Welt (London - Zürich - Bangkok - Brisbane - Sydney - Hongkong - Toronto - Montreal - London) endete vergangenen Sonntag im Nachtflug nach Brisbane. Ich hatte wahnsinnige Rückenschmerzen, gegen die ich ein paar starke Schmerzmittel bekommen hatte, und wollte deshalb meinen Fensterplatz trotz lauten Protestes nicht mit meiner designierten Nachbarin tauschen.
Also quetschte sich die Mutter mit ihrem Baby auf ihren eigenen Sitz. Draußen zog ein Sturm auf, die Qantas-Besatzung half der Mutter beim Verstauen ihrer Taschen. Während die 747 langsam zur Startbahn rollte, fielen mir bereits die Augen zu.
Montag, 10. September
Etwa 45 Minuten vor der Landung wurde ich von dem Baby neben mir geweckt. Ein paar Minuten lang versuchte ich noch, das weinerliche Quengeln auszublenden (was mir für einen Großteil der Nacht halbwegs gelungen war), aber dann beschloss ich doch aufzustehen, mir ein Getränk zu besorgen und mich ein bisschen frisch zu machen.
Offenbar hatte ich in der Nacht jedoch eine Bombenexplosion in der Kabine verschlafen: Um mich herum lag jede Menge Müll, unter meinem Sitz zusammengeknülltes Papier, auf dem Platz vor mir ein feuchtes Taschentuch und mitten im Gang ein iPad in einer hässlichen fuchsiafarbenen Hülle sowie Taschen, deren Inhalte überall verstreut waren. Als ich unter die Armlehne griff, um meinen Sitz von der Liege- in die Start- und Landeposition hochzustellen, hätte ich fast in eine benutze Windel gegriffen.
Während Mutter und Baby den Gang entlang spazierten, wollte ich die Gelegenheit nutzen, um zur Toilette zu gehen. Da sprach mir eine Flugbegleiterin spontan ihr Mitgefühl aus. "Sie Armer, Sie tun mir wirklich leid", sagte das gut gelaunte Crewmitglied. "Möchten Sie mitkommen und bei uns frühstücken?" - "Das ist sehr freundlich", antwortete ich. "Ich werde zwar das Frühstück zwar auslassen, auf einen Saft und Kaffee komme ich aber gerne dazu."
Während ich mich mit der Chefstewardess über das gerade verkündete Bündnis zwischen Qantas und Emirates unterhielt, zog eine der Kolleginnen los, um das Desaster zu beseitigen. Als ich auf meinen Platz zurückkehrte, wurde das Baby gerade mit einem auf maximale Lautstärke eingestellten iPad bespaßt. Zum Glück war schon die Küste von Queensland in Sicht.
Ein paar Stunden später hatte ich meine Termine abgearbeitet und fuhr noch schnell in die Innenstadt, um in der James Street ein wunderbares Mittagessen zu mir zu nehmen. Zurück zum Flughafen ging es durch den neuen, sehr praktischen, blitzblanken Tunnel, so dass ich meinen Flug nach Sydney problemlos erreichte.
Auf dem Weg zum gerade wieder neu eröffneten Park Hyatt (hübsche Zimmer, alle mit Toto-Dusch-WCs, das Getränke- und Speiseangeboten allerdings ein wenig konventionell), schaute ich noch schnell in meinen Lieblingsbuchladen Published Art in Surry Hills rein, um mich mit neuen Architektur- und Kunstbänden einzudecken, und traf mich dann mit meinen Freunden Nancy und Warwick zum Abendessen im Bistro Moncur.
Dienstag, 11. September
Der Rücken tat unverändert sehr weh, als die Sonne über der Oper aufging. Da mein sonst übliches Jogging bis Woolloomooloo deshalb ausfallen musste, zog ich Shorts und Turnschuhe an und marschierte zügig einmal rund um Circular Quay.
Im Anschluss wartete bestes australisches Frühstücksfernsehen auf mich. Jetzt lachen Sie mich vielleicht aus, aber vieles davon ist tatsächlich um Längen besser als die englischen oder amerikanischen Pendants.
Es folgte ein kurzes Frühstück mit netten Mitarbeitern von Tourism Australia (sie waren ganz aufgeregt wegen ihrer neuen App), dann machte ich mich auf den Weg, um den Cathay-Pacific-Flug nach Hongkong zu erwischen. Neun Stunden später landeten wir. Nach einigen Meetings im Grand Hyatt muss ich auf dem Sofa in einen Tiefschlaf gefallen sein.
Mittwoch, 12. September
Nach einem weiteren schnellen Frühstück, diesmal im Hong Kong Club, ging es erneut zum Flughafen, um den Anschluss nach Toronto zu kriegen. Elf Stunden Schlaf, vier Stunden "Veep" schauen und zerfledderte Ausgaben des New Yorker durchblättern, die ich seit Wochen in meiner Tasche mit mir herumgetragen hatte, folgten. Die Kontrolleure in Toronto waren zur Abwechslung mal ausgesprochen freundlich und die Stadt fühlte sich frisch und herbstlich an.
Ich besichtigte unser neues Büro in der College Street - zusammen mit meiner Mutter (sie ist die Oberaufseherin) sowie den Kollegen Yoshi und Elli. Wir waren uns einig, für die USM-Haller-Büromöbel einen Gelbton zu wählen. "Viel besser für das graue Toronto-Wetter im Februar", sagte Yoshi. Das Abendessen im Terroni war eine lebhafte Veranstaltung mit Cousin, Mutter und Kollegen. Ein paar Stunden später brach ich erneut auf einem Sofa zusammen, diesmal im Haus meiner Mutter.
Donnerstag, 13. September
Die vorletzte Etappe der Reise bestand aus einem Flug nach Montreal, beziehungsweise dem Vortrag auf einer Medien-Konferenz im Zentrum der Stadt zum Thema "Print versus Digital".
Meine Bitte an das Publikum, in seine Augen schauen zu können, statt nur auf twitternde Köpfe, machte meine Einstellung gleich zu Beginn deutlich. Sie stieß, wie ich meine, auch durchaus auf Zustimmung. Vier Stunden später hebt meine Maschine in Richtung Heathrow ab - es geht zurück an den Anfang.