Ukraine Kaviar vom großen Löffel
Krim. Der Name klingt irgendwie geheimnisvoll, und genau das ist die Halbinsel im Schwarzen Meer auch. Jalta, heute einer der beliebtesten Badeorte an der ukrainischen Schwarzmeerküste, war früher ein Handelsstützpunkt, der Name verweist auf die griechischen Wurzeln. Als die Ukraine sich vom vormaligen Mutterstaat Sowjetunion abkoppelte, wurde Jalta auf der Krim auch für den ehemaligen Klassenfeind im Westen ein fast ganz normales Reiseziel.
Simferopol ist zwar keine Weltstadt, aber dort liegt der internationale Flughafen, das direkte Tor zur Krim. Der Flug nach Kiew mag günstiger sein, bedingt aber dann die Zugfahrt nach Simferopol, von wo man nach rund drei Stunden Busfahrt schließlich die Hafenstadt Jalta erreicht. Das Schwarze Meer und die Berge sorgen für ein ganzjährig angenehmes mediterranes Klima. Jaltas Uferpromenade erinnert trotz des verblassten Erscheinungsbilds ein bisschen an die französische und italienische Riviera.
Kein Wunder also, dass die Krim seit jeher ein beliebtes Ziel nicht nur für Kurzaufenthalte war. Wer in der Vergangenheit konnte, baute sich dort sein eigenes Refugium. Entweder in Jalta oder aber in unmittelbarer Nähe wie auf den Klippen des Kap Ai Todor. Das romantische Schlösschen auf der hoch erhobenen Felsspitze trägt den Beinamen "Schwalbennest" und gilt als Wahrzeichen der Krim.
Die Zaren haben zwar nicht so nah am Wasser gebaut, dafür aber noch feudaler. Die ehemalige Sommerresidenz, der Liwadija-Palast, hat alle politischen Stürme überstanden und zeigt immer noch, wie der Hochadel im alten Russland zu leben wusste. Hier fand im Februar 1945 die berühmte Konferenz von Jalta statt. Mit dem "Massandra-Palais" ließ Zar Alexander III. ein Jagdschloss im französischen Stil des 17. Jahunderts errichten. Später eine streng bewachte Stalin-Datscha, steht es heute Besuchern offen. An die Epochen vor den politischen Verwicklungen des 20. Jahrhunderts erinnern die antiken Stätten von Chersones in der Nähe von Sewastopol.
Der heute seinen Urlaub in Jalta verbringen will, kann in einem der vielen ehemaligen Kurhäusern und Sanatorien der Sowjetunion einfach und preiswert übernachten. Internationaler Standard ist längst zu finden. Das Interhotel Jalta verfügt über 1190 Zimmer, das Oreanda über 121 Betten. Neben Badeurlaub sind man vor allem Sprachreisen nach Jalta gefragt.
Trotz der Öffnung gegenüber dem Westen ist Jalta kein Urlaubsort, wie man es vom übrigen Mittelmeer kennt. Tagsüber sehr lebhaft, kann man sich dort abends nur mit Bedacht bewegen. Die Straßen abseits der Uferpromenade sollten tunlichst immer gemieden und grundsätzlich nur offizielle Taxis in Anspruch genommen werden. Auf den Märkten und in öffentlichen Verkehrsmitteln achtet man besser besonders gut auf seine Taschen. Denn die Devisen der Feriengäste wirken manchmal einfach zu verlockend.
Das Krimgebirge schützt Jalta vor den kalten Winden, und so wachsen rund um die Stadt exotische Pflanzen und sogar Palmen säumen die Promenade. Stolz ist man auf den botanischen Garten "Nikitski", der auf über 200 Hektar mehr als 12.000 verschiedene Pflanzenarten aus aller Welt beherbergt.
An den Geschäften der Uferpromenade stehen die berühmten Flaschen mit dem weißen und roten Krim-Sekt in den Schaufenstern. Die kleinen gläsernen Töpfchen daneben lassen so manchem Feinschmecker das Wasser im Munde zusammenlaufen. Der echte Kaviar ist in Jalta immer noch zu Spottpreisen zu bekommen. Kaviar unter Palmen, und das vom großen Löffel. Auf der Krim kein Problem.