Utah: Zu Tal auf Wolke Sieben - DER SPIEGEL
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Utah Zu Tal auf Wolke Sieben

Alles klar in Salt Lake City: Zwölf Monate vor Beginn der olympischen Winterspiele sind alle Anlagen fertig. Auf olympischen Pisten genießen Skiläufer "the greatest Snow on Earth".
Von Ole Helmhausen
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Letzte Nacht hat's wieder geschneit. Zehn Inches, Buddy, raunt es am Frühstückstisch. Auf deutsch sind das gut 25 Zentimeter, Junge. Es ist halb neun, aber die Gäste der Alta Lodge sitzen schon in den Startlöchern, kältefest verpackt und in schweren Skistiefeln, und kippen hastig den letzten Kaffee. Augen werden zusammengekniffen, Köpfe in den Nacken gelegt. Devil's Castle und Mount Baldy, die Dreieinhalbtausender über der Lodge, sehen aus wie gepudert. Andächtiges Schweigen. Ein paar Abfahrten haben sie gelassen, flüstert jemand. Danach geht es in dem kleinen "Dining Room" der Alta Lodge zu wie kurz vor dem Start zum Großen Preis von Monaco. Die Spannung ist greifbar. Zwei Minuten später ist die Lodge wie leergefegt.

Der Grund für die Aufregung? Utahs Autofahrer tragen ihn in die Welt hinaus: "Greatest Snow on Earth" prangt die frohe Botschaft auf allen Nummernschildern des Bundesstaats, und ausnahmsweise ist das einmal nicht übertrieben. Die 13 Meter, die pro Winter in den Rocky Mountains rund um Salt Lake City fallen, sind feinster Pulverschnee, der so trocken ist, dass nicht mal Schneemänner mit ihm gebaut werden können.

Tatsächlich ist er so trocken, dass die zehn Inches über der Alta Lodge - die nachts arbeitenden Schneeraupen haben diverse Abfahrten dem allgemeinen Lustgewinn zuliebe verschont - selbst Tiefschnee-Novizen gut aussehen lassen. Keine kräftezehrenden Hüftschwünge, keine unkontrollierbaren Bretter. Man spürt nur das berühmte sanfte Gleiten. Und während die Skispitzen unter der glitzernden Oberfläche verschwinden und der Pulverschnee um die Stiefel herum wie Löwenzahn in alle Richtungen zerstiebt, wähnt man sich wie im Federbett von Frau Holle, so weich ist die Piste.

Utahs Slogan, mit dem sich der Bundesstaat ein Jahr vor den olympischen Winterspielen in Salt Lake City der Welt präsentiert, ist nicht übertrieben. Seine Richtigkeit ist sogar wissenschaftlich belegbar: Die Regenwolken über dem Pazifik verlieren auf ihrem Weg landeinwärts über der heißen Wüste Nevadas an Feuchtigkeit und stauen sich bei Salt Lake City an den Rockies. Dort kühlt sich die verbliebende Feuchtigkeit rapide ab, kondensiert und rieselt als sogenannter "Champagne Powder" nieder.

In Deutschland ist der US-Bundesstaat Utah als Wintersportziel noch relativ unbekannt. Die rund um die Hauptstadt im März 2002 stattfindenden olympischen Winterspiele werden das ändern. In der Chronik der Spiele ein Novum, ist die Infrastruktur bereits ein Jahr vor Beginn so gut wie fertig. Olympische Wettkampfanlagen und Pisten zum Besichtigen und Testen, Hotels, Resorts und Lifte, kurze Wege und hervorragende Restaurants, alles da, was die Herzen höher schlagen lässt. "Ski total" könnte auch ein Motto sein: Elf der 14 Skireviere liegen weniger als eine Autostunde vom Salt Lake International Airport entfernt. Jedes Skirevier verfügt über erstklassige Resorts, die jeweils mindestens 60 Abfahrten aller Schwierigkeitsgrade bieten.

Weitere Gründe, Viele Stunden im Flugzeug auf sich zu nehmen: Keine überfüllten Pisten, nirgends mehr als drei Minuten Wartezeit an den Liften, und Selbstbedienungs-Restaurants mit Buffets, die sich unter Burgern, Hühnchen, Steaks und Folienkartoffeln nur so biegen. Und natürlich der Schnee: Hat es mal ein paar Tage nicht geschneit, wird er nachts präpariert, und zwar von ultramodernen Pistenraupen, die ihn aufrauen und anschließend mit bakterienversetztem Wasser besprühen, um das Vereisen der Schneekristalle zu verhindern.

Den weiten Himmel, den "Big Sky", und die uneuropäische Weitläufigkeit der Bergwelt der Rocky Mountains gibt es gleichsam als Zugabe. Einschränkungen in ihrer Bewegungsfreiheit brauchen Skitouristen selbst während der Spiele nicht zu befürchten. Nur zwei Prozent aller Pisten wurden für Olympia abgesteckt. Ansonsten wird es auch im März 2002 "Business as usual" heißen.

Utahs Ski-Resorts - this is America - bedienen jeden Geschmack. Die Alta Lodge im Little Cottonwood Canyon verzichtet auf Fernseher auf den Zimmern, High-Speed-Lifte und Sushi zum Dinner. Der jüngste Sessellift ist 20 Jahre alt, Snowboarder werden nicht geduldet. Stattdessen heißt es "steep, deep and cheap", ein Motto, das Alta zum Mekka der amerikanischen Hardcore-Skiläufer gemacht hat.

Am anderen Ende des Spektrums liegt Deer Valley. Das Resort bei Park City, wo die meisten der olympischen Wettkämpfe ausgetragen werden, ist auf dem Weg zum amerikanischen St. Moritz - Hollywood-Stars, Cigar Lounges und Juwelierläden inklusive. Die Jungen Wilden werden allerdings auch hier weitergeleitet. Nach Solitude beispielsweise und nach Brighton, beides weitere herrliche Skizentren. Kein Snowboarder soll die heiligen Pisten entweihen.

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