Vancouver Kanadas Tor zum Pazifik
Einem oft gebrauchten kanadischen Klischee zufolge kann man in Vancouver morgens Ski fahren, mittags segeln und abends in die Oper gehen. Diese Vielfalt wird möglich durch das Klima - das ganze Jahr über ist es für kanadische Verhältnisse sehr mild - und durch die besondere Lage der Stadt. Im Norden wird der Großraum Vancouver begrenzt von der 1500 Meter hohen Kette des Küstengebirges, im Westen durch den Pazifik mit zahlreichen Inseln, Fjorden und Stränden.
Das Zentrum von Vancouver liegt auf einer Halbinsel, dort befinden sich auch die Haupteinkaufsstraßen, Granville und Robson Street. Noch aus der großen Zeit der Eisenbahnen stammt das Canadian Pacfic Hotel Vancouver, das luxuriöseste Traditionshotel der Stadt. Genau gegenüber befindet sich das einzige größere Kunstmuseum, die Vancouver Art Gallery .
Beschaulich geht es in Gastown zu, der Altstadt von Vancouver, die ihren Namen einem englischen Kneipenwirt verdankt. An den geschwätzigen Gassy Jack Deghton, der 1867 seinen Saloon eröffnete, erinnert noch heute ein bronzenes Denkmal. Gastown ist der ideale Platz für Liebhaber von Antiquitäten und Indianerkunst. In den viktorianischen Backsteinhäusern mit ihren verwinkelten Hinterhöfen finden sich Kramläden und Galerien, die von Ramschware bis zu teurer Traditionskunst alles verkaufen. Dazwischen ziehen zahllose Kneipen, Restaurants und Straßencafés und die Steamclock, eine mit Dampf betriebene Uhr, die zu jeder Viertelstunde pfeift, Einheimische und Besucher an.
Nordwestlich von Downtown liegt der 400 Hektar große Stanley Park. Vorbei an mehreren Stränden führt die Seawall-Prommenade Radfahrer, Fußgänger und Inlineskater rings um das Waldgebiet. Die ältesten Douglastannen und Zedern dort sind mehr als 900 Jahre alt. Die Hauptattraktion im Stanley Park ist aber das Vancouver Aquarium, weltweit eines der größten seiner Art. Nur wenige Schritte vom Aquarium entfernt sind zahllose farbenprächtige Indianer-Totempfähle zu bewundern, allerdings nur in Kopie. Wer es authentischer mag, wird im UBC Museum of Anthropology fündig. Einige Kilometer außerhalb des Stadtzentrums, auf dem Campus der University of British Columbia, befindet sich eine der besten Sammlungen von Kunstwerken der Nordwestküsten-Indianer.
Doch das heutige Vancouver wird nicht mehr von indianischen Bewohnern dominiert, sondern von Asiaten. Allein ein Sechstel der 1,8 Millionen Menschen im Ballungsraum Greater Vancouver sind Chinesen. Und so sind in Mandarin erscheinende Zeitungen auch außerhalb von China Town - übrigens nach San Francisco das zweitgrößte Chinesenviertel Nordamerikas - genauso alltäglich wie zweisprachige Aufschriften an Einkaufsläden, Banken und Autovermietungen.
Voraussetzung für das Klima der geistigen Offenheit war seit jeher der Hafen, der Vancouver das Tor zum Pazifik-Raum öffnete. Vor allem Holz und Getreide werden im Vancouver Terminal am Burrard Inlet verladen. Weit in den Hafen hinein ragt der Canada Place, ein Komplex mit der stilisierten Form eines Kreuzfahrtschiffes. Dort finden sich eine Landungsbrücke für echte Ozeanriesen und ein Kongresszentrum. Direkt nebenan liegt der frühere Hauptbahnhof der Pacific Railway Company. Von dort aus fährt alle 15 Minuten der weltweit einzige reguläre Linienbus auf dem Wasser, der Sea Bus . Er verbindet Downtown Vancouver mit North Vancouver.
North Vancouver hat besonders für Naturfreunde viel zu bieten. Etwa den malerischen Capillano Regional Park mit seinen Urwäldern und einem felsigen Flusscannion, über den sich die längste Fußgänger-Hängebrücke der Welt erstreckt. Die 137 Meter lange Capillano Suspended Bridge gehört ohne Zweifel zum Pflichtprogramm jedes Vancouver-Besuchers. Nur wenige Gehminuten liegt die "Salmon Hatchery". Dort werden Lachseier befruchtet und junge "Pacific Salmons" aufgezogen. Diese werden später im Meer ausgesetzt.
Ebenfalls an der Nordseite des Burrard Inlet befindet sich der Hausberg von Vancouver, Grouse Mountain . Sportliche Einheimische und Besucher können die 853 Höhenmeter zur Berghütte auf dem knapp 3 Kilometer langen "Grouse Grind" Wanderpfad überwinden. Doch der Weg trägt seinen Namen nicht ohne Grund - "Grind" heißt soviel wie Schinderei. Der steile Aufstieg dauert für Normalsterbliche etwa 2 Stunden, der Rekord liegt bei 27 Minuten. Es geht aber auch bequemer: mit der "Skyride" Seilbahn.
Zurück im Stadtzentrum lohnt ein Abstecher nach Granville Island. Direkt unter der riesengroßen Granville Street Bridge liegt die Halbinsel im False Creek, südlich von Downtown. Auf dem ehemaligen Lager- und Industriegelände, wo jetzt Kunst-, Theatervorführungen stattfinden, kann man sich vom Stress der Stadt erholen.
Beim Wandern durch die Straßen und Parks der Stadt kann es indessen leicht passieren, dass man vor der Linse einer Kamera landet. Nach Los Angeles und New York ist Vancouver der drittwichtigste Filmplatz Nordamerikas. Neben niedrigen Steuern und Produktionskosten locken vor allem traumhafte Sets die Regisseure nach Kanada.