Vendée Globe: "Also habe ich den Eisberg gefilmt" - DER SPIEGEL
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Vendée Globe "Also habe ich den Eisberg gefilmt"

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ganz plötzlich wachte ich auf - ich bin mir nicht sicher, was mich dazu gebracht hatte, aus meinem kurzen Schlaf aufzuschrecken. Aber auf einmal stand ich senkrecht in meiner Koje und starrte aus dem Kabinenfenster. Da war er: Ein Eisberg! Direkt neben meinem Boot!

Keine Sekunde, und ich war an Deck (ich habe angefangen, permanent wasserfeste Socken zu tragen, damit ich jederzeit an Deck kann, ohne ständig nasse Füße zu bekommen). Ich konnte einfach nicht glauben, was ich sah: Wir fuhren keine 15, 20 Meter an einem riesigen Eisberg vorbei! Um genau zu sein: Wir segelten direkt durch das weiße Wasser rund um den Eisberg.

Was sollte ich tun? Ich hatte keine Ahnung. Also habe ich den Eisberg gefilmt. Habe gefilmt, wie er langsam in der Ferne verschwand. Er war direkt hinter mir, was zeigt, wie dicht ich an ihm vorbeigesegelt bin. Ich glaube, all die Kinder aus dem Krankenhaus, dessen Namen ich auf einer Plakette an Bord dabei habe, müssen den Eisberg von meinem Boot weggewünscht haben - sonst hätten mein Boot und ich einen Zusammenstoß erlitten. Die ganze Zeit über hatte ich nur einen Gedanken im Kopf: Was wäre gewesen, wenn...? Denn der Radar war angestellt. Aber (das kommt manchmal vor) dieser Berg war für das Radar unsichtbar.

Eisberge zu sehen - schön und gut. Ich hatte schon während der "Star"-Regatta im Juni Eisberge gesehen, aber diesen eben nicht zu sehen - das hat ganz schön an den Nerven gezerrt!

Ich glaube, die Region, durch die wir gerade segeln, wird die schlimmste, da wir uns nordöstlich vom Weddell-Meer befinden. Von dort spuckt die Antarktis massenweise Eis aus, das sich dann auf den Weg rund um die Welt macht.