Vendée Globe Ehrfurcht gebietende Welt
Das war also unsere erste Nacht in den "Roaring 40s". Man kann den Unterschied bereits spüren, auch wenn die Bedingungen noch nicht ganz denen des südlichen Ozeans entsprechen.
Der Wind variiert momentan zwischen 14 und 22 Knoten, was das Segeln sehr erschwert. Seit einigen Stunden segele ich bereits Richtung Süden und versuche dem Einfluss der Strömungen aus dem Norden entgegen zu steuern. Ich weiß, dass alles gut laufen wird. Es ist nur so frustrierend, die ganzen hart erkämpften Meilen auf einmal wieder zu verlieren. Aber ich denke, ich werde damit klarkommen. Ich will ja lernen.
Laut Routenplan sollen wir als nächstes die Antarktis Steuerbord liegen lassen, um uns Heard Island von Norden her nähern zu können. Das eigentliche Ziel ist dann erst Kap Hoorn. Wir müssen uns auf der Strecke recht strikt an die Streckenpunkte halten, damit wir nicht gen Süden abdriften. Die eigentlich viel kürzere Strecke zum Kap würde uns mitten durch das arktische Eis führen. Rund 50 Tage sind es noch bis zum Kap Hoorn. Eine große Etappe der Regatta. Auf jeden Fall ist es bereits ein gutes Gefühl, den 40. Breitengrad überschritten zu haben.
Die Welt hier unten ist so anders - etwas ganz Besonderes. Sie ist auf eine wunderbare Weise Ehrfurcht gebietend. Das Meer ist anders. Die Wellen sind größer. Die Albatrosse wunderschön. Obwohl ich die härtesten Tage des ganzen Rennens hinter mir habe, ist es einmalig, diese Welt zu sehen. Die vielen lieben E-Mails, die mich von überall her erreichen, geben mir Kraft, und vor allem erinnern sie mich daran, was für ein Glückspilz ich doch eigentlich bin.