Venezuela: Verschollen im Urwald - DER SPIEGEL
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Venezuela Verschollen im Urwald

Tagelang irrte ein deutscher Tourist durch den südamerikanischen Dschungel - verzweifelt auf der Suche nach seiner Reisegruppe. Nach drei Tagen glaubte er an sein Ende: Die Ameisen, die er aß, hatten ihm die Zunge verbrannt. Nach sechs Tagen wurde er schließlich gerettet.
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Caracas - Es begann wie jede Dschungel-Exkursion mit einem Spaziergang auf einem Touristenpfad im Nationalpark Canaima, einem der unberührtesten Urwälder Venezuelas. Aber die Faszination für die Landschaft wurde dem deutschen Arzt Hans Jürgen Link fast zum Verhängnis: Er verlor den Anschluss an seine Gruppe, zu der neben sieben Kollegen auch seine Tochter gehörte, als er zurückblieb, um einige Fotos zu machen.

"Sobald ich entdeckte, dass ich allein war, rannte ich los, um die anderen zu finden", sagte der 50-jährige Aachener Gynäkologe. "Ich nahm aber den falschen Weg." Um den schlimmsten Hunger zu stillen, aß er Blätter und rote Ameisen - die werden von den Pemon-Indianern zur Zubereitung einer scharfen Soße verwendet. "Die Ameisen haben mir ganz schön die Zunge verbrannt, danach habe ich nicht mehr viel gegessen", erzählte Link nach seiner Rettung auf einer Pressekonferenz. Am dritten Tag habe er daran gedacht, einen Abschiedsbrief an seine Familie zu schreiben.

Zu dem 660 Kilometer südlich von Caracas gelegenen Nationalpark führt keine Straße. Neben einer Indio-Siedlung gibt es einen kleinen Flugplatz. Die Savannen und der dichte Dschungel sind extrem unwirtlich: Neben Anakondas, Piranhas und Sandflöhen macht die "La Plaga"-Mücke den Menschen das Leben schwer: Die Stiche brennen tagelang.

Ein Team aus Touristenführern, Nationalgardisten und Indios suchte seit dem Tag seines Verschwindens nach Link, doch heftiger Regen behinderte die Suche. Lediglich Fußspuren des Vermissten zeugten davon, dass der Deutsche noch am Leben sein könnte. Am sechsten Tag entdeckten Soldaten von einem Hubschrauber aus ein SOS-Zeichen, das der Arzt mit Stöcken auf einer Sandbank im Fluss gelegt hatte.

Auf einem Felsbrocken in der Nähe wurde der Erschöpfte schließlich gefunden und gerettet. Bis auf etliche Kratzer und eine leichte Austrocknung habe er die Zeit im Dschungel relativ gut überstanden. "Es ist ein schöner Ort. Ich habe vor, wiederzukommen, aber den nächsten Ausflug mache ich auf jeden Fall mit einem Hubschrauber", sagte Link.

Von AP-Korrespondent Christopher Toothaker