Leben auf einer Insel: "Es gibt viele wie mich, die zurückkommen"
Insel vor Vancouver Island Wo man lebt, um der hektischen Welt zu entkommen
In den späten Siebzigerjahren verließ Bruce seine Heimat Ontario und zog auf eine abgelegene Insel in der Salischen See, irgendwo zwischen Vancouver Island und der Küste von British Columbia. Dort verbringt er nun Stunden damit, Geweihe zu schnitzen und die Ruhe zu genießen. Er ist froh, die Hektik des kanadischen Festlandes hinter sich gelassen zu haben.
Der Fotograf Ryan Walker hat ihn und andere Einwohner porträtiert und zeigt in seinen Bildern auch die beeindruckende Landschaft des Eilands. Den Namen der Insel will er allerdings aus Respekt vor den Einheimischen nicht verraten: "Viele leben dort, um der hektischen Welt zu entkommen. Die Insel soll so erhalten bleiben, und es sollen nicht immer mehr Menschen kommen."
Die Idee für die Serie entstand durch ein Projekt über einen jungen Mann, der eine starke Verbindung zur Natur hat. Walker wollte weitere Menschen treffen, die alternative Lebensweisen führen. Als ihm zufällig jemand von der Insel in der Salischen See erzählte, wusste er: "Da muss ich hin!"
Über drei Jahre hinweg besuche er die Insel mehrere Male für je zwei Wochen. Als er das erste Mal dorthin fuhr, lernte er gleich auf der Fährfahrt die ersten Einwohner kennen - die Personenschiff ist die einzige Möglichkeit für die Menschen, aufs Festland zu gelangen, und daher auch ein Ort, um sich auszutauschen.
Die ersten Wochen verbrachte der Fotograf nur damit, die Insulaner kennen zu lernen. Erst dann fing er an, sie zu fotografieren. Mit jeder Reise zurück auf die Insel wuchs sein Netzwerk. Anfangs dachte Walker, dass er auf eine idyllische Utopie aus Gleichgesinnten treffen würde. Doch schnell erkannte er, dass die Insel ein Mikrokosmos der Gesellschaft ist: Hippies und Schwindler, Künstler und Rentner, Ärzte und Anwälte, Einsiedler und junge Familien, Arme und Reiche - sie alle leben hier.
Leben auf einer Insel: "Es gibt viele wie mich, die zurückkommen"
So verschieden die rund 400 Einwohner sind, so verbindet sie doch alle: die Insel. Ein Einwohner sagte zu Walker, dass er nie etwas mit seinen Nachbarn zu tun hätte, würden sie in der Stadt wohnen. Dafür seien sie zu unterschiedlich. Doch auf der Insel hätten sie enge Freundschaften entwickelt. Viele schätzen laut dem Fotografen die Gemeinschaft, aber auch dass es viel langsamer als auf dem Festland zugehe. Die Menschen würden weniger gestresst wirken.
Dabei bedeutet der Alltag auf der Insel für die Männer und Frauen viel Arbeit: Sie müssen unter anderem Holz sammeln und hacken, ihre Gärten pflegen, renovieren und sich um den reibungslosen Betrieb der alternativen Energiequellen kümmern. Viele Inselbewohner tauschen Arbeitskraft und Waren aus, da es kaum Möglichkeit gibt, Geld auf der Insel zu verdienen. Die Lebensweise der Menschen erfordert allerdings auch nur ein sehr geringes Einkommen.
Auch sonst ist das Insulanerleben mit vielen Herausforderungen verbunden. Es gibt beispielsweise keine asphaltierten Straßen. Sich fortzubewegen, erfordert Zeit und Geduld. In den kalten und nassen Wintern fährt die Fähre weniger häufig, es gibt weniger Aktivitäten in der Gemeinde. Viele haben laut Walker mit der Abgeschiedenheit zu kämpfen, andere schätzen genau diese Isolation. Sie ziehen es vor, ein einsames Leben zu führen und in Ruhe gelassen zu werden.
Einige müssen zumindest zeitweise die Insel verlassen, weil ihre Kinder weiterführende Schulen besuchen. Denn auf dem Eiland werden Schüler nur bis zur achten Klasse unterrichtet. Walker sagt aber auch, dass viele junge Leute zurückkehren würden, sobald sie eine eigene Familie gründen.
Der Fotograf fühlte sich von der Natur angezogen, von dem atemberaubenden Blick auf das Meer und die Regenwälder. "Die Landschaft packt mich jedes Mal - sie ist mystisch und magisch zugleich." Er ist noch mit vielen Einwohnern in Kontakt und will bald auf die Insel zurückkehren.