Weinlese in Australien Vorteil in der Dose
"Unsere Vintage 2001 war eine Herausforderung!" sagt daher nicht nur John Innes, Kellermeister bei Rymill im südaustralischen Coonawarra. Fast 1,3 Millionen Tonnen Trauben haben die 1318 Weingüter des Landes seit Januar gelesen - die letzten Trauben sind dieser Tage in die Keller gekommen. Die Ernte dauerte damit nicht nur deutlich länger, sondern brachte auch deutlich höhere Erträge je Hektar. Lawrie Stanford, Sprecherin der Australian Wine & Brandy Corporation: "Das Jahr 2001 hat damit bereits einen ersten Rekord gesetzt - im Volumen (plus 13 Prozent) und Handelswert des Weins. Für fast fünf Milliarden Mark wird Australien 2001 Wein exportieren - vor allem nach Großbritannien, in die Vereinigten Staaten, Japan und die Europäische Union.
Der Boom ist ungebrochen, die Nachfrage nach australischen Weinen noch immer steil ansteigend. Allein im vergangenen Jahr wurden daher auf 10.300 Hektar neue Weinstöcke gepflanzt - geplant waren 7600 Hektar. Bis zum Jahr 2004/5 soll das Erntevolumen auf 1,75 Millionen Tonnen steigen. Australiens, das derzeit einen Marktanteil von 4,5 Prozent hält, ist damit weltweit der am schnellsten wachsende Weinexporteur. Wachstumsfaktor sind vor allem Rotweine.
Seit 40 Jahren hält hier Coonawarra unangefochten die Spitzenposition. Auf 15 Kilometer Länge und knapp zwei Kilometer Breite bedeckt ein besonderer Boden das flache, weite Tal im Süden Südaustraliens: "terra rossa", leuchtend rostfarbene Erde voller Eisenoxid auf strahlend weißem Limestone. 90 Tonnen Shiraz und ebenso viele Tonnen Cabernet hat Brian Lynn vom Weingut Majella gepflückt.
"Der Zuckergehalt ist mit 13,5 bis 14 Bé auf der Baume-Skala exzellent; die Farben sind enorm intensiv - fast purpurschwarz", schwärmt der Winzer. Jetzt stehen die neuen Roten auf der Maische. Ende August kommen sie in französische Eichen-Barriques und nehmen zwei Jahre lang die Aromastoffe der 225 Liter fassenden Holzfässern auf. Erst im September 2003 sind die ersten Flaschen im Handel.
Schon im deutschen Sommer 2001 sind die wenigen Weißweine aus Coonawarra auf dem Markt. Bei Rymill geben Kellermeister John Innes und sein französischer Assistent Clemence Dournois dem 2001 Sauvignon Blanc den letzten Schliff. Seine Blume: "delikat und fruchtig".
Während im Barossa Valley Leo Pech, Vizepräsident der Weinbau-Sektion im südaustralischen Bauernverband SAFF "noch nicht die Folgen der Hitzewelle abschätzen kann", ist Prue Henschke vom benachbarten Eden Valley mit der Lese sehr zufrieden. 750 Tonnen hat die Winzerin mit Maschinen und per Hand eingebracht - darunter dringend benötigter Nachschub für das nahezu ausverkaufte Aushängeschild des 140 Jahre alten Familienbetriebs: den preisgekrönten Shiraz "Hill of Grace".
Shiraz und Sémillon gelten als Klassiker im Hunter Valley von New South Wales, in dem seit mehr als 150 Jahren Wein angebaut wird. Kein Tribut an den Zeitgeschmack wie einst Chardonnay ist eine neue Traube, die jetzt die Rebflächen bereichert: Chambourcin. Der fast schwarze, purpurfarbene Weine mit dem fruchtig-weichen Beerengeschmack besitzt kaum Tannin. Äußerst resistent gegen Pilze und andere Schädlinge, ist Chamburcin die australische Antwort auf Frankreichs Beaujoulais Primeur: ein junger, frischer Roter. Als Alternative in Weiß wird seit kurzem Verdelho angebaut.
30 inhabergeführte Mini-Weingüter, sogenannte "boutique wineries", prägen das jüngste Anbaugebiet des Bundeslandes Victoria: Gippsland, küstennah zwischen Philip Island und der Grenze zu New South Wales gelegen. Zu den viel versprechendsten Namen zählen Bass Philip aus South Gippsland mit preisgekrönten Pinot-Noir Weinen sowie Axel und Harry Friend von der Narkooje Winery aus Glengary. Ihr 1999 Chardonnay, handgepflückt auf vier Hektar, wurde kürzlich auf der South Australian Wine Show in Lilydale mit drei Trophäen bedacht.
Konzentrierte sich der Weinbau bislang im Osten und Süden, erwächst mit West Australia ein neuer Konkurrent. Von Westaustraliens Weinexporten, binnen eines Jahres um 50 Prozent gestiegen, wird mehr als die Hälfte in den östlichen Bundesstaaten abgesetzt. Mit Southcorp und BRL Hardys's stiegen zwei der vier australischen Global Player in den dortigen Weinanbau ein. Obgleich der Oktober der trockenste Monat sei Beginn der Wetteraufzeichnung war, werden die Ernteerträge so gut wie 1995 sein, sagt Ron Poage, BRL's regionaler Betriebsleiter. 3000 Hektar Rebfläche wurden gerade abgeerntet.
Cabernet Sauvignon - sortenrein oder mit Merlot oder Cabernet Franc verschnitten, ist der typische Tropfen der Anbaugebiete Margaret River, Swan Valley oder Geographe. Eine Besonderheit bildet "Cape Mentelle", der beste der ohnehin wenigen australischen Zinfandels. Dass Wein nicht immer aus der Flasche kommen muss, beweist die australische Wein-Industrie mit ihren Innovationen. Wurden einst erstmals hier preisgünstige Tafelweine in Tetra-Packs verpackt, ist seit Januar 2001 ein edler Tropfen auch in Dosen erhältlich. Winzer Greg Stoke hat den "1998 Iron Bridge Cabernet Shiraz" in 30.000 Dosen abgepackt; weitere 200.000 sollen folgen. Der Preis je 0,33l-Dose: rund acht Mark. "Die meisten Flaschenweine kommen doch ohnehin aus Stahltanks", sagt der Winzer aus Südaustralien. Der Vorteil der Dose läge auf der Hand: Wein sei so haltbarer.