Wellness-Welle in Australien Peelings mit Perlen
"Spa Centre of Australia" steht auf dem Ortsschild. Auf den ersten Blick deutet nichts daraufhin, dass Hepburn Springs die Wiege der australischen Wellness ist. Bereits 1836 wurden in der Kleinstadt inmitten der Macedon Ranges von Victoria die meisten Mineralquellen des Kontinents gefunden - 42. Rasch wurden die wichtigsten Quellen eingefasst, mit Pumpen versehen, und mit einem Wegenetz verbunden: Der Kurbetrieb war geboren.
Das Badehaus, 1895 im tief eingeschnittenen Spring Creek unmittelbar neben Soda-, Sulphur- und Locarno-Quelle erbaut, beherbergt heute neben zwei Thermalbecken mit Jet-Düsen ein modernes Hydrotherapie-Zentrum. Schwebe-Tanks, Lounge-Chairs mit Jet-Düsen, Vichy-Duschen und diverse Bäder prägen das Angebot des Day Spas. Ganz dem europäischen Erbe verhaftet ist das "The Springs Retreat", eine Wohlfühloase im Art-Déco-Stil. Die Einrichtung sowie sämtliche Produkte des kleinen, feinen Spas importierten Chris Malden und Wayne Cross aus Frankreich. Allein 13 verschiedene Tonerden werden bei den Gesichtsbehandlungen eingesetzt.
Schmuckstück des Spas ist der Steam Room: Auf einen Kessel, gefüllt mit heißem roten Granit, lässt eine kleine Förderschaufel aromatisiertes Wasser fallen. Mikroskopisch feiner Dampf steigt auf, kondensiert an den Wänden aus Zedernholz. Zur gleichen Zeit im gleichen Ort: Sonnenlicht fällt sanft durch Shoji-Wände aus Reispapier. Leise ertönt Musik ertönt im Hintergrund, während geübte Hände dem Körper innere Ruhe und äußere Schönheit wiedergeben. Peelings mit Meersalz, vollgesogen mit essentiellen Ölen von Zitrone, Neroli (Ölmischung aus Bitterorangen) und Tangerine fördern den Blutkreislauf und bringen den Zellstoffwechsel auf Schwung. Mandelöl-Massagen entspannen und sorgen für weiche Haut. Relaxen im Ryokan Shizuka: Verwöhnen auf Japanisch - und doch nur eine der vielen Wellness-Varianten von Hepburn Springs. Jede viktorianische Villa, die entlang der Hauptstraße ihr handgemaltes Schild "Day Spa" in den Wind hängt, schwört auf ihr ureigenstes Entspannungsprogramm für gestresste Städter.
Frei werden bei den Behandlungen asiatisches und europäisches Erbe kombiniert, variiert und mit australischen Einflüssen ergänzt. Mittlerweile bieten erste Firmen wie Li'Tya Spa-Serien mit ausschließlich australischen Ingredienzien an, gewonnen aus endemischen Ölen und Mineralien. Das Wissen dafür bezieht das Unternehmen von den Ältesten mehrer Aborigines-Stämme, die Li'Tya beraten.
Eines der exklusiven Spas, die mit Li'Tya zusammenarbeiten, residiert in der Daintree Eco Lodge. Rund 100 Kilometer nördlich von Cairns ducken sich 30 Lodges auf Stelzen unter dem dichten Blätterdach des Daintree-Regenwaldes, der als Ältester der Welt gilt. "Für die Aborigines war nicht Schönheit, sondern körperliches Wohlbefinden wichtig", sagt Kelda Maloney, 21, ausgebildete Naturtherapeutin und Leiterin des Spas. Die überlieferten Techniken der Ureinwohner, heute im Spa angeboten, wirken auch bei Gästen aus dem Westen. Schauspielerin Brook Shields fühlte sich nach ihrem "Signature Treatment" wie im Himmel auf Erden - und schrieb es begeistert ins Gästebuch.
Die gut zweistündige Anwendung beginnt mit einer Packung aus warmen Mapi-Schlamm. Während Mineralstoffe den Körper füttern, wird der Kopf nach traditionellen Techniken der Aborigines massiert. Für die Haare folgt eine Kur mit Kräutern aus dem Busch und Quandongs, quittenähnlichen Früchten aus dem Outback Südaustraliens. Warmer tropischer Regen, im eigenen Biotank gespeichert, spült den Schlamm fort, wärmt und macht bereitet für die abschließenden Kodo-Massage, einem Mix aus pressenden, streichenden und dehnenden Bewegungen. Etwas weiter südlich bietet das edle Öko-Resort Silky Oaks Lodge im Healing Waters Spa ähnliche Anwendungen der Aborigines. Hier scheinen die Stelzenhäuser im Regenwald über dem Ufer des Mossman Rivers zu schweben.
Am Barrier Reef verwöhnt das Dunk Island Spa mit seiner ganz eigenen Version von Wellness: beim Körperpeeling mit Perlen. Wie ein Menü für Feinschmecker liest sich das Angebot des Angsana Spa in Palm Cove - Packungen mit pürierten Bananen oder rohen Kartoffeln, Peelings mit frischen Kokosnüssen, Körperwaschungen mit tropischen Früchten oder Gesichtsmasken mit Honig und Sesam. Sting ist Stammgast im Aurora Spa Retreat des Prince Hotels, dem einzigen holistischen Spa von Melbourne. Statt der derzeit populären heißen Steine massieren hier kalte Kiesel gemeinsam mit Samen der australischen Nationalblume Wattle den Stress weg. Dass ein solcher beim Besuch eines Spas gar nicht erst aufkommt, dafür sorgt in den Spas Chakra von Sydney und Melbourne ein einmaliger Service: die Chakra Concierge. Während der Gast im Dampfbad schwitzt, durchgeknetet wird oder im Salztank schwebt, sorgt sich ein zuverlässiger Diener um den Alltag. Einkaufen, Essen kochen, Hund ausführen, Babysitting oder Bügeln - alles ist am Ende der Anwendungen erledigt. Der Komfort hat seinen Preis: einen Dollar pro Minute.