Westaustralien: Korallen unterm Sternenzelt - DER SPIEGEL
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Westaustralien Korallen unterm Sternenzelt

Go West - das Motto der amerikanischen Siedler sollten sich auch Australien-Touristen zu Herzen nehmen. Nirgends sonst geht es noch so australisch zu wie im "wilden Westen" des fünften Kontinents.
Von Magnus M. Gees
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer einmal die Innenstadt von Perth, der größten und einzigen Millionenstadt im Westen Australiens, verlassen hat, kann sie fast spüren: die endlose Weite der Landschaft und den Geist Australiens.

In W.A., die Westaustralier lieben Abkürzungen über alles, gehen die Uhren noch nach "australischer" Zeit: Für einen Plausch finden sich immer ein paar Minuten, und welcher echte Australier würde schon ein eiskaltes Bier einfach allein runterstürzen wollen. Die Menschen in West-Australien haben diese eigenartige Mischung von kauzigem Einsiedlerdasein und gastfreundlicher Offenheit bewahrt. Hier ist der Gast nicht König oder Goldesel, hier ist einfach ein "Mate", ein Kumpel.

Dabei leben die Westaustralier keinesfalls hinter dem Mond - auch wenn Perth die wohl isolierteste Großstadt der Welt ist. Dennoch ist Perth eine moderne Metropole, mit einer Einkaufsmeile, trendigen Stadtteilen, Stränden satt und Gaumenfreuden jeder Art. Dazu kommt noch die historische Kulisse des Hafenvororts Freemantle und die Trauminsel Rottnest Island direkt davor - fertig ist das kleine Paradies.

Wer es dagegen etwas ausgefallener und aufregender mag, dem sei das "große" Paradies empfohlen. Wie man dorthin kommen kann? Ganz einfach: immer in Richtung Norden. Schon nach einer halben Stunde wechseln sich bewaldete Gegenden mit Weinbaugebieten ab, die schnell in endlos scheinende Getreidefelder und Weiden übergehen.

Der Verkehr auf dem zweispurigen Highway Nummer 1 wird mit jedem Kilometer dünner. Langsam vergrößern sich die Abstände zwischen den Ansiedlungen entlang der Straße, die Lastwagen haben zwei oder mehr Anhänger und werden zu Roadtrains, zu "Zügen der Landstraße".

Außer ein paar riesigen Farmen, die meist Schafzucht betreiben, gibt es nördlich der Getreidemetropole Geraldton nicht mehr viel - einmal abgesehen von einer unvergleichlichen Landschaft und wunderbaren Küstenabschnitten.

Manch einer, und vor allem die Reiseveranstalter von Perth, würde noch die Delfine von Monkey Mia, die (fast) jeden Tag an den Strand kommen, anführen. Aber dank dieser "Empfehlungen" hat das Schauspiel so viel von seiner Natürlichkeit verloren, dass die 250 Kilometer lange Rundtour zur Delfinshow getrost als Umweg bezeichnet werden kann.

Dass es auch anders geht, zeigt sich 800 Kilometer weiter nördlich. Kurz vor Exmouth liegt das Örtchen Coral Bay. Hier ist Australien noch Australien. Wer es bis hierher geschafft hat, kommt meistens zum Fischen - und hat sein Hotel an der Anhängerkupplung dabei.

Die Natur rund um Coral Bay erscheint einzigartig. Kaum im Wasser, eröffnet sich dem Schnorchler die wunderbare Welt der Korallen. Nirgends sonst in Australien liegt ein Korallenriff so nah vor der Küste wie im nördlichsten Zipfel der Westküste. Geschützt vor der teilweise mächtigen Brandung des Indischen Ozeans kann die Unterwasserwelt bequem erkundet werden - entweder schnorchelnd oder an Bord eines Glasbodenboots.

Eine weitere Attraktion sind riesige Walhaie, die auf dem offenen Meer mit ein bisschen Glück zu finden sind. Dann heißt es, nichts wie rein ins Wasser. Ein Hai? Entwarnung: Dieser Hai hat keine Zähne und ernährt sich ausschließlich von Kleinstlebewesen.

Auch außerhalb des Wassers geht es paradiesisch zu: Die Küste rund um Coral Bay bietet zahllose einsame Buchten. Am besten lassen sich die endlosen Strände und Sanddünen mit einem Quad-Bike, einem vierrädrigen Motorrad, erkunden. Organisierte Touren helfen schnell, den anfänglichen Respekt vor der Maschine zu verlieren.

Zum Abschluss des Tages empfiehlt sich ein Abstecher auf die Warroora Sheep Station. Die Schaffarm ist nach rund einstündiger Fahrt in Richtung Süden über einen Feldweg entlang der Küste zu erreichen. Warroora Station, das sind 55 Kilometer hauseigener Strand samt Korallenriff, ein paar tausend Schafe und genug Land, um sich ausgiebig zu verlaufen.

Die Farm inmitten der Einsamkeit ist kein Fünf-Sterne-Hotel, verspricht aber einen guten Schuss Abenteuer: Das warme Wasser kommt aus einem Fass, unter dem kräftig eingeheizt werden muss, Schlangen und Riesenspinnen zählen zu den Mitbewohnern.

Wenn dann die Sonne untergeht, kann es sich der Urlauber mit einem kalten Bier oder einem guten Glas Wein auf der Terrasse gut gehen lassen. In der Nähe rauscht das Meer, über dem Kopf funkeln die ersten Sterne am Firmament. Fünf Sterne? Millionen.

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