Wilder Westen Im Land der Geisterstädte
Lake Valley - Burgruinen und verfallene Klöster hat das Reiseland USA seinen Besuchern nicht zu bieten. Dafür gibt es dort jede Menge verlassene Goldgräbersiedlungen und aufgegebene Wild-West-Städte. Diese Geisterstädte entfalten einen ganz eigenen Reiz und ziehen eine immer größere Zahl von Besuchern in ihren Bann. Jenseits der bunten Metropolen gibt es hier Wild-West-Feeling der authentischen Art.
In den USA hat sich das Interesse an den Geisterstädten zu einer Bewegung entwickelt. Die so genannten "ghost towners" suchen verlassene Siedlungen auf, dokumentieren sie und berichten Gleichgesinnten über ihre Reisen. "Wir sind ein Teil der Outdoor-Kultur", erklärt der Zeitungskolumnist Clint Thomsen. "Wenn du bereit bist, 200 Meilen auf staubigen Straßen zu fahren, nur um etwas zu suchen, das definitiv verfallen ist, dann gehörst du dazu." Die meisten Geisterstädte gibt es im Westen der USA. Einige US-Staaten dort haben 100 bis weit über 200 dieser Orte zu bieten.
Aber auch im Mittleren Westen und selbst im Osten gibt es mehr Geisterstädte, als man gemeinhin denkt, wie Todd Underwood erklärt. Der ehemalige Chemieprofessor ist leidenschaftlicher "ghost towner" und hat eine eigene Ghosttown-Webseite ins Leben gerufen. Sogar der Staat New York hat 14 Geisterstädte, wie Underwood betont. Und in Pennsylvania gibt es sogar eine "Geisterautobahn" - ein 21 Kilometer langes Teilstück des Pennsylvania Turnpike mit Tunneln und Brücken, das seit 1968 wegen einer Umfahrung nicht mehr benutzt wird. Underwood schätzt, dass er selbst rund 1000 Geisterstädte besucht hat.
Das Gefühl der Verlassenheit
Eine Geisterstadt ist ein Ort, der im Schatten einstigen Glanzes steht. Das können kleine Ortschaften sein wie Jerome in Arizona oder Calico in Kalifornien, Ruinen in vergessenen Minensiedlungen, aufgegebene Farmen oder Bahnstationen, zu denen keine Züge mehr fahren. Was für den Einzelnen genau den Reiz dieser Orte ausmacht, ist so unterschiedlich, wie es die Besucher selbst sind. Den einen fasziniert der Klang quietschender Eisentore, der andere liebt das Gefühl der Verlassenheit und Einsamkeit, wenn der Wind durch ausgestorbene Straßen weht.
Ganz ungefährlich sind die Besuche nicht: So berichten "ghost towner" von unliebsamen Begegnungen mit Klapperschlangen. Underwood hat einmal erlebt, dass er bei einem Besuch einer Geisterstadt auf einem verfallenen Haus saß, als plötzlich ein Mann mit einem Gewehr auf ihn zukam. "Ich habe mich umgedreht und schnell davon gemacht", berichtet er. David Pike hat auf seiner Webseite knapp 20 Geisterstädte in New Mexico untersucht und bewertet. Er gewinnt den Besuchen in den verlassenen Städten eine philosophische Betrachtungsweise ab: "Wenn man in einem Gebäude steht, das einst war und sich jetzt langsam in ein baldiges Nichts auflöst, dann erinnert einen das intensiv daran, dass man dankbar dafür sein soll für das, was man hat, solange man es hat."
Interessante Geisterstädte in den USA:
Ghosttown-Enthusiasten wie David Pike und Todd Underwood haben für Interessenten ein paar Vorschläge zusammengestellt: Geisterstädte, die einen Besuch wert sind.
Lake Valley: Diese verlassene Siedlung im Süden von New Mexico ist laut Pike der Inbegriff einer Geisterstadt. Lake Valley gehört der US-Behörde für Grundstückverwaltung. Hier stehen einige Gebäude, darunter eine Schule, ein Kramladen und eine kleine Kirche. "Wenn ein Ort danach strebt, eine Geisterstadt zu sein, dann sollte er Lake Valley nacheifern", schwärmt Pike.
Carson im US-Staat Colorado: Das aufgegebene Minencamp liegt auf der US-Kontinentalscheide in einer stolzen Höhe von 3658 Metern. "Es ist sehr weit ab vom Schuss und die meiste Zeit im Jahr von Schnee bedeckt", erklärt Underwood. "Alle Gebäude sind noch intakt. Es sieht fast aus, als sei jemand gerade erst aufgebrochen und weggegangen."
Frisco in Utah ist der absolute Favorit vieler "ghost towner". Die alte Silberminenstadt im Südwesten des US-Staates hat verschiedene Kohleöfen im Freien, die einst für den Schmelzvorgang benutzt wurden. Außerdem gibt es laut ghosttown.com einen Friedhof und einige stehende Gebäude zu besichtigen.
Spring Canyon, ebenfalls in Utah, ist die Heimat von gleich mehreren Geisterstädten. Zumeist sind es alte Minencamps. In einem soll sogar ein Geist, die "Weiße Lady von Latuda", sein Unwesen treiben.
Heather Clark/AP