Wildnistour bei den Aborigines: Salty oder Freshy - DER SPIEGEL
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Wildnistour bei den Aborigines Salty oder Freshy

Der Gurig-Nationalpark auf der Cobourg Peninsula ist wild und geheimnisvoll, ohne Straßen und Städte, aber voller mythischer Orte und Naturschönheiten. Wildnistouren zur Halbinsel beginnen immer mit einem Buschflug und führen in Sümpfe und Buchten, Begegnungen mit Krokodilen inbegriffen.
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Darwin - Ross, 1,90 Meter groß, durchtrainiert, braungebrannt und Touristenführer, steht neben seinem Boot. Drei durchgeschwitzte Urlauber waten vorsichtig ein paar Schritte durch das lauwarme Meerwasser und klettern an Bord. "Hello, willkommen im Outback", sagt Ross und startet die beiden Außenborder. Das Boot kurvt aus der Bucht, und mit einem Mal öffnet sich die traumhaft schöne Kulisse der Cobourg Peninsula im Norden Australiens.

Diese Halbinsel ist Teil von Arnhem Land, eines der größten Reservate der Aborigines. Ross steuert das Boot auf das Meer, zurück bleibt der sattgrüne Mangrovenwald des Gurig-Nationalparks. Die Küste ist unberührt, es gibt riesige Überschwemmungs- und Brackwasserbuchten. Sümpfe und zahllose Creeks münden ins Meer, und während der Regenzeit von Dezember bis April weiß hier keiner so genau, wo eigentlich das Meer aufhört und das Land beginnt.

Bei den Bootsausflügen begegnen einem Hunderte Wasservögel und viele Meeresschildkröten. Manta-Rochen gleiten gemächlich durch das kristallklare Wasser. Delfine machen sich einen Spaß daraus, die Boote zu begleiten. Die begehrten Barramundi und andere Fische werden von den Aborigines mit dem Speer überlistet, das dürfen - und beherrschen - nur die australischen Ureinwohner. Manche der Buchten und Plätze, an denen die Aborigines fischen, sind heilige Orte. Man darf sie ohne spezielle Erlaubnis weder betreten noch fotografieren. Schon um die Cobourg-Halbinsel mit dem Gurig-Nationalpark zu besuchen, benötigt man ein spezielles Permit, das es beim "Northern Land Council" in Darwin gibt.

Vier Meter langes Salty

Ausgangspunkt für Wildnistouren auf der Cobourg Peninsula ist entweder die "Cape Don Lodge" oder die "Wildernis Lodge Seven Spirit Bay". Beide liegen einsam im Gurig-Nationalpark, der den größten Teil von Cobourg umfasst. Buschflieger bringen die Gäste mit kleinen Maschinen von Darwin aus hierher. Straßen gibt es nicht, nur eine Piste.

Der Gurig-Nationalpark wurde 1974 als eines der ersten Gebiete weltweit in die sogenannte Ramsar-Liste aufgenommen. In dieser Liste sind schutzwürdige ökologische Feuchtgebiete von internationalem Rang verzeichnet. "Schaut, dort drüben", Ross zeigt auf einen langen dunklen Schatten, "das ist ein Salty" - ein Salzwasserkrokodil, das mindestens vier Meter misst, ruht bewegungslos auf dem Grund im etwa zwei Meter tiefen Wasser.

Jetzt wird auch klar, warum vor dem Baden gewarnt wird. Denn die simple Regel im Umgang mit den Salzwasserkrokodilen lautet: Man bleibe ihnen fern, campe nie am Ufer und stelle sich nie auf eine Sandbank am trüben Fluss, denn die Salzwasserkrokodile ziehen auch weit in die Flüsse hinein. Süßwasserkrokodile dagegen, die gleichfalls in den Flüssen zu Hause sind, gelten als relativ ungefährlich. Das Problem ist allerdings, ein "Salty" von einem "Freshy" zu unterscheiden - und zwar schnell genug.

Von Georg Alexander, gms