WM-Stadt Port Elizabeth Stadion mit Meerblick
Port Elizabeth: Das Stadion ist der Star
Masixole ist ein Fußballfan, wie er im Buche steht. Er kennt die Namen, Geburtsorte, Schwächen und Stärken aller Spieler des südafrikanischen Nationalteams, referiert aber aus dem Gedächtnis auch die entscheidenden Spielzüge der jüngsten Begegnung von Manchester United und FC Liverpool. Und er weiß genau, wo beim südafrikanischen Traditionsverein Kaizer Chiefs die Schwachpunkte sind. "Man muss den Willen zum Sieg haben", ist die Philosophie des 25-Jährigen.
Den vermisst er bei "Bafana Bafana", den "Jungs" der südafrikanischen Nationalmannschaft. "Denen geht es nur ums Geld. So kann das nichts werden. Da fehlt der Stolz auf unser Land", kritisiert er das Team, das bisher eher selten durch fußballerische Glanztaten aufgefallen ist. Masixole lebt in einem Armenviertel von Port Elizabeth. Er ist ein Grenzgänger. Denn jeden Morgen verlässt er die Welt der Elendshütten und taucht ein in eine Welt des schier grenzenlosen Luxus.
Er arbeitet im Shamwari Townhouse, einer Nobelherberge am anderen Ende der Stadt. Nur sechs Suiten hat dieses im Art-Déco-Stil erbaute Gästehaus. Die allerdings sind vom Feinsten. Es gibt sogar einen eigenen Kinosaal mit 14 bequemen Sesseln, der dem im Clarence House nachempfunden ist, der Londoner Residenz des britischen Thronfolgers Charles. Zum Hobie Beach sind es nur ein paar Schritte - ein Paradies für Schwimmer, Surfer, Sonnenhungrige, das mit der international begehrten Blauen Umweltflagge ausgezeichnet ist.
Lifting fürs Fußballfest
Vor vier Jahren wäre es kaum möglich gewesen, gefahrlos an einen der kilometerlangen, weißen Strände der Stadt zu gehen. Damals wirkte "PE" noch heruntergekommen, ungastlich, unsicher. Das hat sich geändert: Die Stadt macht den Eindruck, als habe sie gerade den großen Frühjahrsputz hinter sich, als habe sie sich liften lassen und ein neues Make-up aufgelegt.
Den Startschuss gab 2005 eine gemeinsame Initiative der Handelskammer und der Wirtschaft von Nelson-Mandela-Bay, wie die Großregion der Stadt zu Ehren der südafrikanischen Freiheitsikone heißt. Port Elizabeth sollte sein Schmuddel-Image loswerden. Das Ziel der "Service Excellence Campaign" hieß: Bis zur Fußball-WM 2010 müssen Port Elizabeth und die gesamte Region ein neues Gesicht bekommen.
In erster Linie ging es um Mitarbeiterschulung im Tourismusbereich, in den Einzelhandelsgeschäften, in der öffentlichen Verwaltung. Port Elizabeth sollte sich Besuchern freundlich, hilfsbereit und effizient präsentieren.
Zwai Mahlulo hat die Entwicklung von Anfang an mitverfolgt. Er arbeitet im "Port Elizabeth Youth Advisory Centre" mitten im historischen Zentrum der Stadt. Zu ihm können arbeitslose Jugendliche kommen, die einen Job suchen oder eine Geschäftsidee haben. "Die Jugendarbeitslosigkeit ist bei uns sehr hoch", sagt der junge Manager. "Aber die Fußball-WM bedeutet für unsere Stadt wirklich einen enormen Sprung nach vorne. Viele haben einen Job gefunden, viele haben ihre Chancen ergriffen. Unsere Region ist auf der internationalen Landkarte zum Begriff geworden", schwärmt er. "Wir haben eine der niedrigsten Kriminalitätsraten aller südafrikanischen Großstädte. Port Elizabeth ist zu einer Stadt geworden, auf die man wieder stolz sein kann."
Doch es ging der "Service Excellence Campaign" nicht nur darum, das Image der Stadt durch einen neuen Umgangston aufzupeppen. Auch die (wenigen) historischen Gebäude wurden restauriert und erstrahlen in neuem Glanz. Die 1885 erbaute Feather Market Hall ist heute ein Kongresszentrum, in dem sich Altes und Modernes perfekt verbinden.
Das Rathaus von 1858, das nach einem Brand 1977 originalgetreu wieder aufgebaut wurde, ist mittlerweile Nationaldenkmal. Der 53 Meter hohe Campanile am geschäftigen Hafen kann wieder gefahrlos bestiegen werden.
Südafrikas größtes Opernhaus
Immer einen Besuch lohnt auch das Donkin-Reserve. Dieser von Palmen umsäumte Platz ist so etwas wie der Nukleus von Port Elizabeth. Hier landete 1820 der Stadtgründer Rufane Donkin mit 4000 britischen Siedlern und errichtete die ersten Unterkünfte für die Neuankömmlinge. An der Stirnseite steht das Traditionshotel "The Edwards". Das nahe gelegene viktorianische Opernhaus ist das größte Südafrikas. Vom Leuchtturm aus geht der Blick weit über die Stadt, den Hafen bis zum neuen WM-Stadion.
Der Stadtgründer ließ im Donkin-Reserve eine Steinpyramide zu Ehren seiner früh verstorbenen Frau Elizabeth aufstellen. "Zum Angedenken an eines der wundervollsten menschlichen Wesen", ließ er auf den Sockel schreiben - mitten in dieser quirligen Großstadt ein anrührendes Zeugnis einer großen Liebe. Der neuen Stadt am Indischen Ozean gab Donkin dann auch den Namen der geliebten Frau, auch wenn viele seiner Zeitgenossen glaubten, er habe die Siedlung nach seiner Königin benannt.
Matilda arbeitet in der Touristeninformation im Donkin-Reserve. Die 40-Jährige ist in Port Elizabeths Vorstädten aufgewachsen - dort wo Volkswagen, General Motors, Ford sich angesiedelt und der Stadt zu ihrem Beinamen "Detroit Südafrikas" verholfen haben. Das war noch in einer Zeit, als Detroit noch Synonym für Wohlstand und Wachstum war.
"Big Seven" im Elefantenpark
Wie Zwai Mahlulo registriert auch Matilda mit Stolz die Veränderungen in ihrer Stadt: "Der Wandel ist überall spürbar. Hier tut sich immer was. Das spricht sich natürlich rum und es kommen immer mehr Touristen zu uns." Sie gibt zu, dass der Hauptanziehungspunkt nicht die Stadt, sondern der Addo-Elephant-Park ist, rund eine Autostunde von Port Elizabeth entfernt. Der soll zu einem Mega-Tierguckerparadies ausgebaut werden, in dem nicht nur die "Big Five" - Löwen, Elefanten, Nashörner, Büffel und Leoparden - zu sehen sind, sondern sogar die "Big Seven", nämlich auch noch Wale und der große Weiße Hai.
Doch Matilda wirbt voller Leidenschaft dafür, PE nicht zu vergessen. Touristen könnten sich bei einem Stadtrundgang "unsere Geschichte erobern", sagt sie - von der Landung der Briten 1820 bis zur Befreiung 1994. Aber auch das neue PE habe viel zu bieten: The Boardwalk beispielsweise. Dort wird "Shopping, Dining & Entertainment" für fast jeden Geschmack geboten, Kinos, Kasino, Karussells - und fast alles, was es an Fast-Food-Ketten auf dieser Erde gibt, rund um einen künstlichen See.
"Unsere größte Attraktion ist derzeit aber das WM-Stadion", sagt Matilda. "Es ist das erste Fußballstadion in der ganzen Region. Bisher fanden Fußballspiele bei uns immer in Rugby-Stadien statt." Port Elizabeth hat keinen Profi-Fußballverein. Dort kicken nur Amateurliga-Mannschaften. Das brandneue "Nelson Mandela Bay Stadion" soll dem Fußballsport der Stadt allerdings Aufschwung geben. Es liegt malerisch zwischen dem North End Lake und dem Indischen Ozean. Einen solchen Blick - der grün schillernde See auf der einen, der tief blaue Ozean auf der anderen Seite - hat kein anderes WM-Stadion im Kapstaat zu bieten. In der Vorrunde spielt hier Deutschland gegen Serbien.
Nur unter dem Settlers Freeway, einer vierspurigen Hochstraße, die am Hafen entlang und durch die Innenstadt führt, haben die kleinen indischen Händler überlebt, die früher das Bild der Stadt prägten. Hier haben sie noch ihre winzigen Lädchen und Werkstätten, in denen sie Bügeleisen reparieren, Heilkräuter verkaufen und frisches Obst und Gemüse vom Land anbieten.
"Manchmal ist es richtig brutal"
Schilder mit Namen wie "Moon-Café", "Al-Arafat Electric Wonderworld" oder "Ahmed's Butchery" prägen das Bild in diesem verschämt-versteckten Winkel von Port Elizabeth. Das ist eine andere Welt als die rund um das Rathaus oder im Nobelviertel Summerstrand. Masixole fühlt sich inzwischen in beiden Welten zu Hause. "Aber es ist manchmal schon richtig brutal, wenn ich abends zurückkomme in mein Township", sagt er.
Der Fußballfan muss jeden Tag 25 Rand (etwa 2,30 Euro) von seinem nicht gerade üppigen Lohn ausgeben, um mit einem Sammeltaxi aus dem Township zur Arbeit im Shamwari Townhouse und zurückzukommen. "Wenn die Benzinpreise steigen, steigen auch die Taxipreise", sagt er. "Aber wenn der Benzinpreis wieder sinkt, bleiben die Taxipreise so hoch, wie sie waren."
Er hofft auf das neue Schnellbussystem, das in Port Elizabeth bis zur Fußball-WM voll einsatzbereit sein soll. "Das wird sauberer, schneller, billiger und vor allem sicherer", sagt er. "Davon werden nicht nur die Fans, die zu uns kommen, sondern langfristig wir alle profitieren." Bequemer wird der Weg von der einen Welt der Stadt in die andere dann sicherlich. Aber nicht leichter.