Zauberhaftes Rajasthan: Paläste der Winde - DER SPIEGEL
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Zauberhaftes Rajasthan Paläste der Winde

Prachtbauten, Elefantenritte und kriegerischen Sagen - in der indische Region Rajasthan entfaltet sich der Zauber einer vergangenen Epoche. Früher herrschten hier Maharadschas, heute genießen Touristen den Luxus der Paläste.
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Jodpur - Einer Filmkulisse gleich erhebt sich die mächtige Festungsanlage über der alten Karawanenstadt Jodpur. Steil führt der Weg hinauf zum ersten Tor des Forts Meherangarh, zu Deutsch "das Majestätische". Gitter aus filigran gearbeitetem Sandstein, Wandmalereien und bunte Glasfenster zieren das Innere der großzügigen Burggemächer.

Die Burg in Rajasthan mit ihren hohen Mauern stammt aus dem 15. Jahrhundert. Sie ist eine von vielen Festungen in dem indischen Bundesstaat, der fast die Ausdehnung Deutschlands besitzt. In ihnen lässt sich der Zauber des Orients erleben, denn wie in Jodpur entfaltet sich im Inneren oft unerwartet die Pracht der Feudalherrscher einer längst vergangenen Epoche.

Fremdenführer Subhash Malik zeigt auf einen reich mit Gold verzierten Marmorsitz: "Das war der Krönungsstuhl der Herrscher von Jodpur", erläutert er. In einem anderen Raum steht eine Sänfte aus purem Gold, die von zwölf Männern getragen werden musste. Die gut bestückte Waffenkammer dagegen zeugt von der gar nicht friedlichen Vergangenheit Palastes.

Die einst 22 Fürstentümer im heutigen Rajasthan, die oftmals in blutigen Fehden miteinander konkurrierten, haben verschiedene historische Wurzeln. Erst nach der Unabhängigkeit Indiens 1947 wurden sie zu einem Bundesstaat zusammengeschlossen. "Die Herrscher, die Maharadschas, behielten aber bis 1974 ihre umfangreichen Privilegien, dann machte die Regierung sie zu Normalbürgern", berichtet Narendra Singh Rathore, ein lokaler Historiker.

Ehemalige Paläste als Luxushotels

Einige Maharadschas haben ihre Paläste in Luxushotels verwandelt. Dazu gehört das "Umaid Bhawan Palace" in Jodpur. Der erst etwas mehr als 60 Jahre alte, symmetrische Bau mit seiner 57 Meter hohen Kuppel gilt als einer der größten privaten Wohnsitze der Welt. Die Zimmer und Suiten sind im Art-Déco-Stil eingerichtet, das Personal trägt farbenprächtige Kleidung. Reisende müssen hier auf nichts verzichten, auch nicht auf den alkoholischen "Sundowner" im trockenen Indien.

Als Fassadenfarbe herrscht in Jodpur ein Indigoblau vor. Jaipur dagegen, die Hauptstadt Rajasthans, trägt den Beinamen "rosarote Stadt". Die Herrscher ließen ihre Gebäude wie den bekannten "Palast der Winde" in diesem farbigen Sandstein errichten, das Volk muss bis heute seine Häuser so streichen. In der befestigten Altstadt liegt der Maharadscha-Palast mit seinem steinernen Freiluft-Observatorium aus dem 18. Jahrhundert. "Der Besuch hier kann kurz sein. Interessanter ist die alte Hauptstadt Amber mit ihrem Palast und der Festung", sagt der örtliche Fremdenführer Vivendra Singh.

Von Jaipur führt die Straße durch gebirgiges Gelände, dann erhebt sich nach einer halben Stunde das mehr als 800 Jahre alte Amber in den strahlend blauen Himmel. Auf geschmückten Elefanten reiten Besucher bergauf. Hinter den Verteidigungsanlagen entfaltet sich die glanzvolle Kulisse des einstigen höfischen Lebens der Rajputen. Ihre Prachträume ließen sie mit Mosaiken, Fresken, Edelsteinen und Perlen schmücken.

Kriegerische Vergangenheit

Während in den Tourismuszentren Rajasthans schon etwas von der Moderne bemerkbar ist, verharren andere ehemalige Residenzstädte in der Vergangenheit wie das mächtige Fort Jaisalmer im Westen. "Dieser Vorposten in der Wüste Thar blickt auf eine bewegte kriegerische Geschichte", sagt der Kunsthandwerker Sundha Lakma und beginnt im Verkaufsgespräch aus alten Balladen zu zitieren, den wichtigsten historischen Quellen. Die Männer seien hier gefürchtete Raubritter gewesen und "Wilde Wölfe aus der Wüste" genannt worden, sagt er.

Auch die einst bedeutende Karawanenstadt Bikaner liegt abgeschieden in der Thar. Ein wichtiges Transportmittel sind nach wie vor Kamele. In der ausladenden Festung, erbaut im 16. Jahrhundert, stehen mehr als 30 Paläste und Tempel. Eine etwa 330 Kilometer lange Straße durch die Wüste verbindet Bikaner und Jaiselmer.

Für eine Entdeckungsreise durch Rajasthan bietet sich eine organisierte Busreise an. Komfortabler und unabhängiger aber ist die Fahrt mit einem Auto und Chauffeur. Auf den belebten Straßen, auf denen "Heilige Kühe" ruhen, Elefanten gemächlich ziehen, Kamele Lastkarren ziehen und Passanten nicht auf den Verkehr achten, sitzt man besser nicht selbst am Steuer. Realistisch ist, mit einem Tempo von 45 bis 50 km/h voranzukommen. Die reguläre Bahn als Transportmittel wäre nur für sehr robuste Typen eine Alternative.

Traumpalast in den Bergen

"Der Winter ist in Rajasthan die beste Reisezeit", sagt der Fahrer Mukesh Tikku. "In der Wüste sinkt die Temperatur nachts zwar auch unter Null, die Tage aber sind angenehm. Im Sommer kann es schon mal fast 50 Grad heiß werden, Fremde meiden dann das Gebiet." Um die wichtigsten Plätze dieses an Sehenswürdigkeiten überaus reichen Landes zu besuchen, sollte man mindestens zwei Wochen einplanen.

Im Gegensatz zu anderen abweisend wirkenden Fürstenresidenzen bietet das in den Aravalli-Bergen gelegene Udaipur dem Besucher einen reizvollen, romantischen Anblick: Mitten im Pichola-See liegt ein weißer Palast, der heute ein Luxushotel ist. Darüber erhebt sich im Festungsstil eine uneinnehmbar wirkende Stadt mit mehreren Palästen.

Von Horst Heinz Grimm, dpa

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