250 Jahre Wiener Prater: Vergnügungspark mit Zickzackkurs - DER SPIEGEL
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250 Jahre Wiener Prater: Vergnügungspark mit Zickzackkurs

250 Jahre Wiener Prater Alles dreht sich

Indoor-Achterbahn mit Lasershow, Dampflokomotive aus Vorkriegszeiten: Der Wiener Prater punktet mit einem Mix aus Hightechattraktionen und Nostalgieerlebnissen - und feiert nun seinen 250. Geburtstag.
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Ein bisschen Traditionelles ist geblieben, hier in Wien, im weltberühmten Prater. An Wochenenden fährt eine 80 Jahre alte Dampflokomotive lautstark ihre Runden und hinterlässt einen Geruch von Schmieröl und Kohlenfeuer. In der Geisterbahn erschrecken Mitarbeiter die Gäste zum Teil noch mit der Hand. Und auch die roten Kabinen des Riesenrads drehen sich seit fast 120 Jahren gemächlich im Kreis und bieten eine der besten Aussichten über die österreichische Hauptstadt.

Die vielen Attraktionen in Wiens berühmtem Vergnügungspark sind seit Generationen fest in der Hand einiger Familien. Lange vor Disneyland bescherten die Schausteller und Lokalbesitzer der Bevölkerung vergnügte Stunden. Aber neben Schießbuden und Gruselkabinetten hat der Prater im 250. Jahr seines Bestehens auch moderne Karussells zu bieten - und vor allem einige wetterfeste.

Zuletzt ging die erste Indoor-Achterbahn im Dunkeln in Betrieb - mit Lasershow beim Zickzackkurs. Und in Europas angeblich größtem vertikalen Windkanal werden Besucher mit 230 km/h in die Höhe katapultiert. Um die 146 Fahrgeschäfte der rund 80 Unternehmer wirtschaftlich fit zu halten, müsse heute mehr geboten werden als in vergangenen Zeiten, sagt Stefan Sittler-Koidl, Präsident des Praterverbandes. "Nur die Saison von April bis Oktober zu bespielen, reicht nicht mehr."

Dem 36-Jährigen ist klar, dass der Prater mit der Zeit gehen muss, um die jährlich rund vier Millionen Besucher zu erfreuen. Große Vergnügungsparks wie Disneyland haben vor allem in den Neunzigerjahren für Besucherschwund gesorgt. "Aber so schwerfällig hier alles ist, so beständig ist es auch", sagt Sittler-Koidl. In vierter Generationen betreibt seine Familie zahlreiche Fahrgeschäfte. Ein Leben ohne den Prater ist für den Geschäftsmann nicht vorstellbar. Nur wenige Meter ist sein Wohnhaus von seinem Blumenrad entfernt.

Doppelt so groß wie der Central Park

Der berühmte Wiener Charme wird hier gelebt. So lassen Betreiber ihre Kinder schon mal im Kinderautodrom von einem der beiden Prater-Pfarrer taufen. Der Park als Vergnügen für die ganze Familie - so lautet hier das Credo. "Bei uns können die Ungeborenen im Mutterleib ebenso mitfahren wie jene kurz vor dem Ableben", sagt Alexander Ruthner, der Betreiber der Liliputbahn. Die Fahrt sei ein 20-minütiger Kurzurlaub und ziehe auch Eisenbahnfans aus aller Welt an.

Begonnen hat alles vor 250 Jahren: Am 7. April 1766 gab Kaiser Joseph II. das Gebiet für die Öffentlichkeit frei. Bis dahin diente das Areal ausschließlich dem Monarchen und seinen adeligen Freunden zur Jagd. Die Weltausstellung 1873 brachte viele Neuerungen. Das Riesenrad wurde 1897 anlässlich des 50. Thronjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. errichtet. 1949 wurde es dann im Filmklassiker "Der dritte Mann" prominent in Szene gesetzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und einem großen Brand gab es die schwierige Zeit des Wiederaufbaus im Prater. Über sechs Quadratkilometer erstreckt sich dieser im zweiten Wiener Gemeindebezirk und ist damit doppelt so groß wie der Central Park in New York.

Dabei macht der Vergnügungspark, im Volksmund Wurstelprater genannt, nur einen kleinen Teil aus. In den Wäldern und Wiesen joggen Tausende Menschen. Das Ernst-Happel-Stadion zieht Fans zu Fußballspielen an. Von März bis Oktober herrscht Oktoberfeststimmung bei Bier und den vermeintlich besten Stelzen ("Schweinshaxe") der Stadt im Schweizerhaus.

Der Prater wurde zeitweise auch zum rauen Pflaster. Gewalt und Polizeieinsätze waren nicht selten. Prostituierte siedelten sich im Areal an - bis es zu einem Verbot kam. Auch das Glücksspiel wurde verbannt. Die größte Disco Österreichs zieht immer noch viele Nachtschwärmer an. Die neue Wirtschaftsuniversität am Gelände und teure Wohnviertel rundum sorgen für neue Schichten. Im Jahr 2016 will sich der Prater modern präsentieren - mit dem nostalgischen Hauch der Monarchie.

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Sandra Walder/dpa/jus