Architektur in Basel Gläserne Hochzeitstorte
Basel - Glasfassaden, weiße Zuckergussarchitektur und nüchterner Backstein - in den vergangenen Jahren erlebte Basel rund um den Bahnhof der französischen und Schweizer Eisenbahnen SNCF und SBB einen regelrechten Bauboom. Namhafte Architekten, darunter Richard Meier, der das Getty Center in Los Angeles entworfen hat, ließen hier ihrer Phantasie freien Lauf. Für Architektur-Interessierte lohnt ein Abstecher in das Gebiet südlich der mittelalterlichen Basler Innenstadt.
In den siebziger und achtziger Jahren rückte das Thema Architektur ins Interesse der Basler - beziehungsweise Basel ins Interesse von Architekten. "Der Kantonsbaumeister Carl Fingerhuth hat die Veränderungen maßgeblich ins Leben gerufen", sagt Dora Schärer, die für Basel Tourismus Reisegruppen zu den architektonischen Besonderheiten zwischen Birsigtal und Aeschenplatz führt. Fingerhuth entwarf einen Masterplan, nach dem Gebäude wie das Elsässer Tor gebaut wurden. Und die Bauwut der Basler ist noch nicht erschöpft.
In den kommenden Jahren soll das Gundeldinger Tor südlich des Bahnhofs nach den Plänen der Architekten Herzog und de Meuron gestaltet werden. "Die Architekten wollen die Fenstertypen des Quartiers in dem Entwurf aufnehmen", sagt Dora Schärer. Auf der anderen Seite der Gleise erregen die 2000 erbauten "liegenden Hochhäuser" aus Glas und Metall von Zwimpfer und Partner Aufsehen.
Elsässer Tor in Blau, Weiß und Rot
Direkt am Bahnhof entstand in den vergangenen Jahren das Elsässer Tor, ebenfalls geplant von Herzog und de Meuron. Ursprünglich sollte der Bahnhof vollkommen neu gestaltet werden. Dann fiel die Entscheidung für einen Glasbau als Kontrast neben dem Jugendstil-Gebäude. Das Elsässer Tor ist in den Farben der französischen Nationalflagge blau, weiß und rot gehalten. In den aneinander gesetzten Scheiben der Glasfassade nehmen die Spiegelbilder der umliegenden Gebäude kubistische Formen an.
Der nüchterne Backsteinbau des Architekturbüros Diener und Diener setzt einen Kontrast zu den spiegelnden Glasfassaden. "Pragmatisch, praktisch, gut", mögen sich die Planer gedacht haben und schufen das kompakte Gebäude mit 56.000 Quadratmeter Nutzfläche. Die einfache Fassade wird nur durch einen etwa zehn Meter breiten Wasserfall durchbrochen, der sich aus dem Mauerwerk ergießt. Hinter den Backsteinmauern verbergen sich grüne Innenhöfe.
Dagegen ist das von Richard Meier entworfene Geschäftshaus aus dem Jahr 1998 auf der anderen Straßenseite "fast überdekoriert", sagt Dora Schärer. Die Fassade aus weiß lackiertem Metall wirkt mit ihren Glasblenden, vorgehängten Rahmen und Lamellen wie eine Hochzeitstorte. "Konditoreiarchitektur" heißt es in Architekturkreisen", sagt Dora Schärer.
Umgekehrte Treppe und Schießscharten
Etwas weiter in Richtung Rhein hat der Tessiner Architekt Mario Botta das Gebäude der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) entworfen. Der Einfluss italienischer Kathedralen findet sich deutlich in den Entwürfen. Das gestreifte BIZ-Gebäude am Aeschenplatz ist in grauem und hellem Marmor gehalten. Auffälliges Element der Fassade ist ein Vorsprung, der aussieht wie eine umgekehrte Treppe. Die kleinen Fenster wirken wie Schießscharten. 150 Millionen Schweizer Franken (rund 96 Millionen Euro) kostete das Projekt, sagt Dora Schärer. "Und das für nur 150 Mitarbeiter."
Von Annika Graf, gms