Basel Weltstadt im Taschenformat
Der Barfüsserplatz in Basel: Das Herz der Stadt mit Kneipen und Bars
Foto: GMSBasel - Basel will Metropole sein. Immerhin steht in der traditionsreiche Stadt das höchste Gebäude der Schweiz, der 105 Meter hohen Messeturm. Was die einen gar zum Vergleich mit New York animiert, bereitet anderen Verdruss. Denn eigentlich mögen es die Basler überschaubar und bescheiden. Dennoch ist die Stadt in gewisser Weise Weltstadt, wenn auch im Taschenformat. Wer internationale Kunst und Lebensart eingebettet in Geschichte entspannt genießen will, ist in Basel richtig.
In der kleinen Großstadt, die sich mitten in Europa versteckt, geht es gemütlich zu. Alles ist zu Fuß oder mit der "Drämmli", so nennen die Basler ihre Straßenbahn, zu erreichen. In den Gassen der Altstadt zwischen dem Spalentor und dem mittelalterlichen Münster zieht die mehr als 2000-jährige Geschichte von "Basilia", wie die Römer den Ort nannten, vorbei. Namen wie Aeneas Silvius Piccolomini, der spätere Papst Pius II., Erasmus von Rotterdam, Hans Holbein, Paracelsus, Matthäus Merian und viele andere europäische Kultur- und Geistesgrößen nehmen hier Gestalt an.
Auf dem Münsterberg thronen die alten Palais, in denen im Jahr 1460 die erste Universität der Schweiz gegründet wurde. Auf dem gepflasterten Münsterplatz liegt die gesamte Schweiz steinern zu Füßen. Verarbeitet wurde, was der Rhein von seiner Quelle am Gotthard über den Bergsturz bei Flims durch den Bodensee an Geröll mitbrachte. Hier begann mit einer keltischen Siedlung die Geschichte Basels. Heute treffen sich Boulespieler auf dem Platz.
Das hoch über dem Rhein thronende Münster mit seinen bis zu 67 Meter hohen Türmen sollte laut einer alten Stadtverordnung die höchste Erhebung Basels bleiben. Aber seit 2003 macht ihm auf der anderen Rheinseite der Messeturm Konkurrenz. "Wir haben ähnliche Probleme wie New York. Wir haben wenig Platz und müssen in die Höhe gehen", rechtfertigt ein Basler die Skyline.
Den Fürstbischof fortgejagt
In der Reformation jagten die selbstbewussten Basler Bürger den Fürstbischof aus seinem Palais. Geblieben ist der Bischofsstab im Stadtwappen. Sichtbare Demonstration des bürgerlichen Machtanspruchs ist das imposante Rathaus aus dem 16. Jahrhundert mit seinen bunten Ziegeln und dem Anstrich aus Ochsenblut, der Sandstein vorgaukeln sollte.
Protestanten aus Frankreich und Italien flohen ins reformierte Basel und legten den Grundstein für einen Jahrhunderte anhaltenden Wohlstand: die Seidenbandweberei. Aus den Farben für die Schmuckbänder entstand die chemische Industrie. Hier machten die Familien der gehobenen Gesellschaft - der Basler "Daig" - ihr Vermögen und legten es in Kunst an.
Am Rheinknie wird schon seit der Renaissance Kunst gesammelt. So geht das Kunstmuseum am St. Alban-Graben auf die Sammlung des Gelehrten Basileus Amerbach zurück, die die Stadt 1661 kaufte. Sie war der Grundstein für die erste öffentlich ausgestellte bürgerliche Sammlung, lange bevor in Europa fürstliche Kunstschätze zugänglich gemacht wurden. Das Museum besitzt unter anderem die größte Sammlung der Welt von Arbeiten der Holbein-Familie.
Architektonische Kontraste in der Altstadt
Heute setzen moderne Bauten renommierter internationaler Architekten an vielen Stellen Kontraste zu den ehrwürdigen Gebäuden der Altstadt. Einer der Vorzeigebauten ist der wehrhafte Steinbau des Tessiner Stararchitekten Mario Botta am rechten Rheinufer, in dem die Maschinen des surrealistischen Eisenplastikers Jean Tinguely ausgestellt sind. In diesem Museum rattert, quietscht, kracht und pufft es - ein vergnüglicher Ort, auch wenn die Werke des in Basel aufgewachsenen Künstlers bisweilen Abgründiges erahnen lassen.
Doch nirgendwo lässt sich mit Kunst so gut die Zeit verbringen wie in der Fondation Beyeler im Nachbardorf Riehen. Das vom italienischen Architekten Renzo Piano erbaute Museum fügt sich zurückhaltend mit nur einem Stockwerk in einen englischen Landschaftspark ein. Durch das gläserne Dach fällt das Tageslicht auf die Bilder der bedeutendsten Maler der klassischen Moderne. Hier sind Werke von Monet und Cézanne, Picasso, Giacometti und Mondrian sowie von den Amerikanern Frank Stella, Mark Rothko und Anselm Kiefer zu sehen. Die Fondation Beyeler ist das Resultat der fast 50-jährigen Sammlertätigkeit des Galeristen Ernst Beyeler, der seinen rund 200 Bildern mit dem 1997 eröffneten Museum ein Zuhause gab.
Aber auch das gibt es in Basel, das sich rühmt knapp 40 Museen zu haben: Im 2003 erbauten Schaulager im Dreispitz-Areal an der städtischen Peripherie lagert zeitgenössische Kunst im Gewerbegebiet. Die nicht ausgestellten Werke der Emanuel Hoffmann-Stiftung werden in dem Gebäude, das im Inneren an eine Tiefgarage erinnert, nicht einfach in Kisten weggepackt. Die Installationen bleiben für ein Fachpublikum zugänglich. Im Sommer öffnet das Schaulager mit Sonderausstellungen dann allen seine Pforten.
Steinfüße für die altersschwache Holzbrücke
Die Straßenbahn rattert über die Mittlere Rheinbrücke. Erstmals um 1225 erbaut, wurde die altersschwache Holzbrücke der schweren Tram zuliebe bis 1905 auf steinerne Füße gestellt. Seit jeher hat der Fluss das Stadtbild geprägt. Früher befestigten die Baseler das Ufer gegen mögliche Feinde. Erst im 19. Jahrhundert öffnete sich die Stadt dem Strom, schleifte die Stadtmauern und legte Rheinpromenaden an. Badeanstalten, Fährbetriebe und drei weitere Brücken entstanden.
Basel hat schon früh mit Wasserreichtum geglänzt. "Wer Basels Brunnen zählen wollte, müsste gleich auch seine Häuser zählen", schrieb Piccolomini während des Basler Konzils Mitte des 15. Jahrhunderts. Mit mehr als 170 öffentlichen Wasserspendern ist Basel noch immer eine Brunnenstadt. Eines der schönsten Beispiele ist der Fasnachts-Brunnen am Theaterplatz von Jean Tinguely. Seit 1977 klappern, blubbern und quietschen hier die rotierenden Figuren aus wiederverwerteten Eisenteilen des ehemaligen Stadttheaters.
Beim Bummel durch die Altstadt um Spalen-, Heu- und Nadelberg mit den liebevoll restaurierten Häusern aus vergangenen Jahrhunderten geht es bergauf. Denn das alte Basel liegt auf zwei Hügeln, zwischen denen ein mittlerweile kanalisierter Bach fließt: der Birsig. In der Talsohle entlang der Gerbergasse ließen sich die Handwerker nieder, der Adel wohnte auf dem Münsterberg und auf dem Westplateau bis zum Leonhardsgraben.
Die Plakate einer Billigfluglinie werben für günstige Flüge nach Berlin: "Weil hier abends nichts los ist". Doch es gibt ein Nachtleben in Basel. Am Barfüsserplatz, dem turbulenten Herzstück der Stadt, etwa gibt es jede Menge Bars und Clubs. Seinen Charme präsentiert Basel nicht zuletzt am Rheinhafen mit dem Dreiländereck. Ein aufstrebender Pfeiler markiert das Aufeinandertreffen dreier Nationen: Deutschland, Frankreich, Schweiz. Es ist ein Ort, an dem sich die Basler durch die vorbeiziehenden Schiffe mit aller Welt verbunden fühlen.
Heidemarie Pütz, gms