Berliner Boulevard Facelift für den Kudamm
Berlin - Auch Karl Lagerfeld hat Interesse. Der Modezar werde voraussichtlich bald eine Filiale am Kudamm eröffnen, sagt Boris Kupsch, der die Entwicklung des über 100 Jahre alten Boulevards als Geschäftsführer des Internetportals www.kurfuerstendamm.de genau im Blick hat. Gemunkelt werde auch, dass sich Star-Designer Giorgio Armani am Kudamm nach einem geeigneten Geschäft umsehe.
Der Run auf Berlins erfolgreiche Einkaufsstraße hatte Ende der neunziger Jahre nachgelassen, räumt Kupsch ein. Damals schwächelte der Kudamm etwas, da viele Händler die Friedrichstraße für sich entdeckten. Dort siedelten sich zahlreiche internationale Nobelmarken an. Überhaupt sei so etwas wie ein "Hype auf die neue Mitte Berlins" zu beobachten gewesen, erinnert sich Kupsch. Seit zwei Jahren habe sich das aber wieder gewandelt. Das bestätigt auch die Berlin Tourismus Marketing GmbH. "Der Kurfürstendamm hat seine Attraktivität wiedergewonnen", sagt BTM-Sprecherin Natascha Kompatzki.
Berlin vertrage ohne weiteres zwei noble Geschäftsstraßen, ist sich auch Boris Kupschs Vater, Gottfried Kupsch von der AG City sicher. Die sich selbst finanzierende Arbeitsgemeinschaft ist einer der größten Interessenvertretungen des Einzelhandels. Dass es nicht mehr so viele Kaffeehäuser wie einst gebe, sei dem allgemeinen Wandel geschuldet, meint Gottfried Kupsch. Heute hätten nicht mehr alle Zeit, stundenlang im Café zu sitzen. Schnelle Coffee-Shops seien angesagt. Allerdings bedauert er dennoch, dass das Kranzler in seiner traditionellen Form verschwunden ist.
Fünf Millionen für die Umgestaltung
Dieses Wahrzeichen soll jetzt wieder belebt werden, kündigt der Direktor des Kempinski Hotel Bristol, Uwe Klaus, an. In dem legendären Fünf-Sterne-Haus am Kürfürstendamm/Ecke Fasanenstraße wird das bei Touristen und Berlinern gleichermaßen beliebte Kempinski-Eck umgebaut. Bereits im März werden die Besucher dort auf zwei Etagen mit einer grandiosen Aussicht auf den Kudamm tafeln können - wie einst im Kranzler, das ursprünglich auch Kempinski gehörte. Die ersten Stammgäste reservierten bereits - insbesondere für die dann vorhandene Terrasse im ersten Stock. Dort kann ab 1. März bereits um 6.30 Uhr gefrühstückt werden.
Zuvor wird Klaus zufolge der gesamte Vorbau abgetragen. Der neue Gebäudeteil werde in seiner Rundung der bestehenden Fassade noch harmonischer angepasst. Dabei rage er jedoch nicht weiter als bisher auf den breiten Bürgersteig. Erweitert werde das Kempinski-Eck vielmehr nach innen. Durch die Verglasung der beiden Etagen, die ebenfalls wie im Kranzler mit einer Rundtreppe verbunden sein werden, sei das Restaurant später lichtdurchflutet wie ein Wintergarten. Statt der bislang 85 Gäste finden dann 170 dort Platz.
Bei der fünf Millionen Euro teuren Umgestaltung, in die auch die Bankett-Etage einbezogen wird, bleibt das 1952 eröffnete Hotel seinem Stil treu. Edle Mahagonihölzer und opulente Stoffe werden mit warmen Farben kombiniert, verspricht der Hoteldirektor. Modernes, kühles Design werde es nicht geben. Auch auf die für das Kempinski-Eck typischen regionalen Gerichte können sich die Gäste freuen. "Wir erfinden uns nicht neu." Erfolgreiche Konzepte sollte man nie wechseln, heißt Klaus' Credo. "Schließlich sind wir an einer der besten Adressen." Die Marken-Dichte auf dem Kudamm habe Weltniveau. Berlins berühmteste 3,5 Kilometer lange Einkaufsmeile ist eben auch ein teures Pflaster.
Marion Schierz, ddp