Buga München 2005 Auf Mäusepfaden durch Wiesendschungel
München - Rosen, Tulpen und seltene Bäume zu zeigen reicht längst nicht mehr aus, um Millionen von Besuchern zu einer Bundesgartenschau (Buga) zu locken. "Natur erleben statt betrachten" ist deshalb das Motto, unter dem sich die Buga 2005 in München als Erlebnis für die ganze Familie präsentiert. Doch erlebt werden kann nicht nur innerhalb des Landschaftsparks auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Riem im Münchner Osten eine ganze Menge: Auch vor den Toren der Buga hat München in diesem Sommer viel zu bieten.
"Wir bedienen natürlich auch die klassischen Erwartungen an eine Gartenschau mit Blumenbeeten und Staudengärten", sagt Buga-Sprecher Max-Joseph Kronenbitter. "Aber dazu kommen viele andere, moderne Elemente, die es so noch nicht gegeben hat - innerhalb und außerhalb des Buga-Zaunes."
Der Landschaftspark selbst hat sich vom 28. April bis 9. Oktober das Thema "Perspektivenwechsel" auf die Fahnen geschrieben. Besucher sollen die Natur einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel sehen: Im "Zellengarten" erklimmen sie überdimensionale Maulwurfshügel, nehmen die Perspektive eines Vogeljungen ein oder wandern auf Mäusepfaden durch einen Wiesendschungel. Auch der extra aufgeschüttete Rodelberg oder die knapp drei Kilometer lange Seilbahn sollen neue Sichtweisen auf das 130 Hektar große Ausstellungsgelände ermöglichen.
Außerdem sollen ein Badesee, eine Skaterbahn, Spielplätze sowie Jugend- und Kinderveranstaltungen vor allem junge Besucher zur Buga locken - und dabei auch für einen Imagewechsel sorgen. Denn mit dem angestaubten Ruf der Gartenschau als "Rentner-Flaniermeile" soll es vorbei sein. "Wir sprechen alle an", beteuert Kronenbitter: "die Kinder, ihre Eltern und die Großeltern."
Doch das "Erlebnis Buga 2005" muss nicht an der Geländegrenze enden. Bei der Orientierung helfen kann der Stadtplan "Natürlich München": Auf ihm sind "Großstadtoasen" wie der Englische Garten, der Renaissance-Park "Hofgarten", der Westpark, der 1983 Schauplatz einer Internationalen Gartenbauausstellung war, der Nymphenburger Schlosspark und der Botanische Garten verzeichnet. Außerdem gibt es Tipps, mit welchen öffentlichen Verkehrsmitteln die Anlagen zu erreichen sind und wo man Führungen zu Fuß oder per Rad buchen kann.
Überhaupt bietet das Fahrrad viele Möglichkeiten, sich das Umland der bayerischen Millionenstadt zu erschließen. Unter dem Motto " Buga in der Region" führt ein 170 Kilometer langer "Radlring" rund um München, der Kulturschätze wie barocke Kirchen, das Buchheim-Museum am Starnberger See oder das Schleißheimer Schloss mit seinem historischen Kanalsystem aneinander reiht. Erfrischung für die müden Waden garantieren die vielen Badeseen und Bäche entlang der Radwege, der Durst kann in zahlreichen Biergärten gelöscht werden.
Auch die Münchner Innenstadt lockt in diesem Sommer mit mehr als dem üblichen Touristenprogramm. "Die Buga wird in der ganzen Stadt zu spüren sein", sagt Kronenbitter. Dazu wurde zusammen mit Theatern, Orchestern und Museen das Konzept des "Kultursommers" erarbeitet. Fast täglich finden Konzerte, Aufführungen oder Ausstellungen statt, auf dem Buga-Gelände wie in der Innenstadt. "Ein Beispiel dafür ist die interdisziplinäre Wasserausstellung in der Hypo-Kunsthalle. Hier werden von Juni bis August 70 Gemälde aus verschiedenen Epochen gezeigt, die sich alle dem Natur- und Lebenselement Wasser widmen."
Auch für Architekturfans lohnt sich ein Ausflug in die Buga-Stadt. Mit dem restaurierten Museum "Villa Stuck" ist gerade ein Juwel des Jugendstils wieder eröffnet worden. Vom Juli an lädt "Die Schranne", eine historische Markthalle aus einer Eisen-Glas-Konstruktion am Rand des Viktualienmarktes, zum Bummel zwischen Kunsthandwerkern und Gastronomie ein - rund um die Uhr. Auch Freunde moderner Architektur kommen auf ihre Kosten. Im Münchner Norden steht die "Allianz Arena", eines der modernsten Fußballstadien Deutschlands. Sie öffnet ihre Tore Ende Juni für Besichtigungen.
Ein weiterer Höhepunkt gegenwärtiger Baukunst ist die Messestadt Riem. Das Viertel ist nach der Flughafenschließung 1992 komplett auf dem Reißbrett entstanden und versucht, Wohnen, Arbeiten und Freizeit optimal zu verknüpfen. Gewohnt wird in zum Teil unkonventionellen, Gebäuden, gearbeitet auf der neuen Messe oder im Einkaufszentrum "Riem-Arkaden", und für die Freizeit steht der Landschaftspark zur Verfügung, der 2005 die Buga beherbergt. Dort wieder angekommen, kann man sich im Schatten der Bäume auf einer üppigen Blumenwiese von seinem anstrengenden und aufregenden München-Erlebnis erholen.
Von Melanie Brandl, gms