Copacabana Palace Am mondänen Ende der Welt
Innerhalb von wenigen Jahren nach seiner Eröffnung 1923 wurde das "Copa" - wie die Einwohner von Rio das Hotel liebevoll nennen - zum Traumziel des internationalen Jet-Sets und zu einer brasilianischen Institution. Zunächst habe die Elite Rios den engen und schwülen Norden der Stadt fluchtartig verlassen und sich an den einst verpönten Stränden niedergelassen, erzählt der Journalist Ricardo Boechat, der ein Buch über die Geschichte des Hotels geschrieben hat. 1933 habe dann Hollywood für den Film "Flying Down to Rio" das "Copa" als Schauplatz ausgewählt. Dort sollen Fred Astaire und Ginger Rogers auch zum ersten Mal zusammen getanzt haben.
Erbaut wurde das Luxushotel, weil der damalige Staatspräsident Epitacio Pessoa eine Luxusunterkunft wollte, um seinen Staatsgästen zu imponieren. Deshalb gab der mit ihm befreundete Hotelier und Millionär Otavio Guinle dem französischen Architekten Joseph Gire den Bauauftrag. Die klassischen, nüchtern-eleganten Linien der weißen Fassade des Palace blieben auch nach einer umfassenden Modernisierung Mitte der neunziger Jahre erhalten. Im Inneren wird der Gast von großen Sälen mit viel Mahagoni, italienischem Marmor, exquisitem Blumenschmuck und Kristallleuchtern aus Böhmen empfangen.
Luxus ist in allen 226 Zimmern selbstverständlich. Die Ausstattung reicht von schalldichten Fenstern und Wänden, die in unmittelbarer Nähe der Tag und Nacht pulsierenden Avenida Atlantica ein Muss sind, über CD-Player und Videorecorder bis hin zu Kunstwerken, exotischen Teppichen und französischen Textilien. Den noch höher gesteckten Ansprüchen werden die 26 Appartements und Suiten im "Executive Floor" im fünften Stock gerecht. In der sechsten Etage findet sich die Präsidenten-Suite mit privatem Swimmingpool auf dem Balkon.
Aber nicht nur das Auge, auch der Gaumen kommt im "Copa" auf seine Kosten. Ziemlich teuer, aber dafür exquisit kann im "Cipriani" mit Blick auf den Swimmingpool gespeist werden. Chefkoch Francesco Carfi wurde eigens vom Hotel Cipriani in Venedig "importiert". Lockerer kann der Gast im Pergula-Restaurant zwischen Swimmingpool und Strandpromenade essen und dabei auf den Strand, das Meer und die Guanabara-Bucht blicken.
Das Hotel bietet eine breite Palette an Freizeitmöglichkeiten an: Neben Tennis- oder Golfstunden und Saunagängen können auch Schiffe gemietet oder Besuche in den Favelas, den Slum-Gebieten Rios, gebucht werden. Seit 1993 findet ein legendärer Karnevalball statt. Für ein Fünf-Nächte-Paket während des Karnevals müssen jedoch zwischen 5000 und 9000 Euro (9750 bis 17.550 Mark) gezahlt werden. "Wir ruhen uns nicht auf unseren Lorbeeren aus", versichert Direktor Philip Carruthers und verweist dabei auf die vom Hotelgründer Guinle eingeführte Tradition, dass die Uniformen der Angestellten häufig vom Chef persönlich "bis hin zum kleinsten Knopf" begutachtet werden.
Heute ist das "Copa" auch in wirtschaftlicher Hinsicht ein erfolgreich geführtes Haus. Dem war nicht immer so. Ein Großbrand und der Niedergang der Guinle-Familie trieben das Haus in den siebziger Jahren in eine Krise. In den achtziger Jahren, als in Rio zahlreiche Luxushotels gebaut wurden und die Konkurrenz zunahm, wurde sogar zwei Mal der Abriss in Erwägung gezogen. Die Rettung kam mit dem Verkauf an die Orient-Express-Kette.
Im Gästebuch des "Copa" fehlt kaum ein bedeutender Name der Show-, Politik- und Sportgeschichte. Prinz Charles und Lady Di haben sich dort eingetragen, ebenso Thomas Mann, Orson Wells, Arturo Toscanini, Ava Gardner, Großbritanniens Königin Elizabeth II. und Mick Jagger. Auch Walt Disney, John Wayne, Bill Clinton, Claudia Schiffer und Helmut Kohl haben bereits im Copacabana Palace Nächte verbracht.