Córdoba: Die Mischung macht's - DER SPIEGEL
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Córdoba Die Mischung macht's

Die Stadt im Herzen Andalusiens hat eine glorreiche Vergangenheit: Im Córdoba des 10. Jahrhunderts blühten Handwerk, Künste, Wissenschaften, und die herrschenden Muslime lebten mit Juden und Christen zumeist in Eintracht. Symbol für die Vielfalt der Religionen ist die Mezquita, die Moschee-Kathedrale am Guadalquivir.
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Córdoba - Nur von der Römischen Brücke über den Guadalquivir aus gesehen zeigt die Stadt Córdoba ihr eindrucksvolles Panorama. Mächtig erhebt sich die Kathedrale, die ihre Pracht erst im Inneren offenbart. Der englische Schriftsteller Gerald Brenan (1894 bis 1987) beschrieb sie als "das schönste und originellste Bauwerk ganz Spaniens". Der schlicht wirkende Säulenwald der einstigen Moschee verbindet sich nahtlos mit dem prächtigen christlichen Gotteshaus. Diese einzigartige architektonische Kombination gehört längst zum Weltkulturerbe.

Eine Besichtigung der Stadt im Herzen Andalusiens steht auf dem Standardprogramm der Tourenveranstalter. Meist kommen die Busse am späten Vormittag und fahren ein paar Stunden später wieder ab. "Nutzen Sie die Stunden vor und nach dem Besucherstrom, dann offenbart sich das Herz Córdobas", rät Fremdenführer Fernando Vega. Dazu sollte man in der Stadt übernachten, Hotels gibt es genügend.

Gut 300.000 Menschen leben in der Stadt an der Bahnstrecke zwischen Madrid und Sevilla, auf der die Hochgeschwindigkeitszüge AVE verkehren. In ihrer Blütezeit, im 10. und 11. Jahrhundert, soll sie fast eine halbe Million Einwohner gezählt haben. "In der Bedeutung konkurrierte Córdoba mit Konstantinopel und Damaskus, verfügte über ein Leitungswassersystem, eine angesehene Universität und wirtschaftlichen Wohlstand", erläutert Vega. "Es war die Hauptstadt von al-Andalus, des maurischen Spaniens, und Sitz eines Kalifen."

Kathedrale im Säulenwald

Schon die Phönizier, Karthager und Römer siedelten in Córdoba. Aus römischer Zeit stammt die den Guadalquivir in 16 Bogen überspannende Brücke, über die jeder Besucher gehen sollte. Am anderen Ende befindet sich im Calahorra-Turm, einer mittelalterlichen Befestigungsanlage, das Museum der drei Kulturen. Es gibt Einblicke in das lange Zeit friedliche Zusammenleben von Christen, Juden und Moslems in diesem Teil Europas. Die aus Nordafrika stammenden Mauren hatten 711 das Gebiet erobert. 1236 vertrieb Fernando III. von Kastilien, der Heilige genannt, die unter sich zerstrittenen Moslems aus Córdoba.

Die einst größte und prächtigste Moschee in Europa, die etwa 30.000 Gläubigen Platz zum Gebet bot, wurde von den neuen Herrschern umgehend zur christlichen Kathedrale geweiht. Fast 300 Jahre begnügte sich der Klerus mit kleineren Veränderungen, die Stadtväter wollten den Bau so behalten wie er war. "Erst Bischof Alonso Manrique erreichte im Jahr 1523 bei Kaiser Karl V. die Genehmigung, mitten in die Anlage ein Kirchenschiff setzen zu lassen", erklärt Antonio Fernández, ein pensionierter Geschichtslehrer. "Die Arbeiten dauerten dann mehr als 230 Jahre, die verschiedenen Baustile sind deutlich erkennbar."

Eine weitere Besonderheit: Das Minarett, von dem zu islamischer Zeit ein Muezzin die Gläubigen zum Gebet rief, ließen die christlichen Bauherren ummanteln und in einen Glockenturm verwandeln. In Gehweite der Kathedrale, die vielfach nur Mezquita (Moschee) genannt wird, erhebt sich der Alcázar, der Palast der christlichen Könige, mit seinen prächtigen Gärten. Alfonso XI. ließ ihn von 1328 an auf den Mauern des Kalifenpalastes errichten.

Auch seine Nachfolger residierten hier bis zur Eroberung Granadas, der letzten maurischen Bastion auf spanischem Boden im Jahr 1492. "Im Thronsaal trug Christoph Kolumbus den Herrschern Isabella und Ferdinand seine Pläne vor, den Seeweg nach Indien westwärts zu suchen", erzählt Fernández. "In dem Palast wurde nach dem Fall Granadas der letzte Maurenfürst Boabdil gefangen gehalten." Später diente das Gebäude als Sitz der Inquisition.

Gazpacho in der Judería

Wenn die Touristenbusse von den Parkplätzen verschwunden sind, kehrt in der Altstadt Córdobas eine beschauliche Stille ein. Dann lädt besonders die Judería, das alte jüdische Stadtviertel mit seinen engen Gassen und mit Blumen geschmückten Innenhöfen, zu einem Bummel ein. Ein Denkmal erinnert an den bedeutenden jüdischen Philosophen und Gelehrten Moses Maimonides (1135 bis 1204), der hier zur Welt kam und später Rabbiner von Kairo und Leibarzt des Jerusalem-Eroberers Sultan Saladin wurde. Auch die Synagoge aus dem 14. Jahrhundert kann man besichtigen.

Die Ausdehnung der historischen Stadt lässt sich an den Überresten der ehemaligen Befestigungsanlagen erahnen, von denen einige Teile erhalten blieben. Wem die Wege zu weit sind, kann eine der Pferdedroschken mieten, deren Kutscher vor der Mezquita auf Kunden warten. Der Preis richtet sich nach Dauer der Fahrt und nach Verhandlungsgeschick. Eine Tour sollte auf jeden Fall zur monumentalen Plaza de la Corredera führen.

Auf diesem von mehrgeschossigen Gebäuden umgebenen Platz mit Arkaden fanden im 17. Jahrhundert Stierkämpfe statt. In den großen Renaissancepalästen Córdobas sind heute Museen untergebracht. Wer von den touristischen Trampelpfaden abweicht, muss feststellen, dass so manches historische Gebäude dringend einer Renovierung bedarf. "Der Stadt fehlt Geld", sagt Fernández resigniert.

Córdoba lebt von den Touristen, die zu Tagesbesuchen hier erscheinen, sowie vom Handel mit Zitrusfrüchten und Olivenprodukten. Entlang des Guadalquivir erstrecken sich Olivenhaine. Verständlich, dass kaum ein Gericht ohne Öl aus diesen Früchten zubereitet wird. Schmackhaft an heißen Tagen ist die traditionelle kalt servierte "gazpacho". Kräftiger sind geschmorter Stierschwanz (rabo de toro) oder Lammbraten mit Honig (cordero a la miel). Den kleinen Hunger zwischendurch stillt man am besten in einer der vielen Tapas-Bars der Judería. Nicht zu vergessen sind die speziellen Weine der Region, darunter den sherryähnlichen Montilla.

Von Horst Heinz Grimm, gms