Cornwall: Grüne Damen und weiße Kittel - DER SPIEGEL
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Cornwall Grüne Damen und weiße Kittel

Lieben Sie Rosamunde Pilchers Bücher, gar die Verfilmungen? Dann sind Sie in der lieblichen Grafschaft Cornwall richtig. Und auch die dunkel-schweigsamen Geisterschlösser Südenglands locken die Besucher.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es riecht nach feuchtem Gras, das nahe Meer rauscht. Kleine Bauernhöfe ducken sich in die Wiesen, die von grauen Steinwällen durchzogen sind. Über den Himmel jagen düstere Wolken so tief, dass sie die Hügel zu berühren scheinen. Dann leuchtet ein Flecken Blau auf, Sonnenstrahlen tauchen die Szenerie in ein glitzerndes Licht. Ein typischer Tag im Spätherbst in der Grafschaft Cornwall im Südwesten Englands. Der Golfstrom sorgt dort ganzjährig für ein mildes Klima, in den Gärten gedeihen Feigenbäume und Palmen.

Cornwall war ein keltisches Land, wovon noch so mancher Friedhof und viele Steinzeichen zeugen. Geschichtliche Bande verknüpfen die Menschen von Cornwall mit den Bretonen in Frankreich, den Basken in Spanien sowie den Walisern und Iren - nicht aber mit den Engländern.

Die Region bietet zu jeder Jahreszeit eine Szenerie wie aus dem Film, deshalb tummeln sich hier Drehteams aus ganz Europa. Dem deutschen Zuschauer ist die Landschaft aus den Verfilmungen der Romane von Rosamunde Pilcher vertraut.

Schauplatz der jüngsten Verfilmung "Das Puppenhaus" ist der Herrensitz Tapeley Park vor den Toren von Barnstaple in North Devon. Besitzer Hector Christie - Herr über zwei Golfplätze, weites Farmland und einen Privatstrand - hat sich aus den Wohngemächern für die Dreharbeiten in den zweiten Stock seines Anwesens zurückgezogen.

Wie der 35-jährige Christie stellt auch Peter Prideaux-Brune sein Familienschloss Prideaux Place bei Padstow für Dreharbeiten zur Verfügung. Hier wurden "Heimkehr", "Ende eines Sommers" und "Sommer am Meer" gedreht. "Manche Leute hassen Dreharbeiten in ihrem Zuhause", sagt Prideaux-Brune, "ich aber liebe sie."

Viele private Schlösser in Cornwall und Devon sind für Besucher geöffnet, und zwar nicht nur die von der Natur- und Denkmalschutzorganisation National Trust und dem "English Heritage" unterhaltenen Burgen, Herrenhäuser und Schlösser. Der Unterhalt der Anwesen kostet immense Summen, Eintrittsgelder sind daher willkommen. Die Anwesen sind oft viele hundert Jahre alt und ihre Besitzer ein Quell für verbürgte, aber auch für Geister-Geschichten.

In Prideaux Place etwa schweben die "Grüne Dame" und ein Küchenjunge durch die Gänge. "Er hat einen weißen Kittel an und sagt jedes Mal 'Hallo' zu mir", erzählt Prideaux-Brune und macht dabei ein ernstes Gesicht.

Auch die weite Fläche des Exmoor National Park in Devon wirkt geisterhaft - zumindest im Herbst, wenn die Heidebüsche braun geworden sind, sich der Nebel schwer auf die Hochmoorfläche legt und die Schafe im scharfen Wind zusammenrücken.

Exmoor ist eines von elf großen Naturschutzgebieten in England und Wales und etwa 700 Quadratkilometer groß. Rund 10.500 Menschen leben hier in der Heimat der bekannten wilden Exmoor Ponys. Deren Verwandte leben auch in einem weiteren großen Nationalpark, dessen Name fast noch bekannter ist: in Dartmoor.

Auch die Küsten sind sehenswert. Zwei beliebte Urlaubsorte am Meer sind zum Beispiel Lynmouth und Lynton in Devon. Die Schwesterstädte sind über eine steile Zahnradbahn verbunden, die mit Wasserkraft betrieben wird. Im hoch auf den Klippen liegenden Lynton gibt es einige nette Hotels, in denen der berühmte englische Cream Tea kredenzt wird: Scones mit hausgemachter Marmelade und Clotted Cream - hergestellt aus gekochter Sahne.

Eineinhalb Autostunden von Padstow entfernt liegt ein berühmtes Ausflugsziel: Land's End, die Südwestspitze Cornwalls. Nahe des ziemlich gut besuchten Punktes befindet sich das Theater von Minack. Auf der in die Klippen in Stein gehauenen Freilichtbühne am Meer treten im Sommer Theatergruppen aus dem gesamten Land auf. Das Theater fasst 800 Zuschauer und wurde 1929 von Rowena Cade als Bühne für örtliche Laienspieler errichtet. Zu seinen Füßen erstreckt sich ein weiter, weißer Badestrand. In den benachbarten kleinen Hotels wird vor allem lokaler Fisch und an manchen Tagen Hummer gereicht.

Eine traumhafte Gartenanlage, in der im Frühjahr rund 5000 Primeln blühen, ist auch Trebah Gardens bei Falmouth. Das weiße Herrenhaus inmitten des Parks mit eigenem Strand wurde vor 20 Jahren von Major Tony Hibbert in völlig verwildertem Zustand übernommen. "Meine Frau und ich wollten uns eigentlich mit einem Gin auf die Terrasse setzen und unseren Ruhestand genießen", erzählt der 84-Jährige. "Stattdessen buddeln wir seither in diesem Garten herum." Dann lacht er: "Aber deswegen sind wir wahrscheinlich noch am Leben."

Cornwall hat nicht nur Gartenliebhaber und Literaten wie Pilcher, Agatha Christie, Daphne du Maurier und Arthur Conan Doyle angezogen, sondern auch Maler. So hat vor sechs Jahren die Tate Gallery eine Niederlassung in der Künstlerstadt St. Ives am Meer eröffnet. In einem futuristischen Gebäude nahe des Badestrandes ist cornische Kunst des 20. Jahrhundert zu bewundern. In den Lädchen und Geschäften des Küstenortes werden aber auch Tonwaren, Keramiken und Holzschnitzereien verkauft. Geeignete Andenken an einen Urlaub in einer Traumkulisse - nicht nur für Rosamunde-Pilcher-Fans.

von Hilke Segbers, gms

Reiseinformationen


Reiseziel: Cornwall und Devon sind Grafschaften im äußersten Südwesten Englands.

Anreise: Über London mit dem Flugzeug nach Newquay. Mit dem Auto fährt man von London aus rund sieben Stunden nach Cornwall, mit dem Zug sind es sechs Stunden.

Klima: Nordeuropäisch, aber im Winter sehr mild.

Reisezeit: Ganzjährig. Der Winter ist kurz und sehr mild, im Frühjahr lockt die Rhododendronblüte, im Hochsommer sind es die Badeorte an der Küste und im Spätsommer die Heideblüte, leuchtende Farben in den Wäldern und die Hortensienhecken in Parks und Gärten.

Währung: Britisches Pfund. Derzeit kostet ein Pfund umgerechnet rund 3,50 Mark.