Côte d'Azur: Über den Wellen - DER SPIEGEL
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Côte d'Azur Über den Wellen

Auf dem Wasser oder unter Wasser, an Land oder in der Luft - es gibt viele Möglichkeiten, die Côte d'Azur zu entdecken. Nur eines ist allen gemein: Billig sind sie meist nicht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Antibes - Der seichte Wind hat den Fallschirm gepackt, ein kleiner Ruck - und es wird plötzlich ganz leise. Eben noch dröhnte der Motor in den Ohren, nun ist nur noch ein fernes Rauschen zu hören. Das Boot, das den sanft schaukelnden Paraglider an einer langen Leine hinter sich her zieht, fährt eine Kurve nach Osten, in Sicht kommt das Cap d'Antibes mit seinen prächtigen Villen.

Dort machen Popstars und Millionäre Urlaub, ihnen verdankt die Côte d'Azur viel von ihrem Ruhm und Glamour. Doch was sind schon die Partys der Promis gegen diesen Blick aus der Vogelperspektive? Das malerische Kap vor Augen, die Sonne im Rücken und unter den Füßen ein strahlend blau funkelndes Meer: Südfrankreich geizt im Sommer nicht mit Reizen.

Wer die heißesten Monate des Jahres an der Côte d'Azur so richtig genießen will, steht jeden Morgen vor der Qual der Wahl: Wo lässt sich der Tag denn am besten verbringen? Auf dem Wasser, auf dem Lande oder in der Luft? Einen abgerundeten Eindruck von der Cote d'Azur bekommt jedenfalls nur, wer alle drei Elemente auf sich wirken lässt.

Das Paragliding, das an zahlreichen Stränden in Antibes, Cannes und La Napoule angeboten wird, ist nur eine Möglichkeit, um aus der Höhe festzustellen, woher die Côte d'Azur ihren Namen hat. Das azurblaue Wasser kann auch vom Copilotensitz eines kleinen Wasserflugzeugs aus bestaunt werden, das vor Juan-les-Pins nahe des Cap d'Antibes regelmäßig zu Rundflügen startet.

Auch bei diesem Erlebnis ist der Tourist mehr oder weniger zum Schweigen verdammt: Fehlt ihm beim Paragliding schlicht der Gesprächspartner, so verhindert im Flugzeug der laute Propellermotor jede Kommunikation mit dem Piloten.

Der Blick aus dem Flugzeug heraus fällt nicht nur auf die Villen und Yachten der Reichen und Schönen. Die Küste zwischen Cannes und Nizza ist nicht überall eine Zierde: Wer unberührte Natur sucht, wird enttäuscht.

"Landratten" mag dies als Côte d'Azur-Erlebnis reichen, erweitert noch um Stunden an den feinen Sandstränden, die leider vielerorts ziemlich nah an der stark befahrenen Küstenstraße liegen. Seglern und anderen Wassersportlern hingegen eröffnet die Region rings um Cannes enorme Möglichkeiten: Tauchen und Schnorcheln an den Lerinischen Inseln etwa ist sehr beliebt. Im "Club Nautique" in Antibes werden auch Anfänger rasch mit einem kleinen Katamaran auf das Spiel der Wellen losgelassen.

Einer der wichtigsten Stützpunkte für Segler an der Côte d'Azur ist Mandelieu-La Napoule, das nur wenige Kilometer westlich von Cannes liegt. Dort stehen mehr als 2400 Liegeplätze für Boote zur Verfügung, darunter etwa 330 für Kurzbesucher.

"Das Revier hier bei La Napoule wird von Seglern sehr gut angenommen", sagt Hafenkapitän Eric Rahyr, "gerade weiter westlich, wo das Esterel-Gebirge auf das Meer trifft, gibt es viele schöne Buchten." Zudem habe man in La Napoule einen besseren Wind als etwa in Monaco, wo die nahen Berge oft für eine kleine Flaute sorgten.

Ein ganz besonderes Schmuckstück im Hafen von La Napoule ist der Zwei-Mast-Segler "Jim Morgan": Der 1885 in Rostock gebaute Frachter kam Mitte der neunziger Jahre in den Besitz von Christian Montesinos, der das Schiff komplett instand setzte und heute vermietet. An Bord ist Platz für bis zu acht Gäste, vermietet wird das Schiff auch für Tagestouren. Allerdings geht unter umgerechnet 4500 Mark für solch einen Kurztrip gar nichts - Mehrwertsteuer, Cocktails und Hafengebühren noch nicht inklusive.

Günstiger kommt weg, wer eine kleinere Yacht chartert: Im Hafen von La Rague bei La Napoule etwa sind Zehn-Meter-Schiffe für bis zu vier Personen je nach Saison ab etwa 2200 Mark pro Woche zu haben. Das etwas versteckter liegende Gelände ist weniger lebhaft als der Nachbar in La Napoule, auch eine Tauchschule hat hier ihren Sitz.

Die Unterwasserwelt der Moränen, Fischschwärme und Seesterne bietet dabei eine weitere, ganz andere Perspektive - als ob die vielen Erlebnisse zu Wasser, zu Lande und in der Luft nicht schon genug Qual der Wahl bedeuteten.

Christian Röwekamp