Dubrovnik: Phönix aus der Asche - DER SPIEGEL
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Dubrovnik Phönix aus der Asche

In Dubrovnik schieben sich Besucherströme wie in den besten Zeiten vor dem Krieg durch die verwinkelten Gassen. Im vergangenen Jahr hat Kroatien mit einem Plus von 56 Prozent seine Wiedergeburt als Urlaubsziel gefeiert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer schöne Urlaubsfotos schießen möchte, ist in Dubrovnik genau richtig. Das kompakte Sechseck der Stadtmauer kann schon nach einem kurzen Aufstieg in den Südwesten formatfüllend aufgenommen werden. Auf dem Rundweg über die bis zu sechs Meter breite Mauer ergeben sich immer wieder andere reizvolle Perspektiven. Welcher anderen Stadt kann man schon derart aufs Dach steigen?

Frisch ist die Erinnerung an den jugoslawischen Bürgerkrieg. Während der sechsmonatigen Belagerung 1991/92 durch Serben und Montenegriner schlugen rund 2000 Granaten in die Altstadt ein und trafen alles, was von der Freien Republik Ragusa aus früheren Jahrhunderten erhalten war: die mächtige Stadtmauer, Klöster, Paläste und den Marmor, aus dem die Stadt wie von Künstlerhand gehauen scheint. Heute sind die Spuren weitgehend getilgt - nur der aufmerksame Beobachter erkennt das Flickwerk auf dem Steinfußboden und so manches Ornament an Fassaden und Brunnen wirkt glatter und sauberer, als es seinem Alter nach sein dürfte. Die Dächer, von denen mehr als zwei Drittel zerschossen waren, sind zum Großteil neu gedeckt.

Das bunte Treiben auf der Stradun, dem lang gezogenen Platz, vertreibt schnell die düsteren Erinnerungen. Die Passanten spiegeln sich im speckigen Fußboden, die Stimmen werden durch die Steinfassaden akustisch verstärkt. Ganz Dubrovnik scheint hier im Sommer auf den Beinen zu sein.

Zu besichtigen gibt es viel in Dubrovnik: Neben Kirchen etwa das Franziskanerkloster oder den Rektorenpalast aus dem 15. Jahrhundert. Heute birgt er ein stadtgeschichtliches Museum, das allerdings eher provinziellen Charme besitzt. Vor dem Rektorenpalast steht die Rolandstatue. Während der Sommerfestspiele trägt dieser Recke stolz die Stadtfahne Dubrovniks.

Zum Festival, das jedes Jahr vom 10. Juli bis zum 25. August stattfindet, verwandelt sich Dubrovnik in eine große Freilichtbühne. In Innenhöfen und Kreuzgängen, auf Plätzen und Treppen wird Kunst dargeboten. Theaterstücke und Lesungen finden in kroatischer Sprache statt. Ausländische Besucher werden deshalb wohl besonders den berühmten Klassik-Konzerten in der Stadt lauschen. Alle großen Stars der Szene - von Herbert von Karajan bis Gidon Kremer - haben die Festspiele seit 1950 besucht.

Am Abend können die Besucher dann durch die Altstadtgassen bummeln. Die schmalen Sträßchen sind gesäumt von Kneipen und Restaurants. Neben Meeresfrüchten finden sich Pizza und Risotto auf den Speisekarten - die sprichwörtliche Balkanplatte dagegen gibt es eher selten. Offenbar will Dubrovnik mit dem Balkan eben nichts mehr zu tun haben.