Emilia-Romagna: Zwischen Parmaschinken und Parmesan - DER SPIEGEL
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Emilia-Romagna Zwischen Parmaschinken und Parmesan

Von der Adria bis fast zur ligurischen Küste erstreckt sich eines der Feinschmecker-Zentren Italiens: Die Emilia-Romagna lädt Besucher in eine Gegend ein, in der Parmesan-Käser gehandelt werden wie Fußballspieler.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Deutsche Reisende lassen die Emilia-Romagna gerne links liegen. Wer auf der Autostrada Richtung Süden fährt, steuert meist den Strand von Rimini an - und rauscht dabei an einer der interessantesten Kulturregionen Italiens vorbei.

Das Gebiet südlich des Po ist nicht nur die Heimat des listigen Pfarrers Don Camillo und des kommunistische Bürgermeisters Peppone. Es gilt auch als eine kulinarisch besonders reiche Landschaft.

Denn die Städte der Emilia-Romagna sind die Geburtsorte beliebter Speisen und Gerichte: Parmaschinken, Parmesankäse, Mortadella, Balsamico-Essig und Spaghetti Bolognese gehören dazu.

Gourmets und Gourmands können bei ihrer kulinarischen Reise einer alten Strecke folgen: Bereits 187 vor Christus ließ der römische Prokonsul Marcus Aemilius Lepidus eine Straße anlegen, die vom damals noch junge Arminium, heute Rimini, nach Placentia, heute Piacenza, führte.

Die kulinarische Reise kann in Bologna beginnen - in der Küche des Ristorante Rossi an der Via Goito. Die Brüder Lino und Franco kochen dort Speisen der regionalen, traditionsreichen Küche. "Mein Bruder Lino kann die Tortellini schon sehr gut zubereiten", sagt Franco Rossi, der sich um den Weinkeller kümmert. "Aber wenn unsere Mama sie für uns macht, dann geht der Himmel auf."

Serviert wird die Delikatesse in Fleischbrühe oder in Butter und Salbei geschwenkt. Nicht umsonst trägt Bologna in Italien den liebevollen Beinamen "la grossa" - "die Fette".

Folgt man der Via Aemilia etwa 60 Kilometer gen Nordwesten, so führt sie den Reisenden ins Zentrum einer in modischer und kulinarischer Hinsicht beeindruckenden Stadt: Reggio nell'Emilia. Wer sich für die Modeschöpfer Italiens begeistert, darf seiner Leidenschaft hier hemmungslos frönen. Die extravaganten Geschäfte können mit den Mailänder Boutiquen allemal mithalten.

Weltbekannt ist auch der Käse: Reggio nell'Emilia ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, in der echter Parmesankäse hergestellt wird. Die Milch für das feinkörnige, hell- bis strohgelbe, aromatische Lebensmittel stammt aus einem geographisch eng umrissenen Gebiet. "Seit über 700 Jahren sind die Zutaten des Parmigiano-Reggiano dieselben geblieben", sagt Käserei-Besitzer Giovanni Prati: "Milch, Lab und Feuer".

Die Käser lernen ihren Beruf viele Jahre von einem Meister, anschließend werden sie zwischen den verschiedenen Parmesan-Betrieben gehandelt wie Fußballspieler, Ablösesummen eingeschlossen. Dafür lastet auf ihren Schultern dann die Verantwortung für die Produktion.

"Ich hatte in 30 Jahren sechs Tage frei", sagt Giovanni Prati und lacht. "Das war, als ich geheiratet habe." Immer wieder fasst er dabei in den Kupferkessel, in dem die Milch unter ständigem Rühren bis auf 35 Grad erwärmt wird. Dann gibt er das Lab hinzu. Kurz darauf hebt ein Gehilfe die geronnene Masse mit einer Holzschaufel in ein Leinentuch und legt sie in eine hölzerne Form.

"Nach einem Jahr Reifung teste ich die Qualität des Käses mit einem kleinen Hammer", sagt Prati. "Man kann am Klang hören, ob er gelungen ist. Dann reift er noch zwei Jahre." Fällt einer der 36 Kilogramm schweren Laibe durch die Prüfung, wird er am Rand mit Kreuzen gekennzeichnet und landet höchstens noch gerieben auf dem Küchentisch.

Die nächste Station an der Via Emilia ist Parma: Ein kleiner Spaziergang durch die Residenzstadt lohnt sich: Der Stadtpalast der Farnese, der Palazzo della Pilotta, beherbergt heute das Nationale Archäologiemuseum mit beachtlichen Marmorstatuen.

Auch die vielen Feinkostgeschäfte mit ihren Auslagen sind eine Besichtigung wert: Die Schinkenwurst culatello zu probieren ist für Besucher ein "Muss".

Und dass man nicht in Parma weilen kann, ohne den König der Schinken zu verkosten, versteht sich beinahe von selbst. Den feinen Geschmack des Parmaschinkens führt Franco Tramelli von der Vereinigung der Parmaschinken-Hersteller auf die besonderen klimatischen Bedingungen zurück: "Unsere Luft verleiht dem Schinken bei der Trocknung das einzigartige Aroma."

Und so wundert es überhaupt nicht, dass Priester Don Camillo und Bürgermeister Peppone sich nach einer gepflegten Hauerei auf italienische Art versöhnten: beim Essen.

Informationen:

  • Die Emilia-Romagna liegt im nördlichen Teil Italiens und zieht sich von Rimini im Osten fast bis an die ligurische Küste im Westen. Hauptstadt der Region ist Bologna.
  • Im Sommer ist es in der feuchten Ebene schwül und drückend, im Winter neblig. Je weiter es in die Berge hinein geht desto frischer wird es. Der Frühling gilt - wie auch sonst überall in Italien - als beste Reisezeit.
  • Weiter Auskünfte beim Staatlichen Italienischen Fremdenverkehrsamt Enit, Kaiserstraße 65, 60329 Frankfurt, Tel.: 069/23 74 30


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