Fährverkehr Noch immer Sicherheitsmängel
München - In einem am Mittwoch veröffentlichten Test des ADAC schnitten die meisten Schiffe besser ab als in den Vorjahren. Von den 22 untersuchten Personenschiffen erhielt laut Automobilclub keine einzige Fähre die Note "sehr mangelhaft". Immerhin sieben Fähren erreichten das Testurteil "gut", zwei wurden sogar "sehr gut bewertet. Dreimal gab es "mangelhaft", zehnmal die Note "ausreichend".
Die technischen Voraussetzungen der Schiffe sind zwar deutlich besser geworden, jedoch birgt die häufig sehr schlechte Ausbildung der Mannschaften für den Notfall ein gewisses Risiko.
Im Extremfall habe es bei Übungen mit ADAC-Testern in Griechenland bis zu 30 Minuten gedauert, ehe ein Rettungsboot zu Wasser gelassen werden konnte, oder 20 Minuten, bis eine Feuerlösch-Pumpe genug Druck aufgebaut hatte. Mitarbeiter auf den Fähren sprechen laut einem ADAC-Sprecher häufig nicht einmal Englisch. Aber auch die Durchsagen und Sicherheitshinweise für einen Notfall fehlten häufig oder seien nur unzureichend. Selbst beim Testsieger "Carthage", der auf der Route Tunis-Genua verkehrt, seien die Durchsagen nur in Arabisch.
Am schlechtesten mit der Note "mangelhaft" schnitten die "Ciudad de Salamanca" ab, die zum Zeitpunkt des Tests zwischen Barcelona und Palma de Mallorca verkehrte, die "Arlequin Rojo" zwischen Ibiza und Formentera und die "Kraljica Mira" zwischen Split und Ancona.
Nach dem Untergang der "Express Samina" vor Paros im vergangenen September lag der Schwerpunkt der Untersuchung dieses Mal in Griechenland, wie der ADAC, mitteilte. Das Ergebnis ist fast schon sensationell. Keines der Schiffe ist durchgefallen. Die technische Ausstattung ist deutlich besser geworden. Hauptproblem seien aber weiterhin die schlecht oder nicht vorhandenen Notfallinformationen. Die Übungen haben zum Teil zu verheerenden Ergebnisse geführt. Dennoch sind fünf der zehn untersuchten griechischen Fähren mit einem "gut" bewertet worden, die "Blue Star 1", die auf der Strecke der gesunkenen "Express Samina" verkehrt, sogar mit "sehr gut". Keines der griechischen Schiffe ist mit einer negativen Gesamtnote durchgefallen. Bei der "Express Apollon" auf der Route Paros-Santorin verbesserte sich der Gesamteindruck laut ADAC von "mangelhaft" im Testjahr 1999 auf "gut".
Insgesamt bemängelten die Tester die oft schlampige Wartung bis hin zu falscher Anwendung der Sicherheitsausrüstung. Notausgänge ließen sich nicht öffnen, Kisten mit Rettungswesten seien abgesperrt, Rettungsboote hätten zum Teil mehr als einen Zentimeter große Löcher, Rettungsinseln seien fest gebunden, so dass sich diese bei einem Untergang der Fähre nicht automatisch aufblasen könnten. Laut ADAC mangelt es auch bei der Ankettung der Fahrzeuge. Im vergangenen Jahr sind vereinzelt Autos während der Fahrt heruntergerutscht und im Meer versunken. Ein weiteres Sicherheitsrisiko sind auch die Passagiere selbst, die häufig Schwimmwesten und Rettungsringe als Souvenir mitnehmen. Oft würden diese nicht ersetzt und fehlten im Notfall. Außerdem bestehe meist kein Interesse, sich vor der Abfahrt über Fluchtwege oder das richtige Verhalten im Notfall zu orientieren.