Finnland Labyrinth aus Eis
Da kennen die Finnen nichts. Keine Kälte und keinen Schmerz. Klaglos stehen Hunderte von Besuchern in Fellstiefeln und dicken Jacken im Theater der Schneeburg von Kemi und wohnen der Aufführung des Märchens "Die Schneekönigin" bei. Trotz klirrender Kälte herrscht im kältesten Open-Air-Theater der Welt fast jeden Abend Hochbetrieb.
"Die minus zwölf Grad heute sind noch gar nichts", sagt Seppo Lankinen. "Wir haben hier schon bei minus 33 Grad gestanden", erzählt er, kurz unterbrochen vom dumpfen Applaus handschuhbewehrter Hände. "Und selbst dann ist kaum ein Besucher vorzeitig gegangen."
Lankinen stapft jeden Tag stundenlang durch "seine" Schneeburg, die die kurz unterhalb des Polarkreis gelegene Stadt Kemi weltbekannt gemacht hat. Seit vier Jahren entsteht hier in den Wintermonaten ein gigantisches Bauwerk aus Eis und Kunstschnee. Der Aufwand lohnt sich, denn jedes Jahr kommen rund 300.000 Besucher, um die größte Schneeburg der Welt zu besichtigen. Einige reisen wegen des weißen Wunderwerks sogar aus Papua-Neuguinea, Somalia oder dem Iran an.
Für das Schneewerk wird alljährlich ein neues Konzept entwickelt. Mal bestand das Gebäude aus zwei Stockwerken, aus Höhlen, Grotten und Gängen, mal bauten die Finnen eine Art Azteken-Tempel nach. Die neue Schneeburg, die am 16. Februar ihre Tore öffnet, wird wieder anders aussehen.
Runde Burgtürme sind das Wahrzeichen von Lumilinna 2001, umgeben ist sie dann von einem Gletscher-Wanderweg, einer Bahn für Schneemobile und einem rutschend zu durchquerenden - Labyrinth aus Eis. Ferner geplant: Eine Kletterwand aus Eis und ein "Wikinger"-Spa.
Für den Bau des Märchenschlosses werden jedes Jahr mindestens 30.000 Kubikmeter Schnee benötigt. Wer durch die eisigen Räume wandert, kann sich auf konstante Temperaturen von minus zwei Grad einstellen - ein mildes Klima im Vergleich zu den Außentemperaturen.
Gediegen ist auch das Burgrestaurant: Das allgemeine Stelldichein erfolgt auf Rentierfellen und der Wodka wird in Einweg-Eisbechern serviert. Heißer Tee wäre ein Problem.
Richtig aufwärmen kann man sich in den zu Souvenirläden und Restaurants umgebauten historischen Lagerhäusern, die in den - eisigen - Burghof integriert sind. Ab Februar kann im burgeigenen Hotel übernachtet werden. Auch hier besteht alles aus Eis. Und sollte es einem Gast doch zu kalt werden, steht eine Sauna zur Verfügung.
Neben dem Schneeschloss ist der ausgemusterte Eisbrecher "Sampo" die zweite touristische Attraktion in Kemi. Seit zehn Jahren bahnt sich das 75 Meter lange und 3540 Tonnen schwere Schiff speziell für Touristen den Weg durch meterdickes Packeis - die erste Tour startet in diesem Jahr am 15. Dezember. Die Komplettprogramme beinhalten zumeist eine Anfahrt mit dem Motorschlitten und das "Eisschwimmen" in kälteschützenden Lebensrettungsanzügen. Beliebt ist der Tagesausflug vor allem bei Firmen, die verdiente Mitarbeiter entsenden.