Florenz und Venedig Sitzen bei Strafe verboten
Rom - "Können Sie bitte aufstehen? Es ist verboten, sich auf die Treppen zu setzen!" Diese oder ähnliche Ermahnungen hören Touristen seit Anfang August immer öfter, wenn sie auf den Treppen des Doms in Florenz oder auf dem Markusplatz in Venedig Rast machen wollen. Wer es trotzdem wagt, riskiert eine 50-Euro-Strafe.
"Leider bleibt es nicht nur beim Ausruhen auf den Treppen des Doms", erklärt der Verantwortliche für Sozialpolitik der Stadt, Graziano Cioni. "Einige essen dort auch und verunreinigen somit den Platz." Auslöser für die Regelung waren Beschwerden des Monsignore Timothy Verdon. Er hatte auf die zunehmende Verschmutzung der Gotteshäuser in Florenz hingewiesen.
"Die Touristen haben Verständnis für diese Regelung", erklärt Ubaldo Cianciulli vom Pressebüro der Stadt. "Die Polizei hat kaum Strafen verteilt." Außerdem werde auch ein Auge zugedrückt, wenn die Treppen an den Seiteneingängen besetzt würden.
Weniger kulant ist allerdings die Polizei in Venedig. Am 8. August wurden Schilder auf dem Markusplatz aufgestellt. In vier Sprachen wird darauf hingewiesen, dass es verboten ist, sich auf den Boden zu legen oder zu setzen, Abfall liegen zu lassen oder ein Bad in den Kanälen der Stadt zu nehmen. Fahrradfahren und das Ausziehen in der Öffentlichkeit wird auch nicht gerne gesehen. Wer in Venedig bummeln will, sollte mehr als Badekleidung anhaben. "Mit dieser Regelung wollen wir die Touristen zur Zusammenarbeit animieren", erklärt Francesco Vergine, Chef der Gemeindepolizei. "Wir setzen auf den Bürgersinn. Nur die Uneinsichtigen müssen 50 Euro Strafe bezahlen."
In Florenz seien die Touristen sehr einsichtig, berichtet Pressesprecher Cianciulli. Kritik übt aber der Grünen-Stadtabgeordnete Alessio Papini: "Diese Regelung muss sofort abgeschafft werden. Sie ist unmenschlich und unchristlich. Wo sollen sich denn die älteren Menschen bei 41 Grad im Schatten denn hinsetzen?" Der Mangel an Sitzgelegenheiten zwinge Touristen dazu, sich auf die Treppen der Kirchen zu setzen. Lediglich die wenigen Touristen, die ihren Müll liegen lassen, sollten betraft werden. Cianciulli zufolge wurden bisher 25 neue Bänke auf dem Domplatz aufgestellt, weitere sollen folgen.
Der australische Tourist Arthur Katsalos zeigt zwar Verständnis dafür, dass Städte auf die Sauberkeit ihrer Baudenkmäler achten. Nach einem Wochenendtrip nach Florenz ist der 36-jährige froh, wieder in Rom zu sein, wo das Sitzen auf Denkmaltreppen noch erlaubt ist. In Florenz und Venedig sieht er kommerzielle Interessen am Werk: "Dies ist nur ein Trick, die Touristen dazu zu bringen, sich in die nahe liegenden Bars zu setzen und zu konsumieren", vermutet er. "In Rom kann man wenigstens nach Herzenslust auf den Treppen der verschiedenen Denkmäler sitzen."
Von Alexandra Barone, AP