Gran Canaria: Der kleine Kontinent - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Gran Canaria Der kleine Kontinent

Im Altertum galten die Kanaren als "Inseln der Glückseligen". Der Ruf blieb ihnen treu: Heute locken sie Gäste aus ganz Europa mit viel Sonne, urwüchsiger Natur und mit der Geschichte von Christoph Kolumbus.
Von Frank Schneider
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sonne, Strände, klares Wasser - daran denken die meisten Urlauber, wenn die Ferienreise auf eine der kanarischen Inseln führen soll. Nur einen Katzensprung von der afrikanischen Nordwestküste entfernt, hat die spanische Krone dort ihren letzten Außenposten bewahrt.

Mit den feinsandigen Strände bei Maspalomas auf Gran Canaria hatten die Spanier vor rund fünfhundert Jahren wenig im Sinn. Sie gründeten gegen Ende des 15. Jahrhunderts im Nordosten der Insel eine Stadt. Zunächst wurde auf der Halbinsel La Isleta eine Burg errichtet, unweit davon entstand auf der eigentlichen Insel die Keimzelle des heutigen Las Palmas. Die malerische Altstadt außerhalb des modernen und geschäftigen Zentrums der heutigen Provinzhauptstadt liegt gleich neben der imposanten Kathedrale.

Die ältesten Häuser datieren aus der Gründungszeit um 1478. Prunkstück und wohl auch Stolz der heutigen Stadtväter ist zweifelsohne jenes Haus, in dem ein gewisser Cristóbal Colón - Christoph Kolumbus also - etwa einen Monat lebte, bevor er sich anschickte, die Weltgeschichte zu verändern.

Kolumbus versorgte sich auf den Kanaren, dem letzten Außenposten der damals bekannten Welt in Richtung Westen, mit allem, was man für eine Fahrt ins Ungewisse braucht. Sein Haus, eher ein Palazzo, der den späteren Ruhm seines Bewohners vorwegzunehmen schien, ist heute ein Museum zum Thema der spanischen Eroberungen und der frühen Geschichte Amerikas.

Besonders beeindruckend ist der Nachbau der Inneneinrichtung eines Seglers, wie es die Santa Maria war. Kaum vorstellbar, dass mit so einer Nussschale die neue Welt entdeckt wurde. Kein Wunder, dass Kolumbus in der kleinen Altstadtkirche regelmäßig den Beistand des Himmels erbat, wie das Schild an der Pforte ausweist. Die Altstadt ist stets ein angenehm ruhiger Kontrast zum geschäftigen Treiben der angrenzenden Metropole.

An der Nordspitze der Insel, eine halbe Autostunde außerhalb Las Palmas, liegt die kleine versteckte Bucht Sardina. Hier ankerten die Santa Maria, Nina und Pinta, bevor sie nach einem weiteren Halt auf Gomera das große Abenteuer angingen. Das ruhige klare Wasser zu Füßen der Steilküste macht den Strand zum Geheimtipp.

Wenn Gran Canaria noch heute den Beinamen "Der kleine Kontinent" trägt, kommt das nicht von ungefähr. Die Insel ist in ihrem Zentrum schließlich fast 2000 Meter hoch. Zwischen den manchmal nebligen Höhen und dem meist tiefblauen Meer gibt es Wälder, Seen und Wüstenlandschaften.

Von Las Palmas aus winden sich kurvige Straßen durch einsame Täler, vorbei an verlassenen Höhlenwohnungen, Stauseen und durch Pinienwälder auf ein Hochplateau. Von dort bietet sich ein atemberaubender Blick über die gesamte Nordküste. Bei wolkenlosem Wetter kann man gar den 3718 Meter hohen Pico de Teide auf Teneriffa sehen.

Auch bei einem Urlaub in Las Palmas muss man nicht auf einen Strand verzichten. Zwischen der Halbinsel La Isleta und der Stadt liegt der fast drei Kilometer lange Strand Las Canteras, der seinen Namen von den früheren Steinbrüchen in der Gegend bekam. Der breite, äußerst gepflegte und goldgelbe Strand wird von einer Fußgängerpromenade und zahlreichen Restaurants gesäumt. Auf der Ostseite dieser Verbindung zur Halbinsel La Isleta liegt der Hafen von Las Palmas.

Hier findet sich ein kaum bekanntes Revier für Taucher: Etliche Wracks warten unweit der Hafenmole auf Besuch "von oben". Tauchlehrer Iniego Guiterrez weiß, dass in der Vergangenheit so mancher Kahn einfach versenkt, statt im Dock abgewrackt wurde. Und wer die Naturschönheiten des nördlichen Teils von Gran Canaria nicht nur an Land kennen lernen will, kann auf der Basis auch einen Tauchkurs machen und Barrakudas, Rochen oder Makrelen in ihrem Element beobachten.

Weitere Genüsse versprechen die handgemachten Zigarren der Marke Monte Canario oder der einheimische Rum Arehucas, der in der kleine Stadt Arucas - ebenfalls im Norden der Insel - hergestellt wird. Denn Gran Canaria bietet weit mehr als endlose Dünenlandschaften und Kilometer lange, feinsandige Strände.