Hanseboot in Hamburg: Retro-Boom an der Waterkant - DER SPIEGEL
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Hanseboot in Hamburg Retro-Boom an der Waterkant

Weiße Yachten, schnittige Motorflitzer und liebevoll renovierte Regattaboote: In Hamburg hat die Wassersportmesse Hanseboot eröffnet. Prunkstücke sind eine neue 3,4-Millionen-Motoryacht und zwei Mahagoni-Segler aus der Belle Epoque.
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Hamburg - Vor einer drohenden Flaute durch die Folgen der weltweiten Finanzkrise setzen die deutschen Bootsbauer auf Rückenwind von der "Hanseboot" in Hamburg. Bis zum 2. November soll die größte norddeutsche Wassersportmesse mit mehr als 800 Ausstellern aus 30 Ländern den Verkauf von Yachten und Zubehör deutlich ankurbeln, sagte ein Sprecher des Deutschen Boots- und Schiffbauerverbandes (DBSV).

Auf Skipper warten in elf Messehallen zahlreiche hochseegängige Segel- und Motoryachten. Außerdem sind auf der Leistungsschau unter anderem familiengerechte Segelboote, Katamarane und auch Trimarane zu sehen. Allein im Hanseboot-Hafen am Baumwall liegen rund 40 Segel- und Motoryachten ab zehn Metern Länge. Die Ausstellungsfläche stieg im Vergleich zum Vorjahr von rund 78.000 auf 82.000 Quadratmeter an. Mit einem neuen Konzept setzt die Messe auf mehr Aktivitäten im Programm, um verstärkt Einsteiger für den Wassersport zu gewinnen.

3,4 Millionen Euro für eine 21,5-Meter-Yacht

In diesem Jahr blieben die Hallen mit überwiegend großen Segel- und Motorbooten zunächst relativ leer. In den Verkaufsbereichen für alltägliches Zubehör und Bekleidung sowie Trendsportarten wie Kiten und Surfen drängten sich dagegen die Besucher. Bei Elektronik und teuren Geräten war das Interesse wiederum zunächst eher gering.

Am Wochenende schlenderten bereits rund 25.000 Gäste über die internationale Bootsausstellung. Damit kamen an den ersten beiden Tagen der 49. Auflage der Messe jedoch 5000 Wassersportinteressierte weniger als am Startwochenende 2007. Insgesamt reisten im vergangenen Jahr rund 110.000 Besucher an. Von dem sonnigen Oktoberwetter am Samstag profitierte vor allem der Hanseboot-Hafen. Dort sahen sich an diesem Tag rund 8000 Besucher die Yachten vor der Speicherstadtkulisse an, wie die Veranstalter mitteilten.

Eine der Attraktionen der Messe ist die "Vision 68" der Bremer Yachtagentur Drettmann. Sie ist mit 21,50 Meter Länge die größte und mit einem Preis von 3,4 Millionen Euro zugleich die teuerste Motoryacht der diesjährigen Hanseboot. Zwei Schaustücke sind unverkäuflich. Die beiden aufwendig renovierten 21 Meter langen Holz-Segelyachten stammen aus der Zeit, "als Segeln noch ein weißer Herrensport war", so ein Messesprecher.

Lieber in alte Schiffe investieren als neue kaufen

Zum Auftakt der Freizeitmesse zeigten sich viele Hersteller und Händler skeptisch in Bezug auf mögliche Geschäftsabschlüsse. Angesichts der Finanzkrise sei wohl mit Zurückhaltung bei potentiellen Käufern zu rechnen. Die Messeleitung zeigte sich allerdings zufrieden mit dem Start der Schau. So seien die ersten Kaufverträge bereits geschlossen worden. Die Hanseboot gilt im Gegensatz zur boot in Düsseldorf als Verkaufsausstellung. Mit "Winterpreisen" versucht die Branche Vertragsabschlüsse hereinzuholen, die die Produktion im Frühjahr sichern.

Trotz der rückläufigen Umsätze im Import und der sinkenden Stückzahlen im Export sei die Branche mit dem ersten Halbjahr 2008 noch durchaus zufrieden, sagte der DBSV-Geschäftsführer Claus Ehlert Meyer. Das Jahr 2007 habe durch überaus gute Zahlen geglänzt, daher seien die Rückgänge noch nicht alarmierend.

Für 2009 seien die Erwartungen inzwischen allerdings gedämpft. Für den Fall, dass die Finanzkrise den Neubaumarkt beeinträchtigt, setzen die 440 Verbandsmitglieder laut Meyer auf das Zubehörgeschäft. In konjunkturell schwachen Zeiten würden Wassersportler lieber in alte Schiffe investieren als neue zu kaufen.

abl/dpa/ddp